Das sind die Namen der Verlader – die streikenden Fernfahrer in Gräfenhausen präsentieren die CMR-Frachtbriefe. Unternehmer Hegelmann war vor Ort.
Spediteur Mazur aus Polen will nicht verhandeln. Also wenden sich die streikenden Lkw-Fahrer, die in seinem Auftrag tätig sind, nun an die Verlader. Die Hoffnung: Die exportierenden Unternehmen haben die Macht, den Streik an den Parkplätzen Gräfenhausen an der A5 zu beenden – indem sie die ausstehenden Zahlungen leisten und im Gegenzug ihre Ware erhalten. Verhandlungsführer Edwin Atema sieht die Konzerne hier in der Verantwortung, ihren Lieferkettenverpflichtungen nachzukommen.
Atema: Hier sind die ausgebeuteten Fahrer
Damit stehen die Verlader nun öffentlich am Pranger – die Fahrer haben sich für Fotozwecke die Frachtbriefe mit den jeweiligen Namen sichtbar auf ihre T-Shirts geklebt. „Liebe DB Schenker, Mercedes, DHL Deutsche Post AG, BMW, Obi, Red Bull und viele andere: Hier sind die ausgebeuteten Fahrer, die Ihre Fracht geliefert haben“, schreibt Gewerkschafter Atema dazu auf facebook. „Nach dem ersten Gräfenhausener Streik ist Lukmaz-Agmaz-Imperia immer noch in Eurer Lieferkette.“
Wie die FAZ berichtet, hat DHL bereits nach dem ersten Fahrerstreik in Gräfenhausen reagiert. Demnach hat das Logistikunternehmen die Mazur-Gruppe im Frühjahr auf eine Sperrliste gesetzt. Offenbar hat jedoch ein anderes Transportunternehmen einen DHL-Auftrag an die Mazur-Gruppe weitergegeben. DHL zufolge ist eine Weitergabe von Aufträgen an Dritte ohne explizites Einverständnis von DHL ausgeschlossen. Das verantwortliche Unternehmen sei für weitere Transportaufträge gesperrt worden, heißt es.

„Ein Abbruch von Geschäftsbeziehungen zu Mazur reicht nicht aus“, sagt dagegen Verhandlungsführer Atema. Er macht das am Beispiel einer österreichischen Spedition fest, die demnach zwei auf dem Rastplatz geparkte Lastwagen abholen und gleichzeitig den Fahrern 20.000 Euro überreichen ließ. „Wenn die kleinen Fische in der Industrie das können, können die großen es auch“, erklärt er.

Die Hegelmann-Gruppe, die mehrere Tausend Lkw innerhalb von Europa einsetzt, wäre nach eigenen Angaben daran interessiert, die streikenden Fahrer bei sich zu beschäftigen. „Wir haben die Fahrer auf dem Parkplatz kontaktiert und ihnen unverzüglich Arbeitsplätze angeboten“, teilt Siegfried Hegelmann auf LinkedIn mit, verantwortlicher Gesellschafter in der Firmengruppe. Wenn die Papiere stimmten, könne er sie alle einstellen. „Die Rückmeldung war, dass sie erst mal dort bleiben und auf die Auszahlung ihrer Löhne warten.“