4 Bilder Zoom

Geodis: Logistiker schürfen Gold

Nicht nur beim Transport kann man Ressourcen schonen, sondern auch beim Isolieren von Rohstoffen aus IT-Komponenten. Darauf hat sich Geodis Deutschland spezialisiert.

In Sachen Grüne Logistik hat sich die Branche einiges einfallen lassen. Ob Touren optimieren, Leerfahrten vermeiden oder schlicht Sprit sparen - die Liste der Möglichkeiten ist lang. Geodis Logistics Deutschland geht an dieser Stelle sogar noch einen Schritt weiter. »Unter dem Slogan Reverse Logistics haben wir uns dem Isolieren von Rohstoffen angenommen«, sagt Robin Otto, der bei Geodis Deutschland für die Geschäftsentwicklung zuständig ist.

Recyclen von IT-Komponenten

Wie fast immer in diesem Zusammenhang hat das Ganze zwei Stoßrichtungen. So ist das Recyceln von IT-Komponenten sowohl hinsichtlich der Schonung von Ressourcen ein Beitrag zum Umweltschutz. Da die Rohstoffpreise immer weiter in die Höhe klettern, macht diese Dienstleistung aber auch aus kommerziellen Überlegungen durchaus Sinn. Im Fokus stehen dabei Bunt- und Edelmetalle. Sogenannten Gewürzmetalle sind in der Testphase. Diese werden bei der Herstellung bestimmter Produkte zwar nur in geringer Menge benötigt, sind hierfür aber unverzichtbar und nicht ersetzbar. Das Fehlen eines Gewürzmetalls unterbricht dabei die gesamte Wertschöpfungskette, wenn dadurch auch nur ein wichtiger Baustein in einer Fertigung fehlt.

20 Kilo Gold aus Elektroschrott

Goldgräberstimmung wie einst am Klondike in Alaska kommt im Technischen Zentrum des Logistikers in Mainz nicht auf. Dafür sind dann aber auch die Arbeitsbedingungen deutlich besser. Und zudem ist der Erfolg garantiert. Rund 20 Kilogramm Gold gewinnen die Geodis-Mitarbeiter derzeit jedes Jahr aus dem Elektroschrott Ob Festplatte oder Hauptplatine - sie alle enthalten wertvolle Rohstoffe. Mit aufwendigen technischen Verfahren »schürfen« die Logistiker pro Jahr etwa 65 Kilo Silber, mehr als 13 Kilo Kupfer sowie knapp fünf Kilo Palladium. Alleine das letztere Edelmetall hat einen Marktwert von rund 75.000 Euro. Übrigens: das Goldschürfen ist mit einem Gegenwert von etwa 800.000 Euro ebenfalls ein durchaus rentables Geschäft.

IBM nutzt den Service

Einer der Kunden, der diesen Service bereits nutzt, ist der Hardwarehersteller IBM. »Das Angebot ist aber auch für ganz andere Branchen interessant«, sagt Otto. So gebe es bereits einige Firmen, die das Potenzial ebenfalls erkannt haben. Werden IT-Geräte durch neue ersetzt, prüft man zunächst, ob sich die Hardware noch zum Verkaufen eignet. Wenn ja, geht es zunächst zur Wiederaufbereitung. Die generalüberholten Geräte verkauft der Logistiker dann in einen Brokernetzwerk. Das wiederum sucht ein neues Zuhause für die IT. Ist dies aufgrund des fortgeschrittenen Alters und des technischen Fortschritts nicht mehr möglich, geht es zu Geodis nach Mainz. Dort kann der Kunde dann wenigstens mit den enthaltenen Rohstoffen noch einen Deckungsbeitrag erzielen. Früher sei es rentabler gewesen, die Geräte zu entsorgen. Die allgemeine Knappheit an Rohstoffen machte dieses Angebot jetzt aber zunehmend interessant, umreißt Otto das Geschäftsmodell.

Erfolgreich durch Spezialisierung

Der Schlüssel zum Erfolg liege heute in der Spezialisierung. »Früher gab es globale Generalisten und lokale Spezialisten«, sagt er. Heute gelte es beides zu kombinieren. Als Teil der Geodis Gruppe, der in Deutschland zudem eher mittelständisch aufgestellt ist, sieht er an diesem Punkt alle Vorteile vereint. Eher technisch geht es auch sonst bei den Logistikern zu. »Der Begriff Nachhaltigkeit macht schließlich nicht beim Schonen von Ressourcen Schluss«, sagt Otto. Gerade bei den Festplatten gelte es beispielsweise auch die darauf befindlichen Daten endgültig zu löschen. Dazu gibt es - je nach Kundenwunsch - verschiedene Möglichkeiten. Bei weniger sensiblen Daten reicht es da schon mal aus, diesen PC-Baustein schlicht mit einem Hammer zu zertrümmern und dann zu schreddern. Ist der Anspruch ein höherer, kommt hingegen ein sogenannter Degausser zum Einsatz. Dieses rund 25.000 Euro teure Gerät  erzeugt ein sehr starkes Magnetfeld. Mit etwa 12.000 Gauß - und damit etwa der dreifachen Feldstärke wie beim Beschreiben einer Festplatte - gehören alle zuvor gespeicherten Informationen endgültig der Vergangenheit an.

Life-Cycle-Management

Life-Cycle-Management nennt Robin Otto den Ansatz von Geodis: »Wir hören als Logistiker eben nicht auf, wenn das Produkt ausgeliefert beziehungsweise installiert ist.« Seine Vision ist, dass die wieder verwendbaren Rohstoffe der Hardware-Komponenten schließlich vom Logistiker wieder in die Produktion neuer Geräte einfließen. »Nachhaltig bedeutet in diesem Zusammenhang eben, dass die Erze nicht aus dem Boden geholt werden. Sondern dass wir zunächst auf die ohnehin im Umlauf befindlichen zurückgreifen«, so Otto. Bei Geodis ist Nachhaltigkeit aber nicht nur im technischen Bereich ein Thema. Denn wie überall in der Branche, ist natürlich auch in diesem Unternehmen der zunehmende Fachkräftemangel ein Thema.  Ob Fachkraft für Lagerlogistik, Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen oder Bürokommunikation - die Möglichkeiten einer Ausbildung bei Geodis sind vielfältig. Außerdem arbeitet das Unternehmen mit den Dualen Hochschulen in Stuttgart und Mannheim zusammen. Denn an beiden Standorten gibt es Studiengänge der Betriebswirtschaft mit einem Schwerpunkt Logistik. Robin Otto selbst ist als Dozent an der Steinbeis-Hochschule tätig. »Eine gute Möglichkeit, Wissen weiterzugeben und Studierende über die Möglichkeiten in der Logistik zu informieren«, sagt der Diplom-Ingenieur. Ein jedes Vorstellungsgespräch sieht er als beidseitige Bewerbung an. Es sei längst nicht mehr so, dass man sich als Arbeitgeber zurücklehnen könne.

Geodis setzt auf organisches Wachstum

Insgesamt setzt Geodis auf organisches Wachstum. Auch wenn das Unternehmen Zukäufe nicht gänzlich ausschließt. Ein Plus im zweistelligen Bereich ist im kommenden Jahr ist vorgesehen. Dazu soll unter anderem der neue Standort in Nieder-Olm beitragen. Dort werden ab 2012 bis zu 250 Mitarbeiter im Einsatz sein - unter anderem für Großkunden wie IBM. Einen zusätzlichen Schub erwarten sich die Verantwortlichen durch Thomas Saal, der seit kurzem die neu geschaffene Stelle des Verkaufsleiters inne hat. »So können wir den deutschen Markt noch besser bearbeiten«, sagt Otto. Denn nun gilt es, die Idee auch Kunden aus Handel und Lebensmittelindustrie näher zu bringen. Denn auch die haben bekanntlich jede Menge an IT im Einsatz.

Das Unternehmen Geodis

Geodis Logistics Deutschland ist Teil der Logistik-Abteilung der französischen Geodis Gruppe. Das Unternehmen ist in den Bereichen Kontraktlogistik, Distribution, Komplett- und Teilladungen sowie Luft- und Seefracht tätig. Neben der Zentrale in Frankfurt am Main gibt es in Deutschland 14 Niederlassungen. Mit seinen rund 700 Mitarbeitern erwirtschaftete das Unternehmen 2010 einen Umsatz von 100 Millionen Euro.

Foto

Fotolia

Datum

23. November 2011
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Tests +++
+++ News +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.