Supertruck Lowrider XXXL

Fahrzeugbau und Kunst machen ihn einzigartig

Supetruck Auvinnen Machete Foto: Felix Jacoby 17 Bilder

Was macht aus einem Lkw einen Supertruck? Selten wurde diese Frage so eindeutig beantwortet wie von Mika Auvinen und seinem Team. Der violette Mercedes-Actros-Lowrider ist einzigartig.

Selbst für Lastwagenfans, die schon viele außergewöhnliche Umbauten gesehen haben, ist dieser Lastzug eine Begegnung der besonderen Art. Die Augen des Betrachters gehen auf Wanderschaft und finden eine unglaubliche Vielzahl faszinierender Details und unglaublicher Lackbilder. Mika Auvinen und seine Lkw-begeisterten Freunde aus Helsinki in Finnland haben schon in der Vergangenheit die wildesten Lkw auf die Straße gebracht. Aber der Lowrider ist noch ein ganzes Stück verrückter geraten. Im letzten Spätsommer war FERNFAHRER eines der ersten Magazine in Europa, das den Lowrider anlässlich der Nordic Trophy in Schweden vorstellte.

Supetruck Auvinnen Machete Foto: Felix Jacoby
Am Skandinavienkai muss Arto den Neunachser rückwärts aus der Fähre schieben. Das hat er völlig im Griff.

Die klugen Finnen haben ihre Zulassungsvorschriften auf 76 Tonnen Gesamtgewicht erweitert

Lowrider könnte man frei mit "Tiefgleiter" übersetzen – ein Sammelbegriff aus der US-Car-Tuningszene. Darunter fallen Serienfahrzeuge, die zu knapp über dem Boden liegenden Edelstücken umgebaut werden. Als wir jetzt die Gelegenheit bekamen, diesen Lastzug auf einer Überführung zu einer Veranstaltung in den Niederlanden zu begleiten, bot sich damit eine noch bessere Gelegenheit, sich mit diesem Exoten zu beschäftigen. Auf Truckfestivals entstehen oft neue Freundschaften. Ein gutes Beispiel ist die zwischen Arto Simola, dem Fahrer des Traumtrucks, und Gregor Ulrich, der in Arensdorf bei Köthen einen Palettenhandel und eine eigene kleine Edelflotte fein hergerichteter Nutzfahrzeuge betreibt. Und da Arto, diesmal in Begleitung seiner Freundin und Fahrerkollegin Elina, nicht mit zwei Aufliegern hintereinander durch Deutschland fahren darf, bat er Gregor, ihn im Hafen von Travemünde abzuholen und einen der beiden Silos aufzunehmen. Abends um halb zehn macht die Fähre aus Finnland fest, die Klappe öffnet sich und der Lastzug kommt mit dem Heck voran zum Vorschein. Kurze und herzliche Begrüßung, dann muss Arto den rund 26 Meter langen Lastzug rückwärts herausrangieren, nicht ganz einfach bei zwei Drehpunkten, doch es gelingt ihm mit zwei kleinen, aber gekonnten Korrekturen.

Vierte Generation des Köln-Trucks
Der Dinosaurier unter den Supertrucks

Nach einer kleinen Fotoaktion an der Kaimauer fahren wir spät noch um Hamburg herum, um dem morgendlichen Berufsverkehr zu entgehen. Die freundlichen Leute vom Hoyer Autohof Rade haben uns extra zwei Plätze freigehalten, und so erleben die finnischen Gäste die feine Stimmung in einem der besten Truckstops, die es in Deutschland gibt. Nach neun Stunden Ruhe und einem kräftigen Frühstück geht es weiter. Statt freitags über das Ruhrgebiet zu fahren, verlassen wir die A 1 bei Cloppenburg und nehmen die B 213 Richtung Zwolle. So passt es, die zweite Pause in Haselünne zu machen – ein sehr traditioneller Autohof mit zivilen Preisen. Beim Essen erzählt Arto, wie sich das Projekt Lowrider entwickelt hat. Auvinen hat schon eine ganze Reihe von Mercedes und Scania mit Lack und Chrom veredelt. Und jeder war irgendwie auch eine Weiterentwicklung. Die letzte Ausbaustufe, ebenfalls ein Actros, mit dem Motto "Highway Hero", war schon ziemlich sensationell. Doch die klugen Finnen haben ihre Zulassungsvorschriften auf 76 Tonnen Gesamtgewicht erweitert, so wurde diese prachtvolle Kombination möglich. Bei rund 24 Tonnen Leergewicht ergibt das stolze 52 Tonnen Nutzlast, 30 Räder tragen die Last. Der Mercedes 2663 bringt 625 PS und 3.000 Nm auf die beiden angetriebenen Hinterachsen.

Supetruck Auvinnen Machete Foto: Felix Jacoby
Zum perfekten Auftritt auf Shows gehört auch ein perfekt poliertes Fahrzeug.

Der Lastzug räumte unzählige Preise ab

Dank eines technisch raffinierten Turbocompounds zieht der Motor kräftig – auch aus tiefen Drehzahlen.Das Chassis wurde Ende 2016 nach Finnland verschifft, wo der Lack- und Gestaltungskünstler Perttu Paponen schon über das Konzept des Lowrider grübelte. Er ist nicht nur ein Meister darin, fotorealistisch wirkende Airbrushmotive auf das Blech zu zaubern, auch solche Bestandteile wie die altmodische Chromstoßstange oder das salonartige Innere der Kabine mit goldenen Applikationen stammen gedanklich von ihm. Acht Monate machten sich die Handwerker über den Neunachser her, bis all die ausgefallenen Ideen in 6.000 Arbeitsstunden verwirklicht waren. Weitere acht Monate tourte der Lastzug zu Truckshows und räumte unzählige Preise ab. Seit Mitte Mai arbeitet der Lowrider ganz regulär im Transport pulverförmiger Güter, überwiegend Zement, Asche und Kalk. Meist fährt Arto damit: Wenn seine Lenkzeit voll ist, springt oft Chef Mika Auvinen ein. Viele wundern sich, wie so ein Projekt funktioniert. Da spielen Sponsoren und Antrittsprämien eine Rolle. Im Wesentlichen aber ist es die Liebe der Leute um Mika Auvinen zum Thema Lastwagen, das hier einen neuen Höhepunkt gefunden hat.

Technische Daten Actros Lowrider

Truck: Mercedes 2663 6x4
Erstzulassung: 7/2017
Leistung: 460 Kw/ 625 PS
Laufleistung: 120.000 – 130.000 Kilometer
Trailer: O.ME.P.S. Battipaglia
Eigentümer: Kuljetus Auvinen
Fahrer: Arto Simola
artwork/Interieur: komplett Perttu Papunen und viele weitere Spezialisten
EdelstahlZubehör: hio max
Aufgabengebiet: Massentransport pulverförmiger Güter
Shirts und Hoodies im Lowrider-Stil: https://printmotor.com/auvinentrucking/
Bilder von allen Auvinen Supertrucks: http://www.kuljetusauvinen.fi

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 08 2018 Titel
FERNFAHRER 08 / 2018
7. Juli 2018
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