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Aktuelle Herausforderungen für die Branche

Resilienz aufbauen

Foto: Ralf Becker, Matthias Rathmann, Julian Hoffmann, Rafael Classen - stock.adobe.com

Krone Executive Logistics Summit: Lieferkettenprobleme und die Antriebswende sind aktuelle Herausforderungen für die Branche. VDA-Präsidentin Hildegard Müller warb in ihrer Keynote für weniger Abhängigkeiten.

Der Engpass bei den Halbleitern wird sich so schnell nicht entschärfen lassen und sowohl die Nutzfahrzeugindustrie als auch die Logistik weiter fordern. Davon geht der Verband der Automobilindustrie (VDA) aus, wie dessen Präsidentin Hildegard Müller beim Executive Logistics Summit erläuterte. „Viele rechnen damit, dass bis in die Jahre 2022 und 2023 eine strukturelle Knappheit herrschen wird“, sagte sie bei der gemeinsam von Krone und dem ETM Verlag organisierten Veranstaltung in Lingen. So lange werde es am Weltmarkt ruckeln.

"Von viel zu wenigen Herstellern abhängig"

Entsprechend wichtig ist es laut Müller, eine europäische Resilienz aufzubauen. „Wir sind weltweit von viel zu wenigen Herstellern abhängig“, sagte sie. Die VDA-Präsidentin baut darauf, dass auch in Deutschland Chipfabriken errichtet werden. „Aber das wird dauern.“ Der große Nachfrageboom, gepaart mit den Auswirkungen der Coronapandemie, habe diese Verknappung verursacht. Der Aufbau weiterer Werke zur Chipfertigung sei entscheidend für eine konjunkturelle Belebung. Denn bei allen Positivnachrichten mit Blick auf eine steigende Nachfrage: „Das Vorkrisenniveau wird auf keinen Fall vor 2023 erreicht“, warnte Müller.

Foto: Stefan Schöning Fotodesign
VDA-Präsidentin Hildegard Müller sieht noch kein Ende der Halbleiterkrise.

Antriebswende als Herausforderung

Eine weitere Herausforderung ist für die Branche die Bewältigung der Antriebswende. Müller verdeutlichte, dass die VDA-Mitglieder unterschiedliche Ansätze beim Dekarbonisieren des Schwerverkehrs verfolgen. „Die E-Mobilität ist eine der Wetten auf die Zukunft – aber nicht die einzige“, sagte sie und warb für Technologieoffenheit. „Was sich durchsetzt, wird der Markt entscheiden, nicht die Politik.“ Auch Wasserstoff habe auf der Langstrecke seine Berechtigung und biete Leistungsprofile wie konventionell angetriebene Lkw. Limitierende Faktoren seien aktuell die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff und Fahrzeugen sowie die hohen Kosten für Brennstoffzellensysteme.

Neben batterieelektrischen Antrieben und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw brauche es synthetische Kraftstoffe, die ebenfalls einen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten. Der Bestandsfuhrpark belaufe sich auf weltweit drei Millionen Nutzfahrzeuge. „Sie werden nicht bis 2030/2040 verschwunden sein“, erklärte Müller. Synthetische Kraftstoffe seien der Schlüssel, um die Bestandsfahrzeuge nachhaltig zu betreiben.

Doch kein alternativer Antrieb ohne entsprechende Tank- und Ladeinfrastruktur: Die VDA-Präsidentin will auch hier das Tempo erhöhen. „Wir müssen in Deutschland erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die Netze auszubauen“, forderte sie.

Dramatische Lage auf dem Weltmarkt

Auch die Praktiker kamen in einer Podiumsdiskussion zu den Dauerbrennern Lieferengpässe und Antriebswende zu Wort. Von einer dramatischen, durch die Coronapandemie induzierten Lage sprach Marc Oedekoven, Vorstand der Logistics Alliance Germany und CEO der IQS Group aus dem bayerischen Langenbach. Aktueller Höhepunkt sei eine Verzehnfachung der Preise in der Seefracht von China nach Europa, nicht minder betroffen sei die Luftfracht. Und auch das Schienengüterangebot von China nach Deutschland sei in den vergangenen eineinhalb Jahren um das Mehrfache teurer geworden – und fast ausgebucht. Dies alles habe dramatische Auswirkungen auf Verlader, Spediteure und Konsumenten, sagte Oedekoven.

Foto: Tim Heinrich
Über die Engpässe tauschten sich auch DSLV-Präsident Axel Plaß, LAG-Vorstand Marc Oedekoven, trans aktuell-Chefredakteur Matthias Rathmann und BGL-Vorstandssprecher Prof. Dirk Engelhardt (v. l.) aus.

Erhöhter Aufwand für Logistiker

Axel Plaß, geschäftsführender Hauptgesellschafter der Zippel Group aus Hamburg, berichtete von einem großen Mehraufwand: Aufträge müssten durch die Mitarbeiter ständig umdisponiert oder neu gebucht werden, nichts sei mehr planbar. „Das stresst unsere Mitarbeiter“, sagte Plaß.

Der Präsident des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) sieht vor allem die Reeder in der Verantwortung. Sie würden mithilfe der europäischen Gruppenfreistellungsverordnung Preise absprechen, gleichzeitig würden sie zunehmend in weiteren Teilen der Transportketten aktiv werden, was zu weiteren Marktverwerfungen führe. „Als Verband fordern wir wieder faire Wettbewerbsbedingungen - von denen bewegen wir uns nämlich gerade weg“, sagte Plaß.

Probleme beim Landtransport kündigen sich an

Prof. Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), sprach auch die massiven Probleme beim Landtransport an, Beispiel dafür seien die extremen Löhne und Prämien für Berufskraftfahrer in Großbritannien.

Deutsche Transportunternehmen hätten allerdings noch keine positiven Effekte durch diese Entwicklung, da Preisverhandlungen erst in den kommenden Wochen und Monaten greifen. „,Nur wer Kapazitäten hat, kann künftig Aufträge bedienen“, sagte Engelhardt und berichtete, dass bei vielen Mitgliedsunternehmen derzeit aufgrund der globalen Lieferengpässe Teile des Fuhrparks stehen.

Abhilfe schaffen, so prognostizierte Marc Oedekoven, könne eventuell eine Reorganisation der Globalisierung, indem Produktionsstätten wieder näher zu den Absatzmärkten geführt würden. Dies sei allerdings nicht kurzfristig machbar und setze ein Milliarden-Investment der Wirtschaft voraus. Prof. Engelhardt mahnte, dass sich ungeachtet dessen der Fahrermangel schleichend fortsetze. „Wir müssen als Branche endlich zusammenrücken und Laut geben, denn die Öffentlichkeit weiß noch immer nicht, was auf sie zukommt.“

Enttäuscht von der Politik

Eine weitere Herausforderung für die Branche sind alternative Antriebe. Plaß, der bei Zippel auch Fahrzeuge mit Biomethan einsetzt, zeigte sich enttäuscht: „Die Politik hat sich aus geopolitischen Gründen aus dem Thema Gas herausgezogen. Ich kann nur hoffen, dass die neue Regierung das Rad zurückdreht.“ BGL-Chef Engelhardt forderte mehr Förderung der Politik für die Antriebe, die bereits verfügbar sind, etwa Bio-LNG. Laut Marc Oedekoven muss zudem den Konsumenten verdeutlicht werden, dass neue Technologien und der Einsatz besserer Kraftstoffe auch in der Luft- und Seefracht nicht zum Nulltarif zu haben sind.

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