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Kontraktlogistik: Erfolg mit dem Kontraktlogistikprojekt

Ob Sportartikel oder Motorteile – als Dienstleister passt sich Andreas Schmid aus Gersthofen den Erfordernissen des Auftraggebers beim Zuschnitt seiner Lösung an.

Welche Erfolgsfaktoren sind für die erfolgreiche Entwicklung vom Transportunternehmen zum Logistikdienstleister entscheidend? Eine Frage, die auch bei Andreas Schmid Logistik in Gersthofen bei Augsburg im Raum stand. »Das erste Kontraktlogistikprojekt übernahmen wir 1996 für den Sportartikelhersteller Salomon«, sagt Marketingvorstand Gianluca Crestani. Seine Karriere bei dem Logistikdienstleister startete der Diplom-Betriebswirt vor mehr als 20 Jahren als Auszubildender. Für den Sportartikel-Lieferanten Salomon hatte die Spedition damals die Erstbestückung der deutschen und österreichischen Händler mit Sommer- und Winterware abzuwickeln. Diese Cross-Docking-Geschäfte liefen papierlos binnen 24 Stunden über die Stückgutkooperation IDS mithilfe von Online-Scannern und einer elektronischen Anbindung an den Kunden.
Nach diesem Einstieg in das Logistikgeschäft folgte Projekt auf Projekt, erzählt Crestani. So beispielsweise der Auftrag der MAN Diesel & Turbo, die zusätzliche Flächen für ihre Motorenproduktion brauchte. In einem Joint Venture mit der Senator International aus Hamburg offerierte Andreas Schmid ein Lagerareal von 10.000 Quadratmeter Fläche. Heute ist der Logistiker direkt an die SAP-Lösung des Kunden angeschlossen. Täglich fallen etwa 100 Lieferungen mit 1.000 Positionen an. Die Belieferung der weltweit verteilten Werkstätten mit Motoren und Ersatzteilen erfolgt zu Lande, zu Wasser und auf dem Luftweg – rund um die Uhr an sieben Wochentagen, notfalls auch per Hubschrauber, falls ein Schiffsmotor auf hoher See streikt. In jeder Schicht ist ein kaufmännischer Angestellter, ein Kommissionierer und ein Verpacker in Rufbereitschaft. Meldet der Kunde telefonisch einen Auftrag beim Sachbearbeiter an, informiert er sofort seine Kollegen, die innerhalb von einer halben Stunde in der Halle eintreffen und die Ware versenden.
Völlig andere Anforderungen stellt das Projekt Wash Tec – ein Hersteller von Autowaschanlagen. Für diesen Kunden hat der Logistikdienstleister auf einer Fläche von 4.000 Quadratmeter die Konsolidierung und Rohteilelagerung am Standort Derching sowie die Oberflächenbeschichtung von Waschportalen übernommen. Bis Jahresende sind es etwa 3.200 Anlagen. Die Halle, in der Schmid-Spezialisten die Portale mit Pulver beschichten, gehört Wash Tec. Die Andreas Schmid Logistik übernimmt darüber hinaus auch die Disposition der Anlagen.

»Dieses Betreibermodell ist kostengünstiger und flexibler als die Eigenfertigung,« sagt Crestani. Weitere Vorteile seien kürzere Durchlaufzeiten und umweltfreundliche Prozesse – weniger chemische Mittel sowie die Wasser- und Farbrückgewinnung. Dank neuer Technologien habe man eine Effiziensteigerung von etwa 30 Prozent erreicht, ergänzt er.
Komplexe logistische Anforderungen hat der Logistikdienstleister auch für den japanischen Fujitsu-Konzern zu erfüllen, der nach eigenen Angaben in Europa zu den führenden IT-Infrastrukturanbietern zählt. Allein für dieses Projekt hält der Spediteur 250 Mitarbeiter und eine Lagerfläche von 50.000 Quadratmeter mit 35.000 Palettenstellplätzen im Zweischichtbetrieb vor.
Seit 1999 ist Schmid zudem für wesentliche Teile der dortigen Inbound-Logistik verantwortlich und hat in Augsburg die Materiallogistik von Computern, Notebooks und Server-Komponenten übernommen. Dazu zählen die Wareneingangsprüfung, die Versorgung der Produktionsbänder mit Material, Kanban- und Just-in-time-Bestückung der Produktion wie auch die Führung der Materiallager und eines Konsignationslagers. »In der Outbound-Logistik wickeln wir den Werkslieferversand unseres Kunden in Augsburg ab«, so Crestani. Weitere Mehrwertdienste sind zum Beispiel die Beipack-, die Gehäuse- und Verpackungslogistik mit der Nachrüstung von Hardwareteilen und dem Umbau in neue Chassisvarianten. Im Neubau des High Tec Logistic Center von Fujitsu hat Andreas Schmid die Distributionslogistik für hochwertige Serverprodukte übernommen. Der Kunde kann sich nun auf seine Kernkompetenzen konzentrieren, Fixkosten variabel gestalten, er gewinnt skalierbare Lagerflächen und erzielt Kostensenkungen auf einem hohen Qualitätsniveau, umschreibt Crestani den Nutzen für Fujitsu.
Ein weiteres Projekt ist die Lager- und Distributionslogistik für die Handels- und Dienstleistungsgesellschaft des Bayerischen Roten Kreuzes, dem Beschaffungspartner und Spezialanbieter für das Bayerische Rote Kreuz und für weitere Hilfsdienste wie etwa Johanniter und Malteser. Bestandteile dieses Servicepakets sind die Wareneingangsprüfung, die Lagerhaltung und Kommissionierung sowie das Transport- und Retourenmanagement. Auf einer Fläche von 1.500 Quadratmeter lagern 3.700 Artikel, jährlich sind dabei etwa 25.000 Aufträge abzufertigen.

