Volvo Kipper orange 280 Bauma 5 Bilder Zoom
Foto: OwiMedia

Volvo FL 280

Einstieg in die Baubranche

Volvo wagt mit dem leichten FL den Einstieg in die Baubranche. Der FL 280 ist zwar kein Allradler und damit auch kein ausgewiesenes Geländefahrzeug, kann aber im Zuliefereinsatz Pluspunkte sammeln.

Geht es um Stereotype, so sind Schweden in Sachen Automobilbau die sichersten Banken der Welt. Als solide, dauerhaft und hochwertig gelten Automobile aus Schweden. Genau das erwartet der Kunde dann auch von Lkw der Marke Volvo. Bei der leichten Baubrigade schicken die Schweden neuerdings den FL ins Feld, um auch abseits des Fernverkehrs beim Absatz Boden gutzumachen.

Dabei ist der FL 280 im kommunal-orangen Blechkleid gar kein ausgewiesener Geländegänger. Angesichts Hinterradantrieb, konventioneller Reifengröße und straßenüblicher Bodenfreiheit sollte sich der kleine Schwede nicht allzu weit ins lose Geläuf wagen – vermutet man zumindest. Doch der FL belehrt seinen Fahrer schnell eines Besseren und zeigt auch abseits der Straße recht beachtliche Fähigkeiten.

Keine Übermütigkeit im unbefestigen Terrain

Mit Traktionsprofil an der Hinterachse und entsprechendem Druck auf der blattgefederten Hinterachse arbeitet sich der FL auf losem Untergrund wacker durch die Landschaft. Trotzdem sollte der FL nicht all zu übermütig ins unbefestigte Terrain gescheucht werden. Die nur straßenübliche Bodenfreiheit und der große wie eine Unterlippe vorgestreckte vordere Überhang mit ungeschützten Kunststoffteilen im Bereich von Einstieg und Stoßfänger sowie der tief und fix sitzende Heckunterfahrschutz mit aufgepflanzter Kugelkopfkupplung setzen Grenzen.

Die Stärke des leichten Volvo liegt eher im Bauzulieferbetrieb von Handwerk und Baugewerbe. Eine Beiladung Kies nimmt der Schwede ebenso gerne mit wie ein paar Paletten Ytong-Steine oder eine Partie Stahlarmierungen. Das alles findet auf der vier Meter langen Meiller-Dreiseiten-Kippbrücke ohne Weiteres Platz.

Hinterm Steuer findet sich ein seltsamer Stil- und Materialmix

Überhaupt ist Variabilität im Einsatz ein Trumpf des FL. Mit kurzem 3,25 Meter Radstand macht der kleine Schwede als Solofahrzeug auch in der Enge der Großstadt eine gute Figur. Seine Handlichkeit im Zusammenspiel mit der leichtgängigen Lenkung lassen die gut 7,1 Tonnen Leergewicht glatt vergessen. Hinterm Steuer findet sich der FL-Fahrer an einem Arbeitsplatz wieder, der einen seltsam anmutenden Stil- und Materialmix aus französischem Erbgut der D-Reihe von Renault Trucks und Volvo-typischen Designelementen verbindet. So gehen die unpraktischen Renault-Bediensatelliten, die hinter dem Lenkrad sitzen, eine Ehe mit der beispielhaften Tastenklaviatur eines Volvo ein.

Geschaltet wird manuell über ein einfach bedienbares Achtganggetriebe, das für den Einsatzzweck als gute Wahl gelten kann. Im cremefarben gehaltenen Innenraum möchte auf langen Strecken gerade bei stattlicheren Fahrernaturen allerdings kein rechtes Wohlfühlambiente aufkommen. Die enge Sitzposition hinter dem Volant zwingt zu Kniekontakt mit dem massigen Schaltknüppel. An einen Durchstieg ist wegen des recht hohen Motortunnels und einem Ausleger des Armaturenbrettes nicht zu denken.

Kleine Staturen sind in der engen Fahrerkabine besser aufgehoben

Auch stößt der Verstellbereich des luftgefederten Fahrergestühls in der kompakten Kabine schnell an seine Grenzen. Kleinere Staturen kommen mit dem Komfort sicher besser zurecht – zumindest sofern Ladung auf der Pritsche liegt und die Achsen zu manierlichem Verhalten nötigt.

Unbeladen gibt sich der kleine Wikinger aber ausgesprochen bockig. Die einzelne Dickblattfeder an der Vorderachse verteilt dann trockene Stöße, die über die Fahrerhausfederung an das Fahrpersonal weitergeleitet werden. Mit bis zu 6.880 Kilo auf der Meiller-Kippbrücke beladen, wandelt sich das Bild zu einer ausgewogen arbeitenden Federungsabstimmung, an der es nichts zu bemängeln gibt.

Der Volvo verzeiht späte Gangwechsel

Einen rundum gesunden Eindruck vermittelt der Antrieb des schwedisch-französischen Bau-Juniors. Kein Wunder, immerhin arbeitet ein 7,7 Liter großer Sechszylinder unter der kleinen Kabine, der mit Lkw-typischen Manieren zur Sache geht. Im FL hat er mit maximal 14 Tonnen solo und einem Drehmoment von 1.050 Newtonmetern, das schon ab 950/min bereitsteht, naturgemäß leichtes Spiel. So lässt sich der Volvo FL auf der Straße recht schaltfaul bewegen und verzeiht im Gelände einen spät gewechselten Gang.

Nur mit einem Anhänger wirklich effizient

Mit 732 Kilo Trockengewicht steuert der Sechszylinder allerdings einen guten Teil zum nicht ganz knappen Leergewicht des FL bei. Der ausgewogene Leistungsverlauf macht den Speck unter der Kabine dann wieder wett, wenn ein Anhänger am Haken hängt. Eine für Offroad-Einsätze zu tief montierte Kugelkopfkupplung nimmt leichte Trailer in Schlepp, auf bis zu 19.000 Kilo schwere Zentralachser wartet eine klassische Maulkupplung mit durchgehender Luftbremse.

Was neben dem 600 Newtonmeter starken Nebenabtrieb ebenfalls für den reichlich eingeschenkten Hubraum des Motors spricht, ist seine Bremsleistung. In Zusammenspiel mit den Scheibenbremsen steuert die Kompressionsbremse des 7,7-Liter-Triebwerks 170 kW Brems-PS bei – genug um auch die maximal 30 Tonnen schwere Anhängerkombination in Zaum zu halten. Und hier liegt letztlich auch die Stärke des FL 280 als Bau-Zulieferer. Wenn er öfter einen Anhänger durch die Landschaft zieht, lohnen sich sowohl der schwere Motor als auch die vergleichsweise hohe Motorleistung. Solo kann es der muntere Schwede natürlich genauso, nur ganz so effizient ist das nicht.

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Dieser Artikel stammt aus Heft lastauto omnibus 05/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.

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Datum

14. April 2016
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