Paul Nutzfahrzeuge Mehr als ein H2-Lkw

Foto: Knut Zimmer

Wasserstoff: Auf der Clean Truck Conference PIN21 hat Paul Nutzfahrzeuge den PH2P vorgestellt. Der H2-Lkw ist Teil eines Gesamtkonzepts inklusive bedarfsgerechter Tankinfrastruktur.

Die Mobilitätswende findet statt, batterieelektrisch oder wasserstoffelektrisch. Hier setzt Paul Nutzfahrzeuge an, um im Rahmen der Clean Trucking Conference PIN 21 am Produktionsstandort in Vilshofen den PH2P vorzustellen – den ersten serienreifen Wasserstoff-Lkw in der Klasse von 12 bis 24 Tonnen.

Paul Nutzfahrzeuge: PH2P - Wasserstoff-Lkw auf Basis des MB Atego

Foto: Knut Zimmer
Auch Rücken können entzücken: Der PH2P von Paul Nutzfahrzeuge auf Basis des Mercedes Atego schultert hinter der Kabine sechs H2-Tanks mit jeweils fünf Kilogramm Wasserstoff.

Der PH2P ist ein Umbau des Mercedes-Benz Atego 1523 L mit der Achskonfigutation 4x2 und einem Radstand von 5.360 Millimetern. Dieser beherbergt hinter der Fahrerkabine sechs Wasserstofftanks mit einem Fassungsvermögen von jeweils fünf Kilogramm Wasserstoff. Diese werden zugeliefert vom südkoreanischen Unternehmen Hanwha. Diese sind auf einen Druck von 350 bar ausgelegt und speisen eine 80 kW-Brennstoffzelle aus dem Hause Toyota. Die Toyota-Zelle produziert damit den Strom für die zweimal 60 kWh starke Batterie des polnischen Batterieherstellers Impact. Über sie gewinnt der PH2P die Energie für den 120 kW starken einstufigen Zentralmotor von Voith, der den PH2P bei einem Dauerdrehmoment von 2.800 Nm auf eine Endgeschwindigkeit von 85 km/h beschleunigt. Ohne Anhänger und Aufbau bringt der PH2P rund sieben Tonnen Gewicht auf die Straße. Beladen soll der Wasserstoffler aber bis zu 16 Tonnen wiegen können, mit entsprechendem Anhänger sogar 24 Tonnen. Mit diesen Auflastungen soll der Verteiler-Lkw im Solo-Betrieb zwischen 450 bis 500 Kilometer weit kommen. Mit Anhänger sollen Distanzen von bis zu 350 Kilometern drin sein.

Foto: Christoph Oetzmann
Politiker an Bord: Der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) auf Probefahrt im Wasserstoff-Lkw von Paul Nutzfahrzeuge.

Neben dem klassischen Pritschenaufbau und einer Pritschenvariante mit Schiebeplanenaufbau planen die Tüftler aus Vilshofen drei Varianten mit Kofferaufbau. Konkret: einen Kofferaufbau mit Hebebühne, einen Getränkekoffer und einen Kühlkoffer. Für leichte Baustellenaufgaben soll der PH2P einen Kippaufbau bekommen. Und eine Gliederzugversion mit einem Gesamtgewicht bis 24 Tonnen darf hier natürlich nicht fehlen.

Paul Nutzfahrzeuge PH2P - serienreifer H2-Lkw

Foto: Knut Zimmer
Bei der Präsentation des PH2P ließ es sich Josef Paul nicht nehmen, das Fahrzeug selbst in die Halle zu fahren.

Der PH2P ist jedoch mehr als nur ein serienreifer Wasserstoff-Lkw. Er ist Teil eines ganzheitlichen Mobilitätskonzepts des sogenannten Next Mobility Accelerator Consortiums (NMAC). Dieser strategischen Mobilitätsallianz gehört zum einen die Paul Group an. Sie liefert nicht nur das Fahrzeug, sondern auch einen umfassenden Aftersales-Service inklusive Wartung und Reparatur sowie Sicherheitsschulungen für Fahrer und Servicekräfte.

Zweiter im Bunde ist der Energieerzeuger und Experte für Wasserstoff-Logistik, Maier Korduletsch (MK). Dieser wird auch den ersten PH2P übernehmen, mit dem das Unternehmen nach eigenem Bekunden Schmierstoffe an Industrie und Werkstätten ausliefern will. MK wird auch verantwortlich sein für den Bau der ersten H2-Tankstelle auf dem Gelände der Paul Group in Passau-Sperrwies. Die Eröffnung ist für Januar 2023 vorgesehen. Zudem plant MK bis 2026 den Bau eines 22.000 Quadratmeter großen Mobility Hubs am Anschluss A3/A 94, mit einer Kapazität von bis zu 5.000 Kilogramm Wasserstoff pro Tag sowie mehr als 30 E-Schnellladeplätzen.

Shell ordert 25 PH2P

Foto: Knut Zimmer
Bei der Präsentation des PH2P ließ es sich Josef Paul nicht nehmen, das Fahrzeug selbst in die Halle zu fahren.

Ebenfalls im NMAC vertreten ist Shell. Der Ölkonzern hat nach eigenen Angaben bereits 25 PH2P gekauft und wird diese ab Herbst 2022 über eine neue Mobilitätplattform anbieten, über die H2-Lkw angemietet werden können – inklusive Leistungen wie Wasserstoffbezug, Versicherung, Wartung, Service sowie Schulung der Fahrer und Fuhrparkleiter. Shell plant über sein Engagement innerhalb des Konsortiums hinaus bis 2025 bis zu 2.500 Brennstoffzellen-Lkw unterschiedlicher Fahrzeugklassen über die geplante Mobilitätsplattform anzubieten. Zeitgleich will Shell entlang pan-europäischer Korridore eine Infrastruktur von bis zu 50 H2-Tankstellen errichten.

Serienproduktion des Bax gestartet

Foto: Knut Zimmer
Sobald der elektrische Antriebsstrang inklusive E-Achse eTransport von BPW Bergische Achsen und BMW-Akku umgerüstet ist, ist der Bax bereit für seinen Aufbau.

Paul Nutzfahrzeuge führt einen eigenen Bereich „Next Mobility“. Dort hat das Unternehmen bereits seit mehr als zehn Jahren Erfahrung mit E-Antrieben: Die erste Zusammenarbeit startete im Projekt eHighway mit Siemens. Weiterhin wurden mehr als 50 Retrofit-Fahrzeuge auf Basis des Mercedes Vario mit Integration der elektrischen Antriebsachse eTransport des Kooperationspartners BPW, Bergische Achsen aus Wiehl, realisiert. Ebenfalls mit BPW Bergische Achsen hat Paul den BAX entwickelt.

Foto: Knut Zimmer
Auf dem Betriebsgelände in Vilshofen warten die Fahrgestelle von Isuzu bereits auf ihren Umbau.

Der elektrische 7,5-Tonner mit 3,5 Tonnen Nutzlast und 200 Kilometer Reichweite ist seit September 2021 erfolgreich im Einsatz. Als Basisfahrzeug für den Bax dient das Fahrgestell der N-Serie des japanischen Fahrzeugherstellers Isuzu. Der Serienumbau des Fahrzeugs hin zum Bax ist laut Paul Nutzfahrzeuge bereits angelaufen. Hier ist ein jährlicher Output von mehreren hundert Fahrzeugen geplant.

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