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Mobile Röntgenanlage: Vor Ort durchleuchtet

Der Zoll macht gegen Schmuggler Druck. Mit einer mobilen Röntgenanlage kann er Lkw auf Rastplätzen unter die Lupe nehmen.

Kaum hat sich der grün-weiße Kombi mit der Aufschrift Zoll vor den Sattelzug gesetzt, erscheint auch schon der Schriftzug zwischen den Blaulichtern: Bitte folgen. Für den Fahrer des Sattelzugs mit dem rumänischen Kennzeichen ist die Reise jetzt erst mal zu Ende. Sein abgenutzter Sattelauflieger mit der übertünchten Beschriftung, der nicht so recht zu seinem nagelneuen Volvo FH passen will, hat ihn verdächtig gemacht.

Geduldig folgt er den Zöllnern auf die Rastanlage Denkendorf an der A 8. Dort warten weitere Mitglieder der Kontrolleinheit Verkehrswege (KEV) vom Stuttgarter Hauptzollamt, um ihn in Empfang zu nehmen. Sie lotsen den Rumänen auf ein abgesperrtes Areal, in dessen Mitte ein weißer Mercedes Actros 2532 mit geheimnisvollem Aufbau steht. Besonders der Gelenkarm, der eine Art Tor bildet, gibt auf den ersten Blick Rätsel auf: Eine futuristische Lkw-Waschanlage? 

Röntgenarm, Bleiplatten und Sicherheitsbereich

Weit gefehlt. Der Dreiachser gehört zum Modernsten, was der Zoll im Kampf gegen das organisierte Verbrechen zu bieten hat. Mit ihm können komplette Lastzüge geröntgt werden. Deutschlandweit gibt es nur drei dieser Fahrzeuge mit der etwas sperrigen Bezeichnung "Vollmobile Röntgenanlage" (VMR). Hauptbestandteile sind der Röntgenarm und eine durch Bleiplatten geschützte Auswertezelle im vorderen Teil des Aufbaus. Zur Besatzung gehören ein Fahrer und ein oder zwei Bildauswerter. Ein Außenposten achtet darauf, dass sich niemand im 38 mal 22 Meter großen und durch Lichtschranken gesicherten Strahlenbereich aufhält.

Zunächst winkt der Posten nun den Fahrer heran und lässt ihn seinen Sattelzug parallel zum Actros abstellen. Dann schickt er ihn zu den Beamten außerhalb des Sicherheitsbereichs. Die "Untersuchung" kann beginnen. Jede Kontrollaktion wird von langer Hand geplant. Wegen der Strahlung muss das zuständige Regierungspräsidium den Betrieb der VMR am jeweiligen Ort genehmigen.

Strahlen durchdringen auch dicken Stahl

Der Actros 3 setzt sich in Bewegung und fährt den Sattelzug von vorne bis hinten ab. Die Strahlung durchdringt dabei bis zu 32 Zentimeter dicken Stahl. Im Inneren blicken die zwei Auswerter gespannt auf ihre Bildschirme. Auf dem einen sehen sie  das Röntgenbild in der Seitenansicht. Mit dem anderen können sie mithilfe mehrerer Außenkameras die Umgebung im Auge behalten.

"Beim Röntgenbild kommt es immer auf die Materialdichte an", erläutert Auswerter Carsten Straub. "Je dichter, desto dunkler." So lassen sich mögliche Lücken, Hohlräume, doppelte Böden oder Zusatztanks schnell erkennen – zumindest für den erfahrenen Betrachter. "Die Kollegen schauen sich natürlich die Ladungspapiere an und wissen, wie ein Trailer aufgebaut ist", sagt Dirk Riesmeier, der Leiter der KEV.

Waffen, Drogen, Sprengstoffe

"Wir haben sogar schon 63 Waffen aufgegriffen", berichtet Thomas Seemann vom Hauptzollamt Stuttgart stolz. Beliebteste Schmuggelware auf dieser Route seien aber immer noch Zigaretten. "Oft setzen wir zusätzlich einen Spürhund ein, um Betäubungsmittel, Sprengstoffe oder sogar Bargeld zu finden. Mit der Röntgenanlage sieht man eher die größeren Gegenstände."

Wie sich herausstellt, hat der Rumäne keine Schmuggelware an Bord und darf seine Fahrt gen Norden fortsetzen. "Den Fahrern ist diese schnelle Methode zehnmal lieber als eine stundenlange Abladeaktion", berichtet Zollamtsinspektor Martin Staffa von seinen Erfahrungen. Insofern ist durch die Hightech-Anlage beiden geholfen: den Fahrern und  den Kontrolleuren.

Johannes Roller, Redakteur FERNFAHRER

Autor

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Johannes Roller

Datum

17. Oktober 2013
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