Weitere Dienstleistungen bietet der Logistiker mit seinem Tochterunternehmen Quentia an: Mit Hardware-, Software- und Peripherielösungen unterstützen deren Mitarbeiter den eigenen Logistikbereich wie auch die Kunden. Die können wiederum zwischen unterschiedlichen Service Level Agreements wählen – bis hin zur 24 Stunden-Betreuung an sieben Tagen in der Woche. Auf Wunsch gibt es eine Support-Fernzugriffslösung dazu – im Fachjargon Remote Support genannt. So könne man unabhängig vom Standort alle internetfähigen Computer und Smartphones direkt erreichen und Probleme unverzüglich lösen, ohne dafür das Budget zu erhöhen, heißt es dazu seitens Quentia.
Mit einer Cockpit-Anwendung liefert der IT-Dienstleister die Basis für betriebswirtschaftliche Entscheidungen. Mehr als 200 verschiedene Datenbanken könne man an das System anschließen. Alle prozessrelevanten Informationen könne sich der Auftraggeber mit Ampel-, Kuchen- und Balkendiagrammen schnell transparent vor Augen führen, wirbt Quentia.
Weil sich komplexe Logistikprojekte nur mit kompetenten und hoch motivierten Mitarbeitern abwickeln lassen, legt die Unternehmensführung von Andreas Schmid Logistik großen Wert auf ein gutes Betriebsklima sowie eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung in der eigenen Akademie. Dort können auch Kunden ihre Logistikkenntnisse auffrischen und erweitern. Und in dem Nachwuchsförderprogramm mit der Bezeichnung Post Apprenticeship Program der Industrie- und Handelskammer (IHK) Augsburg, das sich über drei Jahre erstreckt, können talentierte Mitarbeiter den Verkehrs- oder Handelsfachwirt erwerben. Ziel dieses Programms ist es, Führungskräfte aufzubauen. Die Kosten der Weiterbildung übernimmt Andreas Schmid, wenn die Nachwuchskraft mit guten Zeugnisnoten und sehr guten Beurteilungen der Abteilungen aufwarten kann.
Stolz verweist Crestani auch auch auf die »Azubiquote« von zehn Prozent – macht bislang rund 100 Auszubildende, die nahezu vollzählig übernommen wurden.
Die Faktoren, aufgrund derer der Wandel vom Transporteur zum Logistikdienstleister geglückt ist? Die liegen für Gianluca Crestani auf der Hand: Servicequalität, Logistik- und IT-Kompetenz sowie tüchtige, hoch motivierte Mitarbeiter.

Das Unternehmen
Andreas Schmid Logistik wurde 1928 als Transportunternehmen in Augsburg gegründet. Seit 2001 firmiert das Unternehmen als Aktiengesellschaft – mit klarer Trennung von Management und Eigentum. Aufsichtsratsvorsitzender ist Alfred Kolb, der hundertprozentige Eigentümer. Zwei externe Aufsichtsräte bringen zusätzliche Impulse ein. Das Portfolio umfasst Transport und Spedition, Kontraktlogistik, IT-Lösungen sowie Personal für Logistik. Der konsolidierte Gruppenumsatz lag im Jahr 2009 bei 106,3 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter bei 1.046. Andreas Schmid Logistik verfügt über eine Grundstücksfläche von 220.000 Quadratmeter, eine Logistikfläche von 170.000 Quadratmeter sowie 145.000 Palettenstellplätze. Zur Unternehmensgruppe zählen der IT-Dienstleister Quentia, der Personaldienstleister Logcare, die Prolog Consulting und eine eigene Akademie für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern und Kunden.

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Datum

14. März 2011
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