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Meier hat Knubben übernommen: Zeit zum Zusammenwachsen

Beide wickeln Stückgut als Partner der Kooperation Online ab, beide haben ähnlicheStrukturen und Prägungen. Nun gehören die Speditionen Meier und Knubben zum selbenFirmenverbund. Unternehmer Klaus Meier hat Knubben zu Jahresbeginn übernommen.

Die grüne Firmenfarbe verbindet sie. Auch das Logo haben sie einander angeglichen. Shirts und Jacken für die Mitarbeiter bestellen sie inzwischen zusammen. Und auch Fahrzeuge haben sie schon gemeinsam geordert, 30 an der Zahl. Diese Dinge lagen auf der Hand. Alles Weitere muss sich entwickeln.

"Wir brechen nichts übers Knie und sagen: So machen wir es ab sofort", sagt Klaus Meier, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition aus  Rottenburg am Neckar, im Gespräch mit trans aktuell. Zum 31. Dezember hat er die Anteile der Spedition Knubben aus Mannheim samt ihren Immobilien übernommen, nachdem der geschäftsführende Gesellschafter Manfred Braun altershalber ausgeschieden war.

"Ich bin gerne in der Verantwortung"

Braun und Meier verbindet ein freundschaftliches Verhältnis. Beide sind beziehungsweise waren im Beirat der Stückgutkooperation Online Systemlogistik tätig, beide Firmen wickeln ihre Sammelgutverkehre seit Jahren über das Netzwerk mit Sitz in Paderborn ab. Bereits vor vier Jahren hatte Braun seinem Kollegen die Möglichkeit eines Verkaufs eröffnet. "Damals war ich noch nicht so weit", sagt Meier. Voriges Jahr war er es dann. Zu dem Zeitpunkt war auch klar, dass der 2013 hinzugekommene Knubben-Geschäftsführer Sascha Greibich die Anteile nicht übernehmen würde. "Ich bin gerne in der Verantwortung, strebe aber nicht die Eigentümerrolle an", sagt Greibich gegenüber trans aktuell.

Also stieg Meier ein, informierte im Oktober die etwa 60 Knubben-Mitarbeiter und lotet nun mit Greibich Möglichkeiten der Zusammenarbeit und weiterer Synergien aus. So soll es beim gemeinsamen Erwerb von Bekleidung oder Fahrzeugen nicht bleiben. "Auch beim Einkauf von Diesel oder Reifen werden wir künftig unsere Aktivitäten bündeln", kündigt Meier an. "Ansonsten wollen wir voneinander lernen und schauen, wie wir etwa Prozesse vereinheitlichen oder verbessern können". Beide Firmen begegneten sich auf Augenhöhe. "Knubben soll nicht nur das Tochterunternehmen sein", sagt Meier.

IT-Systeme vereinheitlichen

Greibich hält es für sinnvoll, in den nächsten zwei Jahren auch die IT-Systeme zu vereinheitlichen. Seine Mitarbeiter arbeiten mit der Speditions-Software Komalog von Transdata, die Kollegen in Rottenburg mit Soloplan. Komalog sei auch innerhalb der Online-Kooperation das vorherrschende System. "Auch die Hardware wird uns eines Tages beschäftigen", sagt Greibich. Das hat aber noch Zeit, denn erst 2014 hat Knubben neue Rechner angeschafft.

Führung der Mitarbeiter im Fokus

Die anspruchsvollste Aufgabe im Zuge der Übernahme ist für Meier und Greibich aber nicht das Zusammenführen von Strukturen und Prozessen, sondern die Führung der Mitarbeiter. "Das Wichtigste ist, dass man die Menschen überzeugt", sagt Meier. Die meisten Firmen, die ins Schlingern geraten, scheitern seiner Ansicht nach nicht an äußeren Einflüssen, sondern zerbrächen innerlich. Also gelte es vorzubeugen. "Man muss viel kommunizieren und erklären, dass es gut für die Mitarbeiter und das Unternehmen ist."
Greibich pflichtet ihm bei. Es habe eine gewisse Unruhe gegeben, weil sich die Beschäftigten gefragt hätten, wie es nach dem Ausscheiden von Manfred Braun weitergehen werde. "Sie sind froh, dass sie nun Planungssicherheit haben", berichtet Greibich. Er selbst ist froh, dass ein mittelständischer Spediteur und nicht etwa ein Investor das Unternehmen erworben habe. Meier verkündete bei der Mitarbeiterversammlung, dass er die Arbeitsplätze erhalten werde. Auch am Namen Knubben will er festhalten. Die Spedition stehe seit 77 Jahren für Qualität.

