UPS-Lang-Lkw Zoom

Bilanz: UPS hat zwei Lang-Lkw im Einsatz

UPS betreibt zwei Lang-Lkw und ist mit dem Einsatz nach knapp fünf Jahren vollauf zufrieden

Am Anfang war er etwas nervös, aber das legte sich schnell. Richard Gregg ist seit 25 Jahren Lkw-Fahrer bei UPS und legt seine täglichen Touren seit nahezu fünf Jahren mit einem Lang-Lkw zurück. "Ich habe mich sofort gemeldet, als Fahrer für den Lang-Lkw gesucht wurden", erzählt der 52-Jährige. Einerseits interessierte ihn das 25-Meter-Gefährt, andererseits fährt er lieber tagsüber. Mit seinem mit Paketsendungen beladenen Truck ist er täglich von Hannover nach Puttgarden und zurück unterwegs. "Ich bin keine Nachteule und verbringe den Abend gern mit meiner Familie", fügt er hinzu. Die Tour ist als Begegnungsverkehr angelegt. Die Strecke beträgt einfach knapp 300 Kilometer. Im Hafen auf Fehmarn tauscht Gregg die Ladungsträger aus, macht eine Stunde Pause und fährt zurück in die niedersächsische Hauptstadt.

Der im englischen Stratford upon Avon geborene Gregg gewöhnte sich schnell an den langen Zug. Nach einer Einführung beim Fahrzeughersteller Krone, der die Kombination aus Motorwagen mit Wechselaufbau und eigens dafür entwickeltem Dolly mit Sattelauflieger produziert, und nachdem er ein zweistündiges Rangiertraining auf dem Betriebshof absolviert hatte, ging es auch schon auf die Straße. "Unser Leaddriver begleitete mich am ersten Tag nach Puttgarden und zurück", erinnert sich Gregg. Doch es stellte sich heraus, dass der Lang-Lkw genauso fährt wie ein herkömmlicher Lastzug. Lediglich in Kurven muss er noch etwas weiter ausholen als mit dem 18-Meter-Zug. "Die ganze Aufregung in der Öffentlichkeit um das Fahrzeug kann ich nicht nachvollziehen", betont der Profi-Fahrer.

Fahrzeuge müssen höchste Sicherheitsstandards erfüllen

Zumal der Lang-Lkw einer besonderen Verordnung unterliegt. Die besagt, dass die Gesamtmasse 40 beziehungsweise 44 Tonnen im Kombinierten Verkehr nicht überschreiten darf. Sie setzt weiter voraus, dass die Fahrzeuge oder Ladungsträger im Kombinierten Verkehr einsetzbar sind. Und die am Feldversuch teilnehmenden Fahrzeuge müssen höchste Sicherheitsstandards erfüllen. Dazu zählt etwa, dass Fahrer ihre Fahrerlaubnis mindestens fünf Jahre besitzen und eine fünfjährige Berufserfahrung nachweisen können. Die Lkw müssen unter anderem über automatische Abstandsregelsysteme, Spurhaltewarnsysteme, automatische Achslastüberwachung, elektronisch gesteuerte Bremssysteme, Kamerasysteme am Heck, Konturmarkierungen sowie Spurhalteleuchten beim Anhänger verfügen.

Das plötzlich einsetzende laute Brummen beweist, dass der Spurhalteassistent funktioniert. "Bei Baustellen sind die Fahrspuren enger und es ist nicht immer leicht, die Markierung nicht zu berühren", sagt Gregg, der das Fahrzeug routiniert und konzentriert durch die verengte Fahrbahn steuert. Probleme verursachen seiner Ansicht nach eher andere Verkehrsteilnehmer, die entweder nicht wissen, dass sie zu breit sind oder es ignorieren. Gregg deutet auf einen Imbisswagen, der auf der linken Spur in der Baustelle an ihm vorbeigefahren ist. "Der misst doch von Spiegel zu Spiegel mehr als zwei Meter", sagt er. Auch beim Einscheren von Pkw an Autobahnauffahrten geht es laut Gregg manchmal eng zu. Viele Fahrer setzten sich so knapp vor den Lkw, dass er abrupt abbremsen muss. "Ich muss eben immer für die anderen Verkehrsteilnehmer mitdenken", sagt Gregg. Das scheint ihm zu gelingen, denn seit nahezu 25 Jahren steuert er die UPS-Trucks unfallfrei.

Die Autobahn verlassen darf Gregg nur dann, wenn diese gesperrt ist, denn UPS hat für seine Lang-Lkw nur für die Tour von Hannover nach Puttgarden eine Genehmigung. Ansonsten muss er jeden Stau aushalten. "Einmal musste ich eine Umleitung fahren, es wurde zwar eng, aber das ging auch", erzählt er. Bislang habe er nur gute Erfahrungen gesammelt und vermutet, dass die meisten Verkehrsteilnehmer gar nicht merken, dass sein Lkw sieben Meter länger ist als andere. Einzig, Lang-Lkw steht in großen Lettern am Heck. Einmal geriet Gregg in eine Polizeikontrolle, doch seine Papiere konnte er stecken lassen. Es stellte sich heraus, dass die Beamten lediglich am Fahrzeug interessiert waren, weil sie vorher noch nie einen 25-Meter-Zug gesehen hatten.

In fünf Jahren für 620.000 Kilometer weniger Emissionen

Gregg transportiert täglich Hunderte von Paketsendungen, die von Kopenhagen aus nach Schweden, Norwegen oder Finnland weiterverteilt werden. Heute hat er 15,6 Tonnen Ladung an Bord, sein Fahrzeug bringt also ein Gesamtgewicht von 38,6 Tonnen auf die Straße. "Unsere Fahrer müssen genau dokumentieren, wie viel Gewicht auf welcher Achse liegt", erläutert Ralf Kleine-Beek, Transportmanager bei UPS in Langenhagen und Vorgesetzter von Richard Gregg. Die Zugmaschine ist mit einem Container und über die Krone-Dolly-Achse mit einem Auflieger verbunden. "Wir haben in den knapp fünf Jahren für rund 620.000 Kilometer weniger Sprit verbraucht und Emissionen ausgestoßen", fügt er hinzu. Zwei Lang-Lkw hat das Unternehmen auf der Tour im Einsatz. Vorher musste der Transportmanager stets drei Gliederzüge disponieren. "Wir benötigen also einen Fahrer und einen Lkw weniger", sagt er.

Ende 2016 geht der bundesweite Feldversuch zu Ende. Aus Kleine-Beeks Sicht hat sich der Lang-Lkw im täglichen Geschäft von UPS bewährt. Er hofft daher, dass die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in ihrem Abschlussbericht zu einem ähnlichen Ergebnis kommt, das Verkehrsministerium künftig einen regulären Betrieb erlaubt und das Streckennetz für Lang-Lkw weiter ausgebaut wird. Bislang umfasst dieses 11.600 Kilometer.

Inzwischen ist Gregg in Puttgarden angekommen. Bis auf einen kleinen Stau rund um Hamburg verlief die Fahrt reibungslos. In einer Stunde wird er mit neuer Ladung zurückfahren. "Ich freue mich jeden Tag, wenn ich wieder gut in Hannover angekommen bin", sagt er.

Autor

Foto

Nicole de Jong

Datum

17. November 2016
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