Jan Weber Geschäftsführer Logistikdienstleister Meyer Meyer Osnabrück Zoom

Fashionlogistik: Kleider-Karussell dreht sich immer schneller

Der Fashion-Logistiker Meyer & Meyer will mit Flexibilität weiter wachsen. Wie berichtete er auf dem trans aktuell-Symposium zur Kontraktlogistik.

Wenige Bereich des Wirtschaftssystems ändern sich so schnell und nachhaltig wie die Logistik. Wer in diesem Karussell erfolgreich mitfahren will, muss extrem anpassungsfähig sein. "Wir in der Logistik haben noch immens viel zu holen", zeigt sich Jan Weber, Geschäftsführer des Fashionlogistikers Meyer  & Meyer. Der Unternehmer referierte beim zweiten trans aktuell-Symposium über Erfolgsfaktoren in der Kontraktlogistik.

Von Omnichannel bis Retourenmanagement

Warum es bei Meyer & Meyer nach wie vor gut läuft, erklärt der gebürtige Lübecker, der seit Februar die Holding leitet, mit der ganzheitlichen Strategie – "from sheep to shop". Wer das vorhandene Wachstumspotenzial in der Logistik für sein eigenes Unternehmen nutzen will, muss laut Weber auf vielen Kanälen erfolgreich mitspielen. B-to-B, B-to-C, Omnichannel und Retourenmanagement lauten seine Stichworte dazu. Wenn Kunden den Logistiker als Kümmerer von A bis Z sehen, hat dieser viel zu tun – und das ist gut fürs Geschäft.

Mittlerweile liegen 80 bis 85 Prozent des Geschäfts bei Meyer & Meyer im Bereich Textilien plus Schuhe und 15 Prozent im Transportmanagement sowie Automotive und Consumer Goods.Mit seinen 1.800 Mitarbeitern und einem 1.000 Fahrzeuge zählenden Fuhrpark (nur die Wechselbrücken sind gekauft), betreibt der Logistiker eine halbe Millionen Quadratmeter Lager- und Logistikfläche. "Unsere Strategie sagt Wachstum voraus", so Weber.

Die vier Millionen Sendungen jährlich transportiert Meyer & Meyer vor allem national sowie in Osteuropa und Nordafrika, vom Einkauf der Rohware bis zum Multichannelansatz, also entlang der gesamten Lieferkette. Zusätzlich übernimmt das Unternehmen Kontraktlogistik-Leistungen – die Mitarbeiter prüfen etwa Rohstoffe oder waschen Jeansstoffe für den Kunden Levis.

"Im Bereich hängende Ware sind wir der Führungende B-to-B-Dienstleister", sagt Weber. Dabei muss der Logistiker auf neue Trends schnell reagieren, etwa dass der Modeproduzent Zara – "der Top-Logistiker am Markt" – von hängender Ware auf Flachboxen umstellt. "Das stellt uns vor Herausforderungen", gibt Weber zu.

Auch im Bereich Air & Sea gilt die Wachstumsvorgabe. Nach dem Motto "Zoll ist toll" steht der Service für den Kunden (mit Einfuhr, Versandverfahren, Lager und mehr) an erster Stelle. "Von der Rentabilität her ist dies mit Sicherheit ein interessantes Geschäft", sagt Weber.

Das Finishing von hängender Ware ist laut Weber ein Feld, das nachlässt. "Die Kapazität ist einfach nicht mehr da", die Ware gehe nun ungebügelt in die Läden und wird teilweise dort aufgebügelt. Dafür besetzt Meyer & Meyer mit neuen Angeboten Nischen – etwa mit dem Besticken von Strümpfen. "Das sind Veränderungen, denen wir uns stellen müssen."

Bis zu 50 Prozent der Kleidung landet im Outlet

Dass jedoch im Zeitalter von nachhaltigem Wirtschaften "jedes dritte Kleidungsstück nicht getragen wird", ist für den Unternehmer mit Umweltsinn (Meyer & Meyer gewann den Eco Performance 2011) "eine Katastrophe". 30 bis 50 Prozent der Ware landet immer schneller in den Outlets und wird dort verscherbelt, weil sich das Kleider-Karussel immer schneller dreht – mit bis zu 14 verschiedenen Seasons. Das Problem: "Die Textilindustrie hat sich zum Ziel gemacht, günstig zu produzieren. Doch wir müssen wieder dichter nach Europa mit kürzeren Leadtimes am Markt", erwartet Weber.