Die Übernahme ist die erste für Klaus Meier. Bisher ist seine Firma aus eigener Kraft gewachsen. Das gilt auch für die Speditionen seiner Brüder Joachim und Wolfgang, Letzterer ist vor anderthalb Jahren gestorben. Die drei Firmen der Meier-Gruppe in Rottenburg, Nagold und Haiterbach arbeiten eng zusammen und erbringen in der gemeinsamen Firma Gebrüder Meier auch gemeinsame Logistikdienstleistungen.
"Klar hatte ich vor dem Erwerb von Knubben den nötigen Respekt", versichert Meier. Andererseits hätte ihn die Firma mit ihrer Ausrichtung gereizt. Die Speditionen Klaus Meier und Knubben seien ähnlich aufgestellt: familiär, mit langjährigen Mitarbeitern und vergleichbaren Leistungen. Beide sind auf Stückgut- sowie Logistikaktivitäten spezialisiert und arbeiten als Online-Partner für dasselbe Netzwerk. "Hinzu kommt, dass Mannheim ein strategisch günstiger Standort ist", sagt Meier.

"Topzahlen schreiben"

Doch so geschickt der Standort auch sein mag – die Möglichkeiten sind begrenzt. Die 10.000 Quadratmeter Lagerfläche sind auf drei Punkte verteilt. Ziel sei es daher, einen Standort zu suchen, wo die Geschäfte gebündelt werden können und Entwicklungsmöglichkeiten gegeben sind. Ferner hat sich Meier vorgenommen, "Topzahlen zu schreiben", wie er sagt. Auch hier sei man auf gutem Weg, ergänzt Greibich. Seit er an Bord ist, sei der Umsatz um zehn Prozent auf 10,5 Millionen Euro geklettert, auch das Ergebnis habe sich deutlich verbessert.

Meier und Greibich sind ferner überzeugt, dass sich die Logistikaktivitäten noch deutlich ausbauen lassen. Um voranzukommen, wird Knubben in diesem Monat eine neue Stelle für einen Lagerlogistik-Verantwortlichen schaffen. "Diese Aufgabe habe ich bisher mehr oder weniger nebenher selbst wahrgenommen", berichtet Greibich.

Topqualität mit eigenen Fahrern

Mehr Logistik heißt aber nicht weniger Transport. Der neue Inhaber ist überzeugt, dass Knubben verstärkt mit der eigenen Flotte und eigenen Fahrern punkten kann. Er spricht aus Erfahrung: Meier hat Kunden, die gezielt nach dem Meier-Lkw fragten und dafür bereit seien, auch mehr zu bezahlen. "Dafür müssen wir dann aber Topqualität mit eigenen Fahrern bieten, die geschult und im Idealfall bei uns ausgebildet sind."

Die Kundschaft entwickle sich zur Zweiklassengesellschaft: Die einen wollen billig, die anderen Qualität. Gruppe zwei gelte es anzusprechen und zu halten. Dass Kunden bereit sind, für Qualität mehr auszugeben, wundert Meier nicht. Das gehe ihm genauso, wenn er eine Bohrmaschine oder eine Waschmaschine erwerbe. "Ich habe zu wenig Geld, um mir etwas Billiges zweimal zu kaufen."











Die Unternehmen

Die Spedition Meier
Die Firmengruppe umfasst die Unternehmen der Brüder Klaus, Joachim und Wolfgang Meier aus Rottenburg am Neckar, Nagold und Haiterbach. Schwerpunkte sind Sammelgut-, Werk- und Kühlverkehre. Hinzu kommen Teil- und Komplettladungen sowie Messelogistik. Ferner arbeiten die Firmen in der gemeinsamen Spedition Gebrüder Meier zusammen, die auf Kontraktlogistik für den Elektrogroßhandel spezialisiert ist. Klaus Meier ist ein Freund des Selbsteintritts: Im Verteilerverkehr liegt der Eigenanteil bei 100 Prozent, im Fernverkehr bei 60 Prozent. Die Firma beschäftigt in Rottenburg 70 und in der Gruppe weitere 170 Mitarbeiter und hat eine Flotte von 143 ziehenden Einheiten. Die Logistikfläche umfasst 18.000 Quadratmeter. Der Umsatz liegt bei neun Millionen Euro in Rottenburg und weiteren 17 Millionen Euro in der Gruppe.


