Profi Jan Lindemann

Fernfahrer aus Leidenschaft

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Seit seiner Ausbildung zum Berufskraftfahrer lebt Jan Lindemann aus Bremerhaven seinen Traum. Er ist auf sich allein gestellt, kann jederzeit eigene Entscheidungen treffen und ist immer wieder an neuen Orten. Die größte Freude bereitet ihm allerdings der Scania R 450, den er auf Wunsch bekommen hat.

Für die These, dass viele Fahrer mit dem ihnen zur Verfügung gestellten Lkw mehr Freude bei der Arbeit haben, wenn sie ihn individuell gestalten können, gibt es einen neuen Zeugen. Er heißt Jan Lindemann, wohnt in Bremerhaven und ist überzeugt: "Wenn du einmal so einen Lkw wie meinen Scania gefahren hast, den du dir selber herrichten konntest, dann willst du keinen Standard-Lkw mehr mit grauer Stoßstange."

Erst Kfz-Mechatroniker, dann Berufskraftfahrer

Jans Vater war, wie es so oft bei motivierten Nachwuchskräften im Transportgewerbe der Fall ist, selbst Lkw-Fahrer. Der positive Einfluss war von Beginn an gegeben. Doch Jan entschied sich zunächst für eine dreijährige Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, Schwerpunkt Lkw, bei DAF in Bremerhaven. Danach absolvierte er noch eine verkürzte zweijährige Ausbildung zum Berufskraftfahrer bei der Kühlspedition Brüssel & Maass, die sich mit rund 40 eigenen Zügen unter anderem auf die Distribution von Fisch aus Bremerhaven spezialisiert hat und Rückladungen für die mittlerweile boomende Wirtschaft der Hafen- und Tourismusstadt an der Weser mitbringt.

Die entsprechenden Abschlussprüfungen sind Jan mit seiner Leidenschaft für Lkw und Technik ziemlich leicht gefallen. "Nach der Ausbildung bin ich allerdings zu einem kleinen Unternehmer gewechselt, weil ich unbedingt einen Scania fahren wollte", erzählt Jan. "Wir hatten damals ausschließlich Lkw von DAF und MAN." Doch schnell stellte sich heraus, dass Jan dort viel zu viel fahren musste.

Und so vereinbarte er mit seinem alten Chef, dass er für einen "eigenen" Scania wieder zum Ausbildungsbetrieb zurückkommen würde. "Ein Jahr bin ich dann mit einem Kollegen auf einem älteren MAN TGX Linie Frankreich gefahren", so Jan. Im Oktober 2017 erinnerte Jan seinen Chef an die Abmachung, und der bestellte in der Tat zwei neue Scania der S-Reihe. "Ich wollte aber unbedingt noch die alte R-Reihe fahren", so Jan, "und über Scania Koblenz haben wir tatsächlich doch noch den weißen R 450 Streamline Topline für mich gefunden. Den habe ich dann nach und nach auf eigene Kosten nach meiner eigenen Vorstellung optisch aufgewertet."

Bis zum Beginn der Coronakrise war Jan überwiegend für einen Produzenten von frischem Fisch aus Bremerhaven auf Tour, dessen eigene deutsche Niederlassungen vor allem die Restaurants beliefert haben. Sein ebenso weißer Kühlauflieger von Schmitz Cargobull hat eigens dazu eine verschiebbare Trennwand. Das Aggregat von Thermo King treibt zwei Verdampfer an. "In der Regel fahre ich im vorderen Teil mit minus 23 Grad und im hinteren Teil mit null Grad. Dazu habe ich eine Seitentür im Tiefkühlbereich, sodass ich dieselben Kunden mit tiefgekühlter und gekühlter Ware beliefern kann, ohne umzuladen. Auch eine Ladebordwand von Bär ist am Heck verbaut."

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Die Abwechslung macht's

Als Lkw-Fahrer immer wieder an neuen Orten

"Ein zweiter Schwerpunkt war bislang die Belieferung von Übersee- und Binnenkreuzfahrtschiffen mit Proviant eines darauf spezialisierten norddeutschen Kunden. "Einmal war ich sogar mit einer Ladung in Venedig", berichtet Jan. "Das ist für mich die schöne Seite meines Berufs. Ich bin unterwegs immer auf mich alleine gestellt, muss eigene Entscheidungen treffen und bin immer wieder an neuen Orten." Mit Beginn der Coronakrise änderten sich auch Jans Touren. "Da die Restaurants schließen mussten, hat unser größter Kunde seine Produktion von frischem Fisch ziemlich runtergefahren.

Doch zum Glück gibt es in Bremerhaven auch einen großen Hersteller von Tiefkühlkost, für den wir dann die Lager des Einzelhandels angefahren haben. Für mich war es schon interessant zu sehen, wie sich plötzlich komplette Lieferketten verschoben haben, weil auf einmal mehr Menschen im Homeoffice gearbeitet haben und viele Leute, statt abends in Restaurants essen zu gehen, daheim kochen mussten."

Mittlerweile öffnen durch die Lockerungen der einzelnen Bundesländer aber auch wieder die ersten Restaurants und bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe war Jan davon überzeugt, bald wieder seine alten Touren fahren zu können. "Da ich in der Regel der einzige Lkw bin, der die Niederlassungen beliefert, kenne ich so gut wie keine Wartezeiten und kann die Tourenpläne gut einhalten." An den Abladestellen sieht er gern, wenn andere Fahrer seinem Lastzug bewundernde Blicke gönnen.

Auch wenn es in den sozialen Medien oft anders klingt. "Diese Diskrepanz ist normal für mich. Ich kann dazu nur sagen, dass ich mich auf jeden Tag freue, an dem ich mit diesem Lkw unterwegs bin." Kommt er nach Bremerhaven zurück, dann freut er sich auf seine Freundin, mit der er seit neun Jahren zusammen ist. "Sie kennt mich nicht anders. Also alles ist gut."

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 07 2020 Titel Meldung
FERNFAHRER 07 / 2020
6. Juni 2020
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