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ADAC-Tests

Abbiegeassis unter realen Bedingungen

Foto: Wüllhorst

Der ADAC hat derzeit verfügbare Lkw-Abbiegeassistenten unter realen Verkehrsbedingungen getestet.

In den Tests wurden Systeme mit unterschiedliche Technologien (Radar-, Ultraschall- und sensoroptische Systeme) anhand der Anforderungen des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) sowie in Anlehnung an die Vorgaben der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) überprüft.

Somit lässt sich feststellen, inwieweit die Systeme den Förderrichtlinien entsprechen und wie durch einen flächendeckenden Einbau in die Lkw die Verkehrssicherheit verbessert werden kann.

Ob es sich bei dem jeweiligen System um lediglich ein Kamera-Monitor-System (KMS) handelt, das den Sichtbereich des Lkw-Fahrers erweitert, oder um eine Kombination aus Sensoren und KMS, das den Fahrer bei einer drohenden Kollision warnt, ist nach Ansicht des ADAC häufig schwer zu erkennen.

Die Test-Produkte

EDEKA / Wüllhorst Fahrzeugbau: Preis: 760 Euro. Der Einbauaufwand beträgt etwa vier Stunden. Das System besteht aus vier Ultraschallsensoren und einem Kamera-Monitor-System.

Mobileye – Shield+: Preis: 1.650 Euro. Der Einbauaufwand beträgt vier bis fünf Stunden. Das System arbeitet mit einer Kamera, die softwarebasierte Erkennung ermöglicht, sowie einem Anzeigeelement im Führerhaus.

Mekra Lang – AAS: Preis: 1.850 Euro (radarbasierter Abbiegeassistent) plus 800 Euro (KMS). Der Einbauaufwand beläuft sich auf jeweils zweieinhalb Stunden. Das getestete System besteht aus einem Radarsensor und einem optional erhältlichen Kamera-Monitor-System.

Luis Technology – Turn Detect: Preis: 1.690 Euro, der Einbauaufwand liegt bei vier bis fünf Stunden. Das System besteht aus einer Kamera mit softwarebasierter Erkennung, einer Steuerbox und einem Monitor.

Orlaco – Corner-Eye und Radarsystem: Preis: 3.400 Euro. Der Einbauaufwand liegt bei sechs bis sieben Stunden. Das System enthält eine 270-Grad-Kamera mit Monitor und zwei Radarsensoren. Da das Radarsystem vom Hersteller nicht vermarktet wird, werden die Testergebnisse nicht veröffentlicht.

Was die Testkandidaten leisten müssen

Der Lkw-Abbiegeassistent soll den Fahrer eines Lkw auf Radfahrer hinweisen, die sich rechts neben dem Fahrzeug befinden und ihn bei einem beginnenden Abbiegevorgang vor einer möglichen Kollision warnen. Diese Systeme müssen ab eingeschalteter Zündung aktiv sein und dürfen nicht durch den Fahrer abgeschaltet werden können. Eine Signalisierung von gefährdeten Radfahrenden soll mindestens bei Fahrzeuggeschwindigkeiten vom Stillstand bis 30 km/h und bei Fahrradgeschwindigkeiten im Bereich von fünf bis 20 km/h erfolgen. Um den Abbiegeassistenten in den relevanten Situationen zu aktivieren, wird er an den Lenkeinschlag oder an den Fahrtrichtungsanzeiger des Lkw gekoppelt.

Getestet wurden Lkw-Abbiegeassistenten, die sowohl als Erstausrüstung als auch für die Nachrüstung in verschiedenen Nutzfahrzeugen geeignet sind. Nach den nationalen Anforderungen zum Förderprogramm „Aktion Abbiegeassistent“ werden folgende Bauarten der Systeme unterstützt:

  • Ultraschall-Systeme mit Kamera-Monitor-Systeme (KMS)
  • Radarsysteme auch ohne KMS
  • Sensoroptische Systeme („Intelligente“ Kameras) auch ohne KMS

Die Fahrversuche werden mit Lkw, die schwerer als 7,5 Tonnen sind, auf Teststrecken durchgeführt. Bei den statischen Tests wird der Abdeckungsbereich der Systeme nach Norm geprüft. Die dynamischen Tests untersuchen die Erkennbarkeit von ungeschützten Verkehrsteilnehmern im Fahrmodus vor und während charakteristischer Lkw-Abbiegevorgänge.