Trends würden immer schneller aufgegriffen und der Weg des Kleidungsstücks zum Kunden noch bis eine Stunde vor Hafeneingang verändert. Da ist es gut, kurze Wege zu haben, um flexibel zu sein. Weber rechnet damit, dass 20 bis 25 Prozent der Produkte zukunftsnah wieder in der Nähe Europas produziert werden, etwa in der Türkei oder Marrokko.

Multichannel bietet Potenziale

Auch die Veränderung des Kaufverhaltens beeinflusst die Logistikströme massiv. Im Shop bestellt, nach Hause Same Day geliefert, kommt immer mehr. "Multichannel bietet unheimlich viele komplexe Lieferungen und viel Pozential für die Zukunft", ist sich Weber sicher.

Auf die Publikumsfrage, ob es einem Logistiker nicht völlig egal sein kann, wer wie und wo produziert, wiedersprach Weber: Wenn der Kunden nicht nachhaltig wirtschaftet, rutscht er vielleicht morgen schon in die Pleite, warnt er.

Europart will an die europäische Spitze

Auch der Fullservice-Provider für Truck und Trailer, Europart, wächst. "Wir wollen in der Zukunft europäischer Marktführer werden", sagte der Geschäftsführer Matthias van Leeuwen. Europart verfügt über ein umfangreichstes Sortiment, dass über ein europaweites Netz mit 300 Standorte in 28 Ländern über eigene Händler und Franchise-Partner zum Kunden gelangt. Beim Truck und Trailer sei Europart bereits die Nummer 1, bei den Bussen will van Leeuwen noch nachlegen und von aktuell Platz zwei an die Spitze.

Im Zentrallager und im Hub in Werl sind nach seinen Angaben mehr als 80 Prozent der Teile verfügbar. Der Anspruch der Kunden sei, europaweit am nächsten Arbeitstag beliefert zu werden. Dazu legt sich Europart ins Zeug. Zeit ist für die Kunden Geld, wenn der Lkw in der Werkstatt steht, anstelle zu fahren. Im Zentrallager stehen auf 98.000 Quadratmetern 52.000 Palettenstellplätze zur Verfügung. 1.000 Aufträge werden pro Tag bearbeitet, teils mit unzähligen Kleinteilen, teilweise auch von Leiharbeitnehmern. 300 Tonnen pro Tag gehen so mit 80 Lkw raus, 1.000 Pakete im Nachtexpress.

Beladen wird klassisch, mit Mensch und Stapler. "Die Aufträge tröpfeln über den ganzen Tag ein bis 16 Uhr", sagt van Leeuwen. Die Ware werde den ganzen Tag bis zur Cut-Off-Time kommissioniert, dann verdichtet und bestimmungsortbezogen geliefert - mit einer Fehlerquote von unter einem Prozent im Lager. "Zurückholen lohnt sich nicht aus Dubai oder Kaliningrad" - es muss gleich das erste Mal stimmen.

Volle Zuverlässigkeit des Logistikpartners

Zur Not per Luftfracht

Für ihn liegt die Herausforderungen im Umgang mit den Logistikpartner, die vielleicht mit Leiharbeitern arbeiten. 100 prozentige Zuverlässigkeit sei das größte Problem, zum Teil wegen Fahrer- oder Mitarbeiterwechsel. Länderspezifische Gesetzte müssten beachten werden, damit die Ware nicht tagelang am Zoll liegen bleibt, weil etwas nicht stimmt. Über ein wöchentliches Reporting mit dem Dienstleister, Tracking & Tracing und anderes werden Probleme ausgeschlossen. Über ein Labelling mit EAN-Code des Spediteurs ("jeder hat ein Ortungssystem") wird die Palette mit der Zugmaschine quasi verheiratet. Heute 18 Uhr im Versand, morgen am Fuß des Ätna, lautet das Ziel. Zur Not wir auch per Luftfracht Ware verschickt, damit sie am nächsten Tag pünktlich da ist.

Portrait

Autor

Foto

Matthias Rathmann

Datum

5. September 2016
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