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Zekju baut digtale Brücken

Mit WhatsApp & Co. austauschen

Lkw von STG Transport Foto: STG Transport

Die Plattform Zekju des gleichnamigen Start-ups aus Augsburg ist angetreten, die Kommunikation im Straßentransport zu vereinfachen.

Das System setzt dabei auf bereits bestehenden Lösungen auf, um den Umstieg für die Nutzer so einfach und kostengünstig wie möglich zu gestalten. Ein Bedarf, den auch Ewald Kaiser, der frühere COO von DB Schenker sieht, der das Projekt unterstützt: „Zekju adressiert ein sehr relevantes Thema. Die Kommunikation zwischen Fahrer und Disponent bleibt bisher ein weißer Fleck in der schnell voranschreitenden Digitalisierung des Landverkehrs“, erklärt er.

STG Transport nutzt Zekju

Den Kinderschuhen ist Zekju dabei bereits entwachsen: So setzt etwa STG Transport aus Stolberg beziehungsweise Würselen mit rund 70 Lkw und 100 Berufskraftfahrern auf die Kommunikationsplattform. Der Transporteur ist überwiegend mit Komplettladungen für DHL und Dachser unterwegs – unter anderem nach Großbritannien.

Für Bernd Ostlender, Leiter der Disposition bei STG Transport, bringt Zekju dabei eine ganze Reihe an Erleichterungen mit sich. Denn der Austausch mit den Fahrern läuft nun mittels eines vordefinierten digitalisierten Prozesses. „Dadurch ist es beispielsweise möglich, dass einer unserer Disponenten eine Frage auf Deutsch stellt, der Fahrer diese dann aber in seiner Muttersprache erhält. Gleiches gilt letztlich für die Antwort“, berichtet Ostlender. Für ihn ist dabei nicht unerheblich, dass die Fahrer für die reine Kommunikation kein zusätzliches technisches Gerät benötigen.

Beliebigen Messenger nutzen

„Tatsächlich können sie den Messenger nutzen, den sie ohnehin auf ihrem Smartphone installiert haben“, erklärt Ostlender. Dabei sei es egal, ob es sich dabei um WhatsApp, Viber, Telegram oder einen der vielen anderen Messenger handele. Der Clou: „Wir können auch für einen bestimmten Zeitraum beziehungsweise eine Entfernung vom Ziel die Kommunikation zwischen Fahrer und Empfänger freigeben.“ Das berichtet der STG-Mann im Gespräch mit trans aktuell.

Das erleichtere dem Fahrer etwa das Finden der Entlade­stelle – vor allem dann, wenn sich diese kurzfristig geändert hat. Oder eben auch, wenn sich etwas am Verlauf der Tour geändert hat. „Informationen per Telefon austauschen, unter Umständen noch durch eine Sprachbarriere erschwert, das gehört nun der Vergangenheit an“, erläutert Bernd Ostlender.

Kommunikation mithilfe von Zekju Foto: ZeKju
Zekju dient unter anderem als Bindeglied zwischen Fahrer und Disponent.

Genau dies war auch die Idee der Macher hinter Zekju. Sie haben die Lösung als Bindeglied konzipiert, einerseits zwischen der Disposition und den Lkw-Fahrern einer Spedition, andererseits zwischen Spedition und Verlader beziehungsweise sogar dem Empfänger der Ladung. „Ziel war eine unternehmensübergreifende Kommunikation entlang der Supply-Chain“, erklärt Zekju-Geschäftsführer Dr. Hendrik Rosenboom auf Nachfrage von trans aktuell. Und zwar in digitaler und automatisierter Form, da in der Logistik noch immer viel zu häufig mit Papier gearbeitet werde – etwa bei den Abliefernachweisen. „So braucht es oft mehrere Wochen, bis eine Rechnung erstellt werden kann“, bemängelt Rosenboom. Eines ist ihm dabei besonders wichtig: „Wir sind weder die nächste Frachtenbörse noch die nächste Digitalspedition.“

KMU haben meist Nachholbedarf

Gemeinsam mit seinen Mitgründern treibt er das Projekt voran. Der Zekju-Chef selbst hatte zuvor unter anderem als Chief Digital Officer bei DKV Mobility Services die Dienstleister- sowie als Senior Vice President bei der Hartmann Group die Verladerseite kennengelernt. Die Digitalisierung in der Logistik, so sein Fazit, sei gerade bei kleineren und mittelständischen Unternehmen oftmals noch lange nicht da, wo sie sein sollte. An dieser Stelle soll Zekju sozusagen als Vermittler zum Einsatz kommen.

Wobei die Plattform ohnehin nicht nur eine reine Kommunikationsplattform ist. „Vielmehr reichert Zekju diese Kommunikation um weitere wichtige Kontextdaten an“, sagt Rosenboom. Dazu gehören unter anderem der Echtzeit-Standort des Lkw sowie auch Informationen zur Restlenkzeit des Fahrers.

An dieser Stelle kommt der Automobilzulieferer Continental ins Spiel – oder um genauer zu sein: der digitale Tachograph DTCO der Marke VDO sowie ein entsprechender Dongle, um dessen Daten abzugreifen. „Zekju hat uns angefragt, weil sie den DTCO als Trusted-Data-Informationspool nutzen wollten“, berichtet Bertram Schwärzler, Sales Manager im Segment Commercial Vehicle Fleet Services bei Continental, gegenüber trans aktuell.

Continental VDO ist mit an Bord

Zunächst sei es lediglich um die anonymisierte Kommunikation zwischen Kunde und Fahrer gegangen. Im weiteren Verlauf habe sich schnell herauskristallisiert, dass eine bluetoothfähige Plug-and-play-Hardware für das Fahrerhaus dafür die ideale Lösung sei. Daher kommt an dieser Stelle ein Dongle von VDO zum Einsatz. Dieser liefere den entsprechenden Mehrwert. Für Continental wiederum erschließt sich hier ein neues Geschäftsfeld: „Microservices wie derjenige, den wir an Zekju zuliefern – die Bereitstellung einer passenden Kombination von Daten aus dem Tachographen in einer automatisiert verarbeitbaren Form – betrachten wir als wichtigen Wachstumsbereich für unser Tachographen- und Telematiksegment“, gibt Schwärzler zu Protokoll. Oder anders ausgedrückt: VDO vermarktet nicht nur die Hardware, sondern ab sofort auch Daten und Services. Das Angebot richtet sich dabei sowohl an FMS- oder TMS-Anbieter und Lohnbuchhaltungen als eben auch an spezielle Start-ups wie Zekju.

In der Zusammenarbeit mit Zekju soll es übrigens auch technisch weitergehen: „Wir wollen den Kunden von Zekju zusätzlich unsere Archivierungslösungen anbieten. So könnte Zekju das eigene Angebot erweitern“, berichtet Bertram Schwärzler. Entsprechende Gespräche laufen ihm zufolge bereits.

Die Lösung

  • Das Start-up Zekju wurde 2020 in Augsburg gegründet
  • Geschäftsführer ist Dr. Hendrik RosenboomCQ (ausgesprochen: „Ze Kju“) ist ein Code, den CB-Funker nutzen
  • Die Buchstaben stehen dabei für „seek you“, zu Deutsch: „suche dich“
  • Ziel von Zekju ist es, die Kommunikation im Straßentransport zu ­digitalisieren und zu automatisieren
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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