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Bei Häffner stimmt die Chemie Flexibel mit der eigenen Flotte

Foto: Matthias Rathmann 17 Bilder

Der Chemie-Großhändler Häffner aus Asperg schwört auf die eigene Flotte. Rund 3.000 chemische Produkte hat er im Sortiment. Warum ihm der Fuhrpark so wichtig ist.

Nein, dieses Wort will keiner in der Überschrift lesen. Auch der Tagesschau-Sprecher dürfte froh sein, wenn ihm das 27-Buchtaben-Ungetüm nicht über den Teleprompter läuft. Fans des Glücksrads oder Rätsel-Könige werden sie dagegen lieben – die Natriumhydrogensulfitlösung. Aber auch die Chemiebranche findet an ihr Gefallen.

Die Substanz mit dem Zungenbrecher-Namen gehört auch zum Sortiment des Chemikalien-Großhändlers Häffner aus Asperg (Kreis Ludwigsburg), der sie in spezielle Tankcontainer (Intermediate Bulk Container, IBC) abfüllt und transportiert. Die Auto- oder Elektroindustrie kann die Lösung etwa zur Abwasserbehandlung nutzen, die Lebensmittel-Industrie daraus Konservierungsmittel herstellen. Vielfalt ist Trumpf, denn vielfältig sind die Einsatzmöglichkeiten – was so für viele chemische Produkte gilt. „Chemie ist fast überall vertreten“, sagt Ralf Nieß, Leiter der Logistik bei Häffner. Das stimmt ihn trotz des aktuell angespannten wirtschaftlichen Umfelds auch für die Zukunft zuversichtlich. „Wenn ein Zweig schwächelt, gibt es in anderen Bereichen Bedarf“, erklärt er. Häffner sei hier breit aufgestellt.

Fast alle Gefahrenklassen gehören zum Sortiment

Ob Säuren, Laugen oder Lösungsmittel, ob die besagte Natriumhydrogensulfitlösung oder sonstige Salz-, Essig- oder Ameisensäuren: Rund 3.000 Produkte kann Häffner liefern, übrigens auch mit dem eigenen Fuhrpark, doch dazu später mehr. Zum Sortiment gehören fast alle Gefahrenklassen – für das Lager am Stammsitz mit Ausnahme von explosiven und radioaktiven Stoffen (Klassen 1 und 7). Das Unternehmen kauft die chemischen Substanzen auf Kundenwunsch ein, mischt aber auch selbst an – worüber ein Chemiemeister und -laborant wachen. Die Produkte von Häffner kommen in fast allen Branchen zum Einsatz;. Das Unternehmen beliefert Konzerne ebenso wie Mittelständler. Auch Kommunen gehören zur Kundschaft: Kläranlagen-Betreiber ordern zum Beispiel Eisen(3)-Chlorid, um Abwasser aufzubereiten, städtische Bäder Chlor, um das Wasser in den Becken zu desinfizieren.

Von der Vielfalt zeugen auch die unterschiedlichen Gebinde, die im Hauptlager von Häffner anzutreffen sind: Fässer, Kanister, Flaschen und jede Menge IBC begegnen dem Besucher dort – wobei der Trend für Logistikleiter Nieß klar zum IBC geht, der deutlich einfacher im Handling sei – für Lkw- ebenso wie für Staplerfahrer. Entsprechend groß sind die Mengen an leeren IBC, die im Eigentum von Häffner sind und sich auf der Freifläche auf dem Firmengelände stapeln.

Warum Logistikleiter Nieß die eigene Flotte schätzt

Die Flexibilität, um zum einen kurzfristig und zum anderen unterschiedlichste Mengen zu liefern, sieht Logistikleiter Nieß als besondere Stärke des Unternehmens an. „Wir können dank eigener Lkw schnell liefern“, sagt der 63-Jährige, der seit 24 Jahren bei Häffner tätig ist. „Ich bin ein großer Verfechter des eigenen Fuhrparks, weil er uns diese Flexibilität gibt.“ Das Erfolgsrezept liegt für Nieß – wie für seine Kundschaft bei den Chemikalien – in der richtigen Mischung. „Der Mix aus Eigenfuhrpark und Spedition macht es“, sagt der Logistik-Verantwortliche, der sich ehrenamtlich als Vorstandsmitglied im Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik (BWVL) sowie im Verkehrsausschuss der IHK Stuttgart engagiert.

Der eigene Fuhrpark umfasst 16 Fahrzeuge – zwei Sattelzüge, der Rest Motorwagen mit Festaufbauten oder Wechselsystemen. Der Clou bei den Wechselsystemen ist für den Logistikchef, dass die Häffner-Mitarbeiter jederzeit von Stückgut- auf Tankausstattung und umgekehrt umstellen können – was die Flexibilität erhöht. „Der Fokus im Eigenfuhrpark liegt dabei auf dem Tankbereich, da diese Art der Tankwagen-Beförderung nicht am Markt eingekauft werden kann“, berichtet Nieß. Als Tankaufbauten kommen drei, vier oder fünf Aufsetztanks mit zwei und drei Kubikmetern Inhalt zum Einsatz. Durch die unterschiedlichen Tanks an Bord eines Fahrzeugs kann Häffner auf einem Lkw unterschiedliche Lösungen an unterschiedliche Kundschaft befördern. In den vorderen beiden Kammern reist dann zum Beispiel Salzsäure, in den hinteren beiden Ameisensäure.

