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Outsourcing als Chance: Stahlsammelgut ist noch geschlossenes System

Die Neusser Stahlspedition Hergarten will ihren Kunden noch mehr Arbeit abnehmen.

Marcel Hergarten ist bereit: "Der Stahlhandel steht vor einem Wendepunkt und wird sich in den nächsten Jahren sehr ändern", sagt der Geschäftsführer der Stahlspedition Hergarten aus Neuss. Aktuell implementiert das Unternehmen daher eine neue Telematiklösung, um für seine Kunden eine Auftragsverfolgung in Echtzeit möglich zu machen und die eigenen Prozesse transparenter zu gestalten. Zum Januar 2016 sollen alle 165 eigenen Fahrzeuge mit dem Telematiksystem Spedion ausgestattet werden. Investitionskosten: rund 150.000 Euro. 

Das 1902 gegründete Unternehmen hat sich auf Stahllogistik und -transport spezialisiert, Nachtverladung, 24-Stunden-Zustellung und Just-in-time-Zuführung inklusive. Ein Schwerpunkt der Firma ist das Stahlsammelgut. Neben dem Namen gibt es allerdings nur wenige Ähnlichkeiten mit dem palettierten Sammelgutgeschäft. Nicht nur bedarf es dazu entsprechenden Equipments, wie Vater Josef Hergarten, der sich 2007 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat und heute noch beratend zur Verfügung steht, sagt: "Man benötigt dazu einen wesentlich höheren Grad an Wissen und Erfahrung, weil es keine systemische Ladung gibt."

Durchschnittlich 1,5 Tonnen

Die durchschnittliche Los­größe im Stahlsammelgut liegt laut Marcel Hergarten bei 1,5 Tonnen. "Wir haben aber auch Sendungsstücke mit einem Gewicht von 50 Kilogramm und einer Länge von sechs Metern", sagt Josef Hergarten. Zusätzlich sind viele Güter schon "angearbeitet", haben also die unterschiedlichsten Formen und Formate. Hier ist das Know-how gefragt, wie der "bunte Ladungsstrauß", wie Hergarten senior sagt, richtig zu verladen, zu sichern und zu transportieren ist. Der Nachteil für Konzernspedi­tionen – dass kein Systemverkehr möglich ist – gerät so zum Vorteil für einen mittelständischen Dienstleister, der mit seinem gut ausgebildetem Personal sowohl in der Disposition als auch im Lager mit der Vielfalt und den Besonderheiten der Ladung besser umgehen kann, sagt Josef Hergarten.

Anders als beim herkömmlichen Speditionssammelgut ist das Stahlsammelgut zumeist ein geschlossenes System jeweils nur eines einzelnen Unternehmens. Ein Beispiel: Ein Großkunde kauft im Ruhrgebiet seine Stahlgüter zusammen und lässt sie bei Hergarten in Neuss konsolidieren. Im Rahmen eines festen Abfahrtsplans mit regulären Abfahrtszeiten werden die Sendungen anschließend im Nachtsprung an die bundesweiten Hergarten-Niederlassungen verbracht und anschließend am nächsten Tag im Nahverkehr zugestellt.
Dass sich Produkte mehrerer Kunden auf einem Fahrzeug befinden könnten und der Transport so effizienter wird, ist laut Marcel Hergarten bislang für viele Kunden noch nicht denkbar – "aber das wird sich sicherlich in der Zukunft ändern". Wenn der Kostendruck weiter zunehme, würden auch mehr Stahlhändler über die möglichen Synergien nachdenken, die sich in der Zusammenarbeit mit dem Wettbewerb ergeben könnten. Dann steht der Dienstleister zur Verfügung. "Wir wollen für unsere Kunden als Problem­löser auftreten", sagt er.

Outsourcing seit 1999

Das Know-how über den Transport hinaus hat sich das Unternehmen nicht zuletzt als Outsourcing-Partner seiner verladenden Kunden erarbeitet. 1999 führte das erste Outsourcing-Projekt dazu, dass das ursprünglich Kölner Unternehmen nach Neuss-Holzheim siedelte. Heute übernimmt Hergarten für bis zu sechs Großkunden im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags die Logistik. Sozusagen die Basisversion ist die Gestellung von Fuhrpark und Personal. Die nächste Outsourcing-Stufe beinhaltet darüber hinaus die Versandabwicklung auch im kaufmännischen Bereich. Die dritte Stufe ist die komplette Übernahme bis hin zur Verladung. Dabei ist Hergarten direkt an den Lager- oder Verkaufsstandorten seiner verladenden Kunden mit eigenem Versandpersonal und teilweise mit gewerblichen Mitarbeitern tätig.

Marcel Hergarten sieht vor allem im Outsourcing die Chance seines Familienunternehmens. Demnach unterhalten viele Stahlkunden noch eine eigene Versandabteilung und einen eigenen Fuhrpark, oft tarifgebunden. Die Flotte laufe bei vielen als Werkverkehr und verfüge nicht über eine EU-Lizenz – Rückladungen sind also nicht möglich. Durch die zunehmenden Schwankungen und Überkapazitäten des Marktes, hohe Fixkosten und eine große Anzahl von Wettbewerbern seien allerdings viele Stahlhändler zunehmend darauf angewiesen, sich auf ihre Kernkompetenz – den An- und Verkauf – zu konzentrieren.

Outsourcing spart Kosten

"Grundsätzlich können selbst bei der einfachsten Outsourcing-Lösung zehn Prozent der Kosten eingespart werden", sagt Marcel Hergarten, "allein deshalb, weil wir unsere Fahrzeuge flexibler einsetzen und so den Fixkostenblock entspannen können." Hergarten will sich noch weiter in die Prozesse seiner Kunden einbringen. Etwa durch das Kommissionieren und Anarbeiten der Produkte, also etwa das Drehen oder Fräsen.
Am Standort Neuss verfügt Hergarten bereits über eine Plasmabrennlage, mit der die Mitarbeiter riesige Stahlplatten auf Bedarf zuschneiden. Der Kauf eines Sägetisches ist ebenfalls geplant. Die Vorteile für den Kunden: "Er benötigt deutlich weniger Personalressourcen, die er zur Verfügung stellen muss – und wir können dem eine ganz andere Grundlast entgegenhalten, weil wir immer über eine entsprechende Auslastung verfügen", sagt Marcel Hergarten.

Das Unternehmen

  • Die Stahlspedition Hergarten wurde 1902 in Köln gegründet
  • Heute hat sie Niederlassungen in Köln, Neuss-Holzheim, Deizisau (bei Stuttgart), Nürtingen und Frankenberg; Gesamtlagerfläche: 35.000 Quadratmeter.
  • Neu ab 1. Januar 2016 ist ein Standort in Kornwestheim mit weiteren 3.000 Quadratmetern.
  • 280 Mitarbeiter und 165 eigene ziehende Einheiten
Dieser Artikel stammt aus Heft trans aktuell 01/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
Ilona Jüngst

Autor

Foto

Hergarten

Datum

17. Dezember 2015
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