Scania S 520 PWT

Ein dänischer Belgier

Peter Wouters PWT, Thermo, Supertruck FF 5/2020. Foto: Felix Jacoby 12 Bilder

Auf Belgiens Straßen sind viele schöne Lastwagen unterwegs – so wie der prächtige Sattelschlepper des Transportunternehmers Peter Wouters aus Laakdal.

Schon als Jüngling, lange bevor er seinen Führerschein in den Händen hielt, hatte sich Peter Wouters für Lastwagen begeistert. Deswegen unternahm er sogar lange Radtouren nach Meer, zum Joost Truckstop an der belgisch-niederländischen Grenze, schon seit vielen Jahrzehnten eine wichtige Anlaufstelle für den transeuropäischen Fernverkehr. Dort bekam er staunend die wunderbarsten Maschinen zu sehen und den Klang schwerer Achtzylinder zu hören. So war es keine Frage, welchen Beruf er später wählen würde.

Berufseinstieg mit dem 143er

Sein erster Arbeitgeber mit dem Lkw-Führerschein war Van Dijck aus Morkhoven. Den hatte sich Peter deswegen ausgesucht, weil der Fuhrpark ausschließlich aus Scania-V8 bestand. Glücklich fuhr der frischgebackene Kraftfahrer mit einem 143er unzählige Touren nach Österreich. Später wechselte er zu der unter Lkw-Fans kultigen Spedition Ceusters. In deren Auftrag führten ihn die meisten Touren hoch nach Dänemark. Dieses Land hatte schon damals viele besonders lackierte und sauber mit Staukisten und Zubehör verfeinerte Lastwagen zu bieten. Im Jahr 2001 hatte sich Peter selbstständig gemacht mit einem gebrauchten Scania von Niels Nielsen aus Vognsild.

Ein Jahr später hatte ich das Vergnügen, ihn damit in Padborg zu treffen und ihn mit seinem Lastzug zu fotografieren. Schon damals spürte man Peters außerordentliche Begeisterung, mit der er seinen Beruf ausübte. Später kaufte er sogar noch einen älteren 142er-Dreiachser, noch wilder und lauter als die 3er-Generation.

Viele Jahre war er mit seinem stetig wachsenden Fuhrpark für einen Obst- und Gemüsegroßmarkt östlich von Antwerpen im Einsatz. Nachts galt es, zu laden und Supermärkte in ganz Belgien zu beliefern. Daher rührt auch die Firmenbezeichnung PWT: Peter Wouters Thermo. Statt wie in den meisten Firmen auf eine einheitliche Lackierung mit Wiedererkennungswert zu setzen, wählte er oft unterschiedliche Farbkombinationen, inspiriert vom dänischen Stil.

Mittlerweile ist das Transportunternehmen auf 36 Lkw gewachsen, zwei Drittel Scania, ein Drittel Volvo. Aber es gibt wegen der beinharten Konkurrenz im Frigosektor mittlerweile nur noch zwei Kühlzüge. Der Rest bedient unterschiedliche Aufgaben; es gibt Kranwagen und andere Spezialitäten sowie Sattelzugmaschinen, die für feste Kunden Auflieger ziehen. Aber sein besonderer Stil, früher noch von manchem Wettbewerber belächelt, hat ihm viele Bewerbungen besonders guter Chauffeure eingebracht.

Peter Wouters PWT, Thermo, Supertruck FF 5/2020. Foto: Felix Jacoby
Mario Heyvaert, Lkw-Fahrer: "Ich hatte schon einige feine Lastwagen, aber ­dieser ist wie die Erfüllung eines schönen Traums."

"Ich lebe meinen Traum."

Der heute betriebsälteste Kollege ist Mario Heyvaert. Der 48-jährige Berufskraftfahrer ist seit einem Dutzend Jahren für Peter im Einsatz. Als Junge war er viel mit seinem Vater im Lkw mitgefahren, später war er über 15 Jahre mit Thermolastern im internationalen Fernverkehr unterwegs. "Ich lebe meinen Traum!", sagt Mario, "für mich gibt es keinen besseren Job auf dieser Welt." Wer bei so vielen Lastzügen einen großen Firmenhof erwartet, sieht sich getäuscht. Die Zentrale ist noch immer ein einfaches Haus, neben das höchstens drei Lkw passen.

Das Büro steuert von Anfang an Griet van Dingeren, Peter selbst lässt es sich nicht nehmen, oft noch selbst seine Lastwagen zu fahren. So hat er den besten Blick auf seine Firma. Wo aber ist der Rest der Firmenflotte? Die Erklärung lautet: PWT sucht sich vertrauenswürdige Fahrer, und die dürfen den Lkw dann in ihren Heimatort mitnehmen, sollen sich dafür aber eigenverantwortlich um Wartung und Pflege kümmern. Mario wohnt in Ninove, westlich von Brüssel. Seit auch er aus dem Frigotransport zurückgezogen wurde, bewegt er Planenauflieger für ein großes Unternehmen in seinem Heimatort. Überwiegend transportiert er Getränke und länger haltbare Lebensmittel.

Im innerbelgischen Verkehr sind 44 Tonnen legal, da ergibt die Dreiachs-Zugmaschine Sinn. Und nach so vielen Jahren auf den Fernstraßen ist er jetzt froh, fast jede Nacht heimzukommen, zumal da noch seine sehr sympathische Partnerin Lilly wartet, die auch einen Lkw-Führerschein besitzt und im Urlaub gern mit ihm mitfährt.

Sein Scania S 520 wird von ihm ständig liebevoll gereinigt und gepflegt. Innen ist die Kabine von Special Truck Interior im niederländischen Dronten mit feinen Materialien tapeziert. Auch hier sind Bezüge zur klassischen dänischen Lastwagenverschönerung erkennbar. Lackiert wurde der Sattelschlepper von DVP Kruibeke. Das Konzept der Lackierung und ihrer feinen Linienführung hat Peter selbst entworfen. Es ehrt das frühere dänische Transportunternehmen Bjarne Nielsen aus Hjörring, das genau diese Farben verwendete. Und jetzt hat Peter sogar einen arg verschlissenen 143er aus Griechenland gekauft, auch ein Ex-Nielsen-Lkw. So verbindet er sein Geschäft mit einer feinen Art der Traditionspflege.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 05 Titel
FERNFAHRER 05 / 2020
4. April 2020
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