Mit diesen Speditionen arbeitet Häffner zusammen

Flexibel ist Häffner nicht nur bei der Wahl des Equipments, sondern auch im Mix Selbsteintritt/Spedition. Auf 50:50 beziffert Nieß die aus seiner Sicht zurzeit ideale Quote. Die Hälfte selbst zu erledigen, habe sich für Häffner als sinnvoll erwiesen. Dabei konzentriert sich der Chemiehändler auf Ein- und Zwei-Tagestouren überwiegend nach Süddeutschland und in die Schweiz, den Rest übernehmen Speditionen – vor allem die langjährigen Partner Barth aus Burladingen und LSU Schäberle aus Stuttgart, letztere mit Anschluss an das Netzwerk der Stückgutkooperation Online Systemlogistik.

Das Bekenntnis zum Werkverkehr erfolgt aus mehreren Gründen: Die Flexibilität ist einer davon. „Hinzu kommt, dass wir mit Pfandgebinden arbeiten, also Leergut zurückführen und damit immer fast ausgelastet fahren“, erzählt Ralf Nieß. „Dadurch rechnet sich der Fuhrpark.“ Nicht zu vernachlässigen sei auch der Servicegedanke – vielfach lege die Kundschaft Wert auf eigenes Equipment, das für Qualität stehe. Wie der gewerbliche Verkehr steht aber auch der Werkverkehr angesichts der immensen Kostenschübe unter Druck. Für den Logistikleiter gibt es hier nur einen Ausweg: die Kosten weiterzugeben. „Vom Drauflegen kann keiner leben.“

Gefahrgut liegt nicht jedem Fahrer

Die 16 Fahrer, die bei Häffner beschäftigt sind, bekommen moderne Fahrzeuge überlassen. Sie tragen Säureschutzkleidung, die einen Erstschutz vor Unfällen bietet. Ein weiterer Satz ist immer als Reserve an Bord. Und ein Fahrerhandbuch gibt den Mitarbeitern alle Informationen übersichtlich an die Hand. Es werde immer auf die Stunden geachtet, also sauber disponiert. Die Fahrer sind in der Regel abends – wenn nicht sogar schon am Nachmittag – zuhause. Denn die Touren beginnen früh, nicht selten um drei Uhr nachts.
Gefahrgut liege aber auch nicht jedem Fahrer, sagt Nieß. Manche scheuten sich davor. Er selbst hat keine Berührungsängste im Umgang mit Chemikalien. „Keine Angst, aber Respekt davor“, lautet seine Devise. Dem Vater einer erwachsenen Tochter ist es wichtig, dass auch das Umfeld weiß, was im Ernstfall zu tun ist. Die Freiwillige Feuerwehr Asperg etwa hat einen Bergebehälter für Chlorflaschen oder -fässer von Häffner überlassen bekommen. Bis 2012 war Nieß im Ehrenamt Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr von Stuttgart-Zazenhausen, zurzeit ist er Alterssprecher bei der Feuer­wehr Stuttgart. Nieß weiß also auch selbst nur zu gut, worauf es in der Logistik und mit Blick auf die Sicherheit ankommt – im Umgang mit Säuren, Laugen und Lösungsmitteln aller Art.

Das Unternehmen

  • Der Chemie-Großhändler Häffner vertreibt Säuren, Laugen, Lösungsmittel und andere chemische Produkte an Kunden verschiedener Branchen überwiegend in Deutschland und der Schweiz. Das Sortiment umfasst rund 3.000 Produkte.
  • Das inhabergeführte Unternehmen beschäftigt rund 200 Mitarbeiter. Es wurde 1903 gegründet und hat seit 1916 den Firmensitz in Asperg. Dort unterhält es zwei Lagerstandorte: Das Lösemittellager umfasst 5.000, das Säure-Laugenlager 7.000 Quadratmeter. Palettierte Ware lagert Häffner im Hochregallager auf 6.400 Stellplätzen am Standort Marbach.
  • Etwa die Hälfte des Transportbedarfs erledigt das Unternehmen mit dem Werkverkehr, der 16 Fahrzeuge überwiegend der Marke Mercedes-Benz umfasst. Das Spezial-Equipment – Aufbauten und Wechselsysteme für Tanks – stammen vornehmlich von PL Fahrzeugbau in Schorndorf oder Schrader in Beckum (Tank).

Intermodal im Fokus

  • Der Druck auf die Logistik bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit wird zunehmen. Davon ist Häffner-Logistikleiter Ralf Nieß überzeugt. Häffner hat mit einem Lieferanten begonnen, bestimmte Verkehre auf die Schiene zu verlagern. Erste Fahrten auf der Schiene hätten auf der Relation Köln–Kornwestheim stattgefunden, sagt er. „Das Engagement auf der Schiene wollen wir gerne ausbauen.“
  • Weitere Argumente, die seiner Ansicht nach für die Bahn sprechen, sind der Fahrermangel und die Staugefahr auf der Straße. Am Häffner-Gelände in Asperg endet ein Gleis, das 2010 aufgegeben wurde, weil die Unterhaltskosten zu hoch waren. Reaktivierbar ist der Schienenzulauf nicht, die Gleise wurden zum größten Teil entfernt, in der Nachbarschaft entstand ein Wohngebiet. Wo es Sinn ergibt, empfiehlt Nieß jedoch Bau oder Reaktivierung von Gleisanschlüssen – und unterstützt über die Verbände BWVL und VCH den VDV bei dessen Bahn-Gleisanschlus-Charta.
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