Die Spedition Knubben


Die Spedition Knubben, die auf eine 77-jährige Geschichte zurückblicken kann, ist am Mannheimer Hafen angesiedelt. Schwerpunkt sind Stückgut- sowie Teil- und Komplettladungsverkehre. Hinzu kommen Beratung, Logistiklösungen sowie Personaldienstleistungen. Das Unternehmen beschäftigt rund 60 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 10,5 Millionen Euro. Es verfügt über eine Lager- und Logistikfläche von etwa 10.000 Quadratmetern. Wie Meier ist auch Knubben Partner der Stückgutkooperation Online. Im Gegensatz zur Meier Spedition setzt Knubben bei der Transportabwicklung im stärkeren Maße auf Subunternehmer. Im Verteilerverkehr sind etwa 20 eigene Lkw im Einsatz, die rund 40 Prozent des Geschäfts erledigen. Im Fernverkehr setzt Knubben fast ausschließlich auf Unternehmer.






Selbsteintritt stärken


Die Firmengruppe Meier aus Rottenburg hat den Anspruch, so viel wie möglichst selbst zu machen. Die übernommene Spedition Knubben aus Mannheim erledigt dagegen nur den kleineren Teil des Transportbedarfs mit der eigenen Flotte. Welche Strategie ist für die Zukunft richtig? Die Geschäftsführer Klaus Meier (50) und Sascha Greibich (39) tauschen sich dazu aus.

Meier: Unsere Philosophie ist es, so viel wie möglich selbst zu machen. Daher setzen wir auf die eigene Flotte und bilden seit 17 Jahren Berufskraftfahrer aus. Die Mitarbeiter bleiben in der Regel bei uns, ein Großteil der Belegschaft sind inzwischen Eigengewächse. Wenn unsere Fahrer freitags von der Tour zurückkehren, grillen sie manchmal gemeinsam. Samstags werden gemeinsam die Fahrzeuge gewaschen und die Azubis werden von Anfang an voll integriert.

Greibich: Wir haben bisher noch keine Berufskraftfahrer ausgebildet, uns das aber für das nächste Jahr vorgenommen. Ich bin der Überzeugung, dass man das, was man macht, auch richtig machen muss. Unser Fahrerpool hatte bisher schlichtweg auch nicht die Größe, um alle Aufträge im Nah- und Regionalverkehr selbst abzuwickeln. Daher setzen wir im Verteilerverkehr bisher zu rund 60 Prozent auf Subunternehmer, im Fernverkehr zu annähernd 100 Prozent.

Meier:
Aber warum? Was kann der Unternehmer besser als man selbst? Wir kaufen Fahrzeuge, Diesel oder Reifen viel günstiger ein und sind auch im Fuhrpark viel flexibler.

Greibich: Bezogen auf Knubben trifft das nicht zu. Ist ein Fahrer krank, steht der Lkw erst einmal, bis wir einen Ersatzfahrer gefunden haben, der wiederum Zusatzkosten verursacht. Da sind wir mit unseren Unternehmern einfach viel flexibler.

Meier: Aber die Unternehmer wollen auch Geld. Außerdem arbeitet ein kurzfristig auf dem Markt verfügbarer Unternehmer oder Aushilfsfahrer weniger rationell. Die Flexibilität ist bei uns nicht das Problem: Ein freies Fahrzeug steht eigentlich immer auf dem Hof. Und am Fahrer scheitert das Ganze auch nicht: Pro Lehrjahr bilden wir fünf bis sechs junge Leute zum Berufskraftfahrer aus. Wir können im Krankheitsfall also ohne Probleme einen Azubi abziehen, der einspringt und die Touren übernimmt.
 
Greibich: Krankheit ist das eine, die schwankenden Mengen sind das andere. Fallen die Volumina ab, können wir kurzfristig Unternehmer abmelden.

Meier: Wir schicken unsere Fahrer dann in den Urlaub. Jeder hat seine Gründe für oder gegen den Fuhrpark. Der richtige Weg liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Die optimale Mischung dürfte bei zwei Dritteln/einem Drittel liegen. Zwei Drittel macht man selbst, ein Drittel machen Unternehmer.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Andreas Loibl

Datum

16. April 2015
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