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Wettbewerb

Gefahr fürs Gewerbe

Wettbewerb, Gefahr fürs Gewerbe Foto: Rathmann, Roller, Gutmann; Montage: Grobosch

Das Segment der Teilpartien haben sie bereits angegriffen. Nehmen sie sich als Nächstes den Sammelgutbereich vor? Mit den Frachtpreisen der osteuropäischen Kleinlaster kann keiner mithalten.

Sie sind überall – auf dem Gelände des ehemaligen Freihafens in Hamburg, an den Lägern großer Logistikdienstleister oder vor dem Hofladen eines 2.500-Seelen-Dorfs am Fuß der Schwäbischen Alb. Und natürlich auf allen wichtigen Magis­tralen Deutschlands. Die Rede ist von osteuropäischen Kleinlastern, die in Deutschland stark auf dem Vormarsch sind, wie auch das Bundesamt für Güterverkehr bestätigt. Besonderes Merkmal der Transporter ist die Dachschlafkabine, auch bekannt als Topsleeper.

Die Transporte seien "unverschämt billig"

Die Betreiber dieser Kleinlaster mischen den Markt auf und erhöhen den Druck auf das Gewerbe. Die Transporte seien "unverschämt billig", ist aus der Branche zu hören. Dem Vernehmen nach kostet der Lastkilometer 70 bis 80 Cent. Bei Teilladungen können deutsche Speditionen, die es gewohnt sind, Waren umzuschlagen und zu bündeln, nicht mehr mithalten. Beunruhigend ist die Zunahme der 3,5-Tonner auch aus einem anderen Grund: "Beängstigend ist diese Entwicklung auch wegen des großen Gefahrenpotenzials auf der Straße, was mit einer Image-Schädigung für unser Gewerbe verbunden ist", erklärt Spediteur Karlhubert Dischinger aus Kirchhofen, Präsident des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (VSL).

Am stärksten unter der Konkurrenz zu leiden hat der Bereich der Teilpartien, ist zu hören. "Die Klasse der Teilladungsspedition wird gerade vom Polen-Sprinter zerlegt", sagt Spediteur Roland Rüdinger aus Krautheim. Er ist selbst in diesem Segment tätig und konzentriert sich daher auf schwereres und sperrigeres Transportgut, das sich nicht zur Beförderung im Kleinlaster eignet. Sonst wäre er nach eigener Darstellung chancenlos. "Jeder, der sperrige Produkte mit zwei oder drei Lademetern hat, verschickt sie innerdeutsch oder innerhalb von Europa inzwischen mit dem Polen-Sprinter."

Diese Fahrzeuggattung hat im Teilladungsmarkt bereits Fuß gefasst

Michael Craiss, Chef des Volumenspediteurs Craiss aus Mühlacker, bestätigt, dass diese Fahrzeuggattung im Teilladungsmarkt bereits Fuß gefasst hat. Nicht der Erstverlader, sondern der Spediteur stehe hinter den Aufträgen. "Nach meiner Auffassung hüpfen diese 

Fahrzeuge über die Transportbörsen auf dem innerdeutschen Teilladungsmarkt herum – von deutschen Speditionen beauftragt", sagt er.

Rüdinger äußert die Vermutung, dass es die Betreiber der Kleinlaster nicht bei den Teilpartien bewenden lassen. "Als Nächstes wird die Sammelgutspedition torpediert", sagt er voraus. Noch zeigen sich die Stückgut-Kooperationen aber entspannt. "Aus dem Teilladungsbereich sind diese Sprinter bekannt, im Stückgutbereich scheinen sie bislang kein Thema zu sein", heißt es von der Kooperation Cargoline. "Unsere Partner greifen nicht auf die osteuropäischen Sprinter zurück, denn unsere Kunden erwarten einen gewissen Qualitätsstandard und eine seriöse Leistungserbringung", sagt der stellvertretende Geschäftsführer Bernd Höppner. "Auf osteuropäische Flottenverbände zu setzen, kann für Cargoline daher keine Option sein."

Osteuropäische Kleinlaster sind die am schnellsten verfügbare Fahrzeugkategorie

Empfänglicher für diese Flottenverbände ist, wer nur auf den Preis schielt − oder es besonders eilig hat. Die osteuropäischen Kleinlaster sind sofort zur Stelle. Rüdinger spricht von der am schnellsten verfügbaren Fahrzeugkategorie. "Sie bekommen ihn deutschlandweit innerhalb von einer Stunde", sagt er. Die Unternehmer dahinter seien gut organisiert. "Wenn die Behörden einen Polen-Sprinter stilllegen, kommt innerhalb von einer halben Stunde der nächste." Rüdinger berichtet von einer Firma, die mit den Transportern bis zu 1.500 Kilometer am Tag fährt. Um 17 Uhr im Süden bestellt, sei das Fahrzeug um 18 Uhr zur Stelle und morgens um 6 beim Kunden in Schleswig-Holstein.

Zwar müssen sich auch die Fahrer der Ost-Transporter an die Lenk- und Ruhezeiten halten. Doch wo kein Digitacho verbaut ist, reicht zwischen 2,8 und 3,5 Tonnen eine Aufzeichnungspflicht. Unter 3,5 Tonnen greift kein Güterkraftverkehrsgesetz. Es braucht keine Genehmigung, keinen Lkw-Führerschein oder Schulungen. Auch mit Kabotage, Maut und Sonntagsfahrverbot müssen sich die Wettbewerber nicht beschäftigen.

Im Fokus der Polizei sind Auto- und Kleinlaster

Was die Sicherheit angeht, gab es Anfang März einen tödlichen Unfall auf der A 9, als ein ungarischer Kleinlaster mit Top­sleeper bei Allershausen auf einen Sattelzug fuhr. Die Polizei schaut genauer hin: "Bei den Kleinlastern verzeichnen wir die typischen Delikte wie Überladungen, unzureichende Ladungssicherung und technische Mängel an den Fahrzeugen sowie bei den Fahrern fehlende oder unvollständige Lenkzeitnachweise", sagt Polizei-Oberkommissar Thomas Simonis. Ende März rückten brandenburgische und sachsen-anhaltinische Einsatzkräfte zur gemeinsamen Kon­trolle aus. Besonders im Fokus waren Auto- und Kleintransporter. Die Bilanz nach überprüften 790 Fahrzeugen und 918 Personen: sieben Straftaten, 80 Ordnungswidrigkeiten und ein Verstoß gegen das Ausländerrecht. Die Branche ist nicht grundlos alarmiert.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
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