Mercedes Vito und eVito 2020

Transporter-Facelift im Fahrbericht

Mercedes Vito / eVito 2020 Foto: Daimler 17 Bilder

Mit dem neuen OM 654-Dieselmotor stellt Mercedes den Vito stärker und sparsamer auf. Dazu erhält der Tourer einen Elektro-Ableger mit brauchbarer Reichweite auch für ausgedehnte Shuttlefahrten. Erste Fahrt.

Die Palette an konventionellen Antrieben hält in modernen Transportern für jeden Einsatzzweck das passende Aggregat bereit. Da gibt es schwächere Dieselmotoren für die einfacheren Szenarien und stärkere Selbstzünder, wenn das Terrain oder die Ladung mehr Leistung erfordern sollten. Und für Kunden, die hauptsächlich auf Kurzstrecken verkehren, ist für viele Modelle auch ein Benziner zu haben. In Sachen Elektroantrieb aber muss – wenn der Markt überhaupt bedient wird – eine Variante nicht selten allen Ansprüchen genügen.

eVito in zwei Varianten

Mit dem neuen Update zum Vito macht Mercedes damit Schluss: So bleibt der schon bekannte eVito Kastenwagen mit 85 kW und einer Reichweite von rund 150 Kilometern im Programm, wird nun aber flankiert von einem eVito Tourer, der komplett andere Daten auffährt. Der Hintergrund: Während KEP-Unternehmer auf maximale Nutzlast setzen und sie auf ihren festen Routen täglich nur wenige Kilometer zurücklegen, benötigen Taxiunternehmer oder Ride-Sharing-Anbieter für ihre Großraumlimousinen eine höhere Reichweite und ein Mehr an Leistung. Sie also sind mit dem eVito Tourer besser bedient. Für diesen nämlich verspricht Mercedes dank einer nutzbaren Batteriekapazität von 90 kWh eine Reichweite von 421 Kilometern. Der elektrische Antriebsstrang (eATS), der seine Leistung an die Vorderachse überträgt, bringt es zudem auf 150 kW.

Und damit geht es ausgesprochen flott voran: Wer Vollgas gibt, stürmt im neuen eVito Tourer nur so von der Ampel weg. Gerade in Zwischenspurts bis weit über 100 km/h beeindruckt der Elektromotor mit seinem Elan. Um nicht nur in der Stadt, sondern auch auf der Autobahn vorn mitspielen zu können, regelt die Elektronik erst bei 140 Sachen ab – optional sind gar 160 Stundenkilometer drin. Eine flotte Fahrweise aber macht sich natürlich auch auf der Reichweitenanzeige im Kombi-Instrument bemerkbar, die verbleibenden Kilometer schwinden.

Automatische Rekuperation, individuelle Fahrprogramme

Wie gut, dass auch entspanntere Fahrten Freude machen im leise dahingleitenden Elektro-Tourer. Sich mit den vielen Features auseinanderzusetzen, die den im Unterboden versteckten Lithium-Ionen-Akku schonen, braucht zuerst allerdings etwas Zeit. So kann man mit den am Lenkrad angebrachten Schaltpaddels beispielsweise die Stärke der Bremsenergie-Rückgewinnung in vier Stufen einstellen. Vom widerstandslosen Segeln bis zur kräftigen Verzögerung, sobald man nur den Fuß vom Gaspedal lupft, ist alles möglich. Dazu gesellen sich drei Fahrprogramme – im Standard-Modus E laufen Komfort-Features wie die Klimaanlage auf voller Kraft, die Gaspedalkennlinie ist allerdings konservativ abgestimmt. In E+ sind sämtliche Verbraucher auf maximale Effizienz getrimmt, in C wiederum alles auf Bequemlichkeit ausgelegt – ohne Rücksicht auf den Energiehunger der Systeme.

All das muss man als Fahrer aber gar nicht unbedingt auf dem Schirm haben. Sobald der Schlüssel steckt und man den aus den Verbrennermodellen bekannten Automatikwählhebel nämlich auf „Drive" stellt, kann man auch einfach etwas länger am rechten Schaltpaddel ziehen – und schon ist die neue Auto-Rekuperationsstufe aktiviert, die auf die Daten der Radarsensoren zurückgreift, um die Stärke der Bremsenergie-Rückgewinnung selbstständig zu regeln. Damit ist man gerade im Stadtverkehr wegen der vielen für die Elektronik erkennbaren Hindernisse in Form anderer Verkehrsteilnehmer effizient unterwegs. Auf Landstraßen aber empfiehlt sich doch der manuelle Eingriff, da der eVito Tourer vor Kurven oder Ortseinfahrten nicht automatisch stärker rekuperiert. So ist das E-Auto-typische Fahren nur mit dem Gaspedal hier nicht möglich.

Flexibel aufgestellt - im Innenraum und beim Nachladen

Dafür unterscheidet den eVito Tourer aber auch in anderen Kapiteln nichts von den konventionell angetriebenen Modellbrüdern: Der Innenraum ist trotz der Batterie ohne Einschränkungen nutzbar und mit vielen verschiedenen Konfigurationