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Gefährliches Halbwissen

Wo Werkverkehre aufpassen müssen

Fahrerqualifizierung, Gefahrgut – bei welchen Punkten Werkverkehre aufpassen müssen. 

Bei regulären Autobahnkontrollen winken die Polizeibeamten besonders gerne 7,5-Tonner und Fahrzeuge der Sprinter-Klasse in Kombination mit einem Anhänger heraus. Warum? Diese Fahrzeuge gelten als typisch für den Werkverkehr. Der spielt jedoch bei vielen Herstellern, bei Dienstleistern oder auch bei Handwerksbetrieben wenn überhaupt dann nur eine Nebenrolle – etwa in Form eines Lagermitarbeiters, der dann etwa als Gelegenheitsfahrer auftritt. trans aktuell fasst für genau diese Unternehmen einige gängige Rechtsvorschriften zusammen, bei denen die Beamten bei Kontrollen in der Regel Treffer erzielen. Einsatz: Die Definition von gewerblichem Güterverkehr und Werkverkehr findet sich im Güterkraftverkehrsgesetz (GüKG) § 1 – Werkverkehr ist demnach "Güterkraftverkehr für eigene Zwecke eines Unternehmens" mit bestimmten Voraussetzungen."Einige Unternehmen erfüllen nicht alle Voraussetzungen, die das GüKG nennt", sagt Götz Bopp, Fachreferent der IHK Stuttgart. Probleme gibt es außerdem beim Einsatz von Selbstständigen oder Subunternehmern: Legal dürfen nur der Unternehmer oder Unternehmenseigner, im Unternehmen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte oder Leiharbeitnehmer hinter dem Steuer sitzen. Auch Tochtergesellschaften einer Gruppe dürfen nur jeweils für die eigenen Belange Werkverkehr vornehmen.Ein weiterer Punkt ist, dass teilweise nicht nur eigene Güter des Unternehmens, sondern auch "Fremdware" beziehungsweise Güter des Kunden transportiert werden. Das können etwa im Messebau schon zehn Kartons Sekt für die Standbewirtung des Kunden oder eine Palette Werbebroschüren sein – "das kann bei einer Kontrolle schon für Probleme sorgen." Kontrolle: Werkverkehrsunternehmen, die nicht alles selbst befördern und auch Transportdienstleister beauftragen, müssen die Regelungen des § 7 c GüKG beachten und sich vom Transportunternehmen regelmäßig die Genehmigung vorlegen lasse: einmal jährlich mit Vorankündigung, optimalerweise einmal jährlich unangekündigt. Handwerkerklausel wirklich nur Ausnahmeregelung Lenk- und Ruhezeiten: "Durch gefährliches Halbwissen und mangelhafte Beratung" kommt es laut Bopp immer wieder zu Aussagen, dass der Werkverkehr im Umkreis von 50 oder 100 Kilometern um den Standort generell von den Sozialvorschriften befreit wäre.Richtig sei, dass es zwar zahlreiche Werkverkehrsunternehmen gibt, die aufgrund ihrer Tätigkeit vom Fahrpersonalrecht befreit sind, etwa durch die sogenannte Handwerkerklausel. "Diese Ausnahmen sind aber stets daran geknüpft, dass spezifische Voraussetzungen erfüllt werden und in aller Regel auch auf eine bestimmte Gewichtsklasse oder einen Einsatzradius beschränkt." Alle Fahrten, für die keine Ausnahme gilt, sind aufzeichnungspflichtig. Qualifikation: Werkverkehr findet für gewerbliche Zwecke statt und die Fahrer müssen deshalb, sofern keine Ausnahme vorliegt, gemäß dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz (BKrFQG) den Nachweis ihrer Qualifikation und die Ziffer 95 im Führerschein (oder mittelfristig auch über einen gesonderten "Fahrerqualifizierungsnachweis") erbringen.Die sogenannte Handwerkerregelung (§1 Abs. 2, Nr. 5 BKrFQG) trifft auf Fahrer zu, die Material oder Ausrüstung transportieren, das sie konkret zur Ausübung ihres Berufes benötigen. Zudem darf das Führen des Fahrzeugs nicht die Haupttätigkeit des Fahrers sein. Ladungssicherung: "Ganz verallgemeinert: Das Kenntnisniveau und die Ausstattung mit Ladungssicherungsmitteln sind im Werkverkehr häufig suboptimal", sagt der Verkehrsexperte. Fatal ist dies für Werkverkehrsunternehmen auch, weil im Falle von Schäden oder Unfällen durch eine ungenügende Ladungssicherung die Verantwortlichkeiten und auch die Haftung beim Werkverkehrsunternehmen gebündelt sei, so der Experte. Gefahrgut: Lacke, Säuren und Laugen gehören zum Arbeitsmaterial von vielen Handwerkern und Dienstleistern. Gibt es einen gültigen ADR-Schein? Sind Warntafeln und Schutzausrüstung an Bord? Besteht Zusammenladeverbot? "Die Vorschriften des Gefahrgutrechts werden von Betroffenen immer wieder mit dem Hinweis auf Mindermengen und kurze Transportstrecken abgewiegelt" sagt Bopp. Das aber ist kein Argument für die Polizei. Sonn- und Feiertagsfahrverbot: Das Fahrverbot gilt sowohl für Fahrzeuge zur Güterbeförderung über 7,5 Tonnen zGG, als auch für Zugfahrzeug-Anhänger-Kombinationen zur Güterbeförderung unter 7,5 Tonnen. "Speziell die Kombination Sprinter mit Hänger ist immer wieder Gegenstand von Kontrollen", berichtet Bopp aus seiner Erfahrung. Besser also, die gängigen Regelungen zu beachten und den Behörden keinen Kontrollerfolg zu bescheren.

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Ilona Jüngst

Autor

Datum

29. März 2016
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