Erhebliche Unterschiede

Während alle getesteten Systeme (bis auf das Orlaco System) die Vorschriften des BMVI erfüllen und den Förderrichtlinien entsprechen, konnte keiner der Lkw-Abbiegeassistenten den Anforderungen in Anlehnung an die Vorgaben der UNECE gänzlich entsprechen.

Zudem konnte im Test keines der Abbiegeassistenzsysteme den Radfahrer erkennen, wenn sich zwischen der Radfahrspur und der Lkw-Fahrspur Hindernisse, wie beispielsweise parkende Fahrzeuge oder Bepflanzungen, befinden.

Während der Fahrten im realen Straßenverkehr wurde die Zahl der Fehlwarnungen aufgrund von Verkehrsschildern oder Bäumen am Straßenrand ermittelt. Eine hohe Rate an Fehlauslösungen wirkt sich negativ auf die Akzeptanz und das Vertrauen des Fahrers auf das System aus. Bei Lkw-Abbiegeassistenten, die zwischen ungeschützten Verkehrsteilnehmern und Objekten, wie Verkehrszeichen, Ampeln oder Bäumen, unterscheiden können, kam es hingegen nur zu einer geringen Anzahl an Fehlauslösungen. Die Abbiegeassistenzsysteme von Mekra Lang, Mobileye und Luis verfügen über eine derartige Klassifizierung.

Die Unterschiede zwischen den verfügbaren Technologien sind erheblich: Neben Ultraschall mit einem Kamera-Monitor-System (KMS) gibt es auch Systeme, die mit Radar- oder Kameratechnik arbeiten. Andere können mittels zweier „intelligenter“ Kameras ungeschützte Verkehrsteilnehmer identifizieren und die noch verbleibende Zeit bis zu einer möglichen Kollision berechnen.

Der Testsieger

Mit Hilfe eines Radarsensors, der die Frequenzmodulation verwendet, um Geschwindigkeit, Reflexivität (Zurückspiegelung), Winkel und andere Parameter mehrerer Zielobjekte gleichzeitig zu messen, ist es möglich, zwischen ungeschützten Verkehrsteilnehmern und anderen Objekten zu unterscheiden. Als Folge dessen erbrachte das System Mekra-Lang-AAS das beste Testergebnis sowohl bei den Versuchen auf dem Testgelände als auch während der Fahrt im realen Straßenverkehr.

Ebenfalls gut abgeschnitten hat das System von Mobileye. Der Abbiegeassistent überzeugt durch eine leichte und verständliche Signalisierung an den Fahrer. Zudem hat das System bereits die technische Vorabprüfung durch das deutsche Verkehrsministerium bestanden. Obwohl das System den Anforderungen auf Unece-Ebene nicht vollständig entsprechen konnte, zeichnete es sich durch eine geringe Rate an Fehlauslösungen im realen Straßenverkehr aus.

Der Abbiegeassistent von Luis Technology hat neben den Anforderungen des BMVI auch die statischen Tests in Anlehnung an die Vorgaben der UNECE gemeistert. Zudem erhielt das System „Turn Detect“ als erster Abbiegeassistent die Allgemeine Betriebserlaubnis. Da das System derzeit keinen ungeschützten Verkehrsteilnehmer detektieren kann, der die gleiche Geschwindigkeit wie das Fahrzeug aufweist, wurden die dynamischen Tests nach UNECE mit „nicht bestanden“ bewertet.

Das System von Edeka / Wüllhorst Fahrzeugbau, das unter anderem in Lkw der Firma Edeka verbaut ist, hat sowohl die statischen als auch die dynamischen Tests nach den BMVI-Anforderungen bestanden. Die statischen Tests gemäß den Anforderungen auf UNECE-Ebene konnten nicht erfüllt werden, dynamische Tests immerhin teilweise. Allerdings gab es bei der Fahrt im realen Straßenverkehr bei 59 Prozent der gefahrenen Rechtsabbiegeszenarien eine Fehlauslösung. Dies ist eine sehr hohe Rate an Fehlauslösungen, die eventuell die Akzeptanz des Lkw-Fahrers gegenüber dem System negativ beeinflussen kann.

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