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Rewe investiert Milliarde in Logistik

Zoff um geplanten Standort Wölfersheim

Rewe Logistik Foto: Rewe Group

Rewe will sieben Logistikzentren bauen. Im südhessischen Wölfersheim gestaltet sich das schwierig. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) klagt dagegen.

02.03.2018 Carsten Nallinger

Der Handelskonzern Rewe will offenbar rund eine Milliarde Euro in die Logistik investieren. "Wir wollen sieben neue Logistikzentren in Deutschland bauen – in jeder Rewe-Region eins", zitiert das Nachrichtenportal RP Online den Rewe-Logistik-Chef Matthias Bähr. Im Zuge des geplanten Wachstums sollen bis zu 2.500 neue Arbeitsplätze entstehen. Bislang zählt die Rewe Markt Logistik rund 10.000 Mitarbeiter an 19 Standorten.

Eines der neuen Logistikzentren soll im südhessischen Wölfersheim entstehen. Ein Lebensmitteldistributionszentrum mit einer Lagerfläche von rund 100.000 Quadratmetern, das für alle Sortimentsbereiche geeignet ist. Läuft alles nach Plan, sollen 550 Arbeits- und 20 Ausbildungsplätze entstehen. Zudem soll die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten, lokalen Erzeugern Landwirten weiter ausgebaut werden. Die bisherigen Lagerstandorte in Rosbach und Hungen sind an ihre Kapazitäts- und Produktivitätsgrenzen gekommen. Eine Erweiterung ist dort jeweils nicht möglich.

Das nun dafür vorgesehene Baugebiet liegt verkehrsgünstig an der A45 an der Anschlussstelle Wölfersheim sowie in der Nähe der beiden Bundesstraßen B455/B489. "Der Standort eignet sich demnach optimal für regionale Distributionslogistik", heißt es dazu seitens Brigitte Lindscheid, Regierungspräsidentin des Bezirks Darmstadt. Mit Ihrer Einschätzung liegt die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen allerdings nur bedingt auf demselben Kurs wie ihre Parteikollegen.

Die Grünen: Alternativstandort wurde nicht ausreichend geprüft

Michael Rückel, einer der beiden Fraktionsvorsitzenden im Wetterauer Kreistag sowie Fraktionsvorsitzender der Grünen in Wölfersheim lehnt nämlich im Namen seiner Fraktion das Bauvorhaben von Rewe komplett ab. "Die Erfordernis zum Bau des Logistikzentrums allgemein und speziell an dieser Stelle wurde nicht ausreichend dargelegt", erklärt er. Zudem seien Alternativstandorte nicht ausreichend geprüft sowie die Zielabweichung von der Regionalplanung planungsrechtlich nicht begründet worden. Denn im ursprünglichen Flächennutzungsplan war das Gebiet für die Landwirtschaft vorgesehen. Aufgrund des Bauvorhabens von Rewe wandelte die Gemeinde die Fläche kurzerhand in ein Vorranggebiet für Industrie und Gewerbe um.

Aktionsbündnis finanziert Klage des BUND

Die Fraktion der Grünen in Wölfersheim wiederum ist Teil des Aktionsbündnisses Bodenschutz in der Wetterau, einem Zusammenschluss von Kirchen, Umwelt- und Landwirtschaftsverbänden. Dazu zählt wiederum auch der Landesverband Hessen des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der wiederum hat vor dem Verwaltungsgericht Gießen Klage gegen ein Bauvorhaben von Rewe eingereicht – mit finanzieller Unterstützung durch das genannte Aktionsbündnis.

IHK Gießen-Friedberg bergrüßt das Rewe-Bauvorhaben

Schützenhilfe für das Bauprojekt in Wölfersheim gibt’s hingegen von der IHK Gießen-Friedberg: "Dem Unternehmen Rewe Group wird damit die Möglichkeit geboten, sich innerhalb der Region zu entwickeln", erläutert Dr. Frank Wendzinski, Leiter des Geschäftsbereiches Standortpolitik. Darüber hinaus seien für die bereits ansässigen Firmen sowie auch für zusätzliche Interessenten weitere Flächen bereitgestellt worden. Es sei in einem wachsenden Wirtschaftsraum zunehmend wichtiger, ein nachhaltiges Gewerbeflächenkonzept zu entwickeln, das die zukünftigen Bedürfnisse der Wirtschaft gebührend berücksichtigt und zur Attraktivität der Wirtschaftsregion beitrage, heißt es seitens der IHK.

Stein des Anstoßes dürfte neben der Bebauung auch der zu erwartende zusätzliche Verkehr sein: Rewe selbst gibt die Zahl der Gesamtfahrten mit 2.756 Fahrzeugen pro Tag an (jeweils 1.378 Ein- und Ausfahrten). Davon entfallen 1.188 Fahrten auf den Lkw-Verkehr, so das Handelsunternehmen.

Rewe sieht der Klage gelassen entgegen

Ob die Klage vor dem Verwaltungsgericht bestand hat, bleibt abzuwarten. Formal richtet sich diese gegen die bereits erwähnte vom Regierungspräsidium Darmstadt genehmigte Zielabweichung vom bisherigen Flächennutzungsplan. Die Gemeinde wiederum treibt die Planänderung voran. Bei Rewe scheinen es die Verantwortlichen gelassen zu nehmen. So sucht das Unternehmen unter anderem bereits einen Abteilungsleiter Produktion für den künftigen Standort in Wölfersheim. Wie geschmeidig die übrigen Logistik-Bauvorhaben von Rewe über die Bühne gehen, wird wiederum  die Zukunft zeigen.

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