Scania Baureihe Interlink auf neue Plattform umgestellt

Scania Interlink Foto: Scania 9 Bilder

Der schwedische Hersteller Scania stellt seine Überlandbaureihe Interlink auf die neue Stadtbus-Plattform um und produziert nur noch eine Höhenvariante in Polen. Was auf den ersten Blick nach einer Beschneidung des bisher aus Finnland gelieferten Angebots aussieht, ist ein cleverer Schachzug der Schweden.

Der schwedische Hersteller Scania schließt sein Update auf die neue Chassisgeneration ab, die auch die weiter entwickelte Elektronikarchitektur der aktuellen Truckgeneration beinhaltet – ein wichtiger Schritt, der bei den meisten anderen Busherstellern erst noch erfolgen muss. Begonnen wurde dieser Technologie-Wechsel schon auf der letzten Busword 2019 in Brüssel, also vor mehr als zwei Jahren, mit der Vorstellung des neuen Scania Citywide Niederflurbus. Jetzt wird auch die Überland-Baureihe Interlink erneuert, ja sogar ganz ersetzt, da die Produktion der bisherigen Busse (InterLink LD, MD und HD) aus dem finnischen Lahti eingestellt wurde. Dort werden nur nunmehr nur noch Prototypen gebaut. Die Produktion des verbleibenden Interlink LD wandert derweil ins polnische Werk nach Slupsk, wo auch die Stadtbusse des Typs Citywide gebaut werden. Der Zeitpunkt ist also günstig, die beiden Busreihen zusammenzuführen, zumal der Bedarf für eine Hochbodenvariante neben der wieder ins Programm genommenen Irizar-Modelle i4 und i6 und dem chinesischen Higer Touring immer mehr zurückging. Der deutsche Vertrieb unter dem jetzt scheidenden Luc Moulin, der dem Vernehmen nach Thailand geht, hatte das Modell schon seit geraumer Zeit nicht mehr aktiv vermarktet. Die LE-Modelle auf der neuen Plattform werden unter den Namen CityWide vermarktet, wie die Stadtbusversionen.

Scania verlegt Produktion des Interlink nach Polen

Auch wenn der neue Interlink (zumindest vorerst) nur noch mit einer Bodenhöhe verfügbar ist, so wird der Wagen weiterhin fein gestückelt in Fahrzeuglängen von rund 11 bis 15 Metern angeboten, darunter auch zwei verlängerte Zweiachser – Basis hierfür ist das „flexible modulare Plattformsystem“ der Schweden, das bis zu 500 Kilogramm Lebendgewicht einspart haben soll, auch wenn jetzt konventionell mit Stahl statt mit Aluminium gebaut wird. Antriebsseitig sind zwei Dieselmotoren (7l-Motor mit 280 PS/1.200 Nm; 9l-Motor mit 280 bis 360 PS und 1.400 bis 1.700 Nm) und ein Erdgasmotor, der sowohl mit gasförmigem CNG oder Biomethan als auch flüssigem LNG betrieben werden kann (9l-Motor mit 260/340 PS und 1.350/1.600 Nm) verfügbar, alle Dieselmotoren sind dabei Biodiesel und HVO-geeignet und mit einer Stopp-Start-Automatik verknüpft. Auch die prädiktive Getriebesteuerung CCAP mit dem Freilauf „Pulse&Glide“ aus dem Reisebus ist an Bord und sorgt für hohe Effizienz.

Scania Interlink mit geringem Verbrauch

Scania spricht von einer generellen Kraftstoffeinsparung von rund acht Prozent, ohne jedoch zu spezifizieren, wie sich diese errechnen. Deutlich mehr als das sollte sich der ebenfalls erhältliche Vollhybrid einsparen können, der den 320 PS-Dieselmotor mit einem 130 kW-Elektromotor (150 kW Spitzenleistung) verbindet, der auch kurze Strecken rein elektrisch bewältigen kann. Getriebeseitig bietet Scania sowohl sein hauseigenes, automatisiertes 12-Gang-Opticruise-Getriebe, als auch eine 6-Gang-Automatik, das neue ZF Ecolife 2.

„Wir bieten viele Antriebs-Lösungen an, mit denen schon heute der CO2-Ausstoß signifikant reduziert werden kann,“ sagt Karolina Wennerblom, Head of Product Management, Scania Buses & Coaches. Denkbar wäre zukünftig auch eine rein elektrische Variante, zumal die technische Basis des CityWide ja schon eine Elektrifizierung bereithält.

Scania InterLink: Hochwertiges Cockpit und Assistenz aus dem Stadtbus

Weitere Vorteile der neuen Basis sind beim Thema Cockpit und Assistenzsysteme zu finden, wird doch das identische Cockpit aus dem Citywide verbaut, das bei ersten Fahreindrücken einen hervorragenden und beinahe schon pkw-artigen Eindruck auf uns hinterlassen haben (siehe lastauto omnibus Heft 6/2021): Perfekte Ergonomie und Funktionalität, hohe Fertigungsqualität, optional digitale Instrumente und eine elektrohydraulische Feststellbremse, die in immer mehr Bussen jetzt Einzug hält. Mit dieser ansprechenden Hardware geht auch eine Phalanx von modernen Sicherheitsassistenten zur Verfügung, inklusive des Abbiegeassistenten mit Radarsensoren auf beiden Seiten. Auch im Überlandverkehr sind diese Sensoren hilfreich, wird doch der gesamte Bereich seitlich des Busses überwacht. Der Spurrückholassistent (LRA) jedoch, der bei Konzernschwester MAN zumindest im Reisebusbereich zeitnah Einzug hält, ist nach Auskunft in Södertälje erstmal nicht verfügbar. Ein weiteres Assistenzsystem ist Scania Zone, bei dem hier nicht etwa emissionsfreie Zonen überwacht werden, sondern solche mit Tempolimits – ähnlich wie das Volvo auch schon praktiziert.

Scania Flexible Maintanance

Neu ist ebenfalls die prädiktive Wartung mittels Telematik namens “Scania Flexible Maintenance“. Für bessere Life Cycle Kosten und Servicekosten sind die wesentlichen Aggregate gut geschützt, leicht wechselbare Anfahrkufen integriert und Bi-LED-Leuchten rundum verbaut (optional auch noch Bi-Halogen). Erstmals werden für einen Überlandbus ausschließlich elektrische Schiebetüren angeboten. Das helle Interieur, dessen Sitze nicht zu 100 Prozent plan über den Radkästen montiert sind, bietet erstmals optional Gepäckablagen aus Sicherheitsglas, auf denen man schwerlich etwas vergessen kann. Neue Materialien sollen zudem die Geräuschkulisse minimieren. Scania rechnet sich mit dem neuen Konzept mehr Kundenzuspruch aus. „Der neue Interlink richtet sich vor allem an Betreiber mit hohen Ansprüchen. Dass er dazu auch noch eine nachhaltige Lösung ist, lässt die positive Erfahrung nur noch größer werden,“ zieht Produktmanagerin Wennerblom ein vorläufiges Fazit der vorerst abgeschlossenen Baureihenumstellung im Busbereich.

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