Simon Reimer reimer Logistics Zoom
Foto: Ilona Jüngst

Interview mit Simon Reimer von Reimer Logistics

Kunden digital begleiten

Simon Reimer, Chef von Reimer Logistics, über neue Technologien und das eigene Marketing.

trans aktuell: Herr Reimer, was ist für Sie als Familienunternehmer wichtig?


Simon Reimer: Als Mittelständler hat man die Herausforderung, die Menschen, die bereits seit 40 Jahren im Unternehmen sind, genauso mitzunehmen wie neue einzubinden, und die Expertise aus den vergangenen Jahren zu nutzen, um Zukunft zu gestalten.

Ihr Unternehmen hat sich 2013 neu organisiert. Unter anderem gehört ein Consulting-Bereich dazu. Wie kann man sich als Mittelständler gegen das Beratungsmonopol der Großen durchsetzen?


Unsere Beratungskunden kommen meist auf Empfehlung. Wir sind auch nicht so vermessen, zu behaupten, dass wir alles allein können: Wir bedienen den praktischen und theoretischen Lösungsteil und nehmen gegebenenfalls auch externe Berater hinzu, die uns dann im Beratungsprozess unterstützen. Damit können wir auch eine Fabrik- oder Logistikplanung machen, ohne diese Kapazitäten ständig vorzuhalten.


Zu den weiteren Geschäftsfeldern gehören Transport und Kontraktlogistik. Wie kommen Sie da zu Ihren Kunden?


Empfehlung ist auch hier das beste Marketing. Und natürlich hilft eine starke Vertriebsmannschaft. Aber empfohlener Logistiker zu sein, das ist unser Ziel.


Dafür engagieren Sie sich schon fast von Anfang an bei der Logistics Alliance Germany, kurz LAG. Ist die Mitgliedschaft Teil Ihrer Marketingaktivitäten?


Ich bin der Meinung, dass, wenn man etwas für die Gemeinschaft tut, man auch automatisch selbst einen Vorteil hat. Dafür gibt es keine Garantie, aber das ist das Prinzip des Ehrenamtes. Bei der LAG arbeiten wir im Marketing zugunsten des Standortes Deutschland – und ebenso zugunsten der Unternehmen. Außerdem sehe ich das Engagement über den fachlichen Austausch hinaus als ein gutes Bindeglied zur Politik und überdies als Möglichkeit, bestimmte Themen zu positionieren.


Welche Anforderungen sehen Sie da?


Wir stellen uns jedem Wettbewerb, er muss allerdings fair aufgestellt und nicht schon systemisch verzerrt sein. Dafür müssen die Rahmenbedingungen da sein – wir sind ja nicht alleine in Europa und brauchen faire Wettbewerbsbedingungen für alle. Und für diesen Austausch – sowohl zwischen den Unternehmen als auch zwischen Branche und Politik – ist die LAG sehr gut.


Das ist auch das Anliegen der Verbände – etwa des Vereins Bremer Spediteure, an dessen Spitze Sie zwölf Jahre bis zum Frühjahr dieses Jahres standen.


Die Verbände befördern den Austausch, das ist richtig. Aber so gerne die Politik das Konzentrat der Verbandsspitze hat, so gerne hat sie auch die Diskussion auf breiterer Basis. Und da bietet sich die LAG als Ergänzung an. Mitglieder sind auch Personaldienstleister und Lkw-Hersteller, was zu einem interdisziplinären Austausch zu allem führt, was die Branche bewegt. Etwa neben dem Straßenbau auch das Thema digitale Infrastruktur.


Wo sehen Sie denn als Unternehmen aus Norddeutschland da noch Nachholbedarf?


Zweierlei: Es gibt viele Förderprogramme für die digitale Erschließung des Landes mit Glasfasernetzwerken – in unserem Großraum gibt es manche Dörfer, die besser angeschlossen sind als so mancher Straßenzug in der Stadt. Das ist natürlich ein Wettbewerbsvorteil, wenn die Informationen mindestens so schnell sind wie die physische Beförderung der Waren – das bleibt also eine Herausforderung. Deshalb habe ich für Bremen einen Digitalisierungsatlas angeregt, der aufzeigt, wo wir stehen.


Und in puncto Verkehrsinfrastruktur?


Das betrifft Bremen und viele andere Städte und Regionen auch. Man sollte nicht dem Trend nachgehen, Verkehr als störendes Element zu betrachten, was politisch ja auch gerne aufgegriffen wird. Wir müssen den Bürgern erklären, dass sie nicht im Internet klicken können, ohne dass es Folgen für den Verkehr hat. Und jeder Klick, jede Zustellung bedingt eine ordentliche Infrastruktur. Darum sollten wir auf die Werte, die wir haben – was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen –, unsere Infrastruktur erhalten und ausbauen.


Aber Logistik ist für die Bürger kein attraktives Thema.


Logistik ist mittlerweile die zweitgrößte Branche der Bundesrepublik, das weiß nur kaum einer. Deshalb müssen wir uns täglich die Frage stellen, was wir noch besser machen können, und das nicht nur bei der eigenen Effizienz. Ein wichtiges Thema zu mehr Akzeptanz des Verkehrs ist dabei neben dem Thema Infrastrukturausbau auch der passende Lärmschutz für Straßen und Bahntrassen.


Sie haben die Effizienz erwähnt. Wie wichtig ist das für Reimer Logistics?


Nachhaltig zu wirtschaften ist eines unserer ganz wesentlichen Unternehmensziele. Wir haben kürzlich mithilfe externer Berater ein selbst aufgelegtes Audit zur Energieeffizienz durchlaufen, das alle Unternehmensteile berührt – die Fahrzeuge ebenso wie Heizung, Kühlung und Beleuchtung. Das für unsere Bilanz festzuhalten, ist wichtig. Aber es ist auch ein Marketingthema. Und uns galoppieren auch so die Kosten nicht davon. Da investieren wir anfangs lieber ein bisschen mehr, und haben später was davon – dieses Credo gilt für alle Bereiche im Unternehmen.


Wie sieht es bei den Fahrzeugen aus?


Da ist das Wichtigste, die Fahrzeuge effizient einzusetzen. Mit einer guten Tourenplanung und Mitarbeitern, die die Prozesse hochgradig effizient darstellen. Um es auf den Punkt zu bringen: Effizient arbeitet Logistik dann, wenn sie profitabel arbeitet und umgekehrt, und wenn das Fahrzeug voll ist. Dann spielt am Ende ein Liter Treibstoff mehr auch, aber nicht die einzige Rolle.


Welche Rolle haben für einen Mittelständler denn die neuesten Technologien: Platooning, die Vision des autonomen Fahrens?


Wir werden uns den Themen stellen, aber zunächst zahlt dafür kein Kunde mehr Fracht – er will nur die Vorteile. Was für uns wichtig ist: Es gilt, den Kunden, der sich immer mehr Anforderungen gegenüber sieht, etwa beim Thema Sicherheit im Hafen oder bei der Luftfracht, in seinen Prozessen digital zu begleiten. Das müssen auch wir als Mittelständler verstehen. Die richtige Information zur richtigen Zeit haben – diesen Prozess müssen wir immer wieder anpassen.


Tut sich nicht die Branche vor allem mit dem Tempo schwer, in dem die Anforderungen und Trends wechseln?


Wenn wir in die Zukunft blicken, wissen wir ja gar nicht, wie sich etwa der 3D-Druck auswirkt. Vielleicht gibt es in Zukunft keine dezentralen Lager mehr, weil dort in einem Multi-User-Drucker-Zentrum Waren entstehen. Ersatzteile können dann nach Auftrag angefertigt werden. Dann verändern sich vielleicht Verkehre weltweit, weil die Werkbank wieder zurück nach Europa kommt. Aber auf der letzten Meile bleibt der Prozess gleich – und muss doch ständig auf eine verbesserte Effizienz getrimmt werden.

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Ilona Jüngst

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Datum

6. Oktober 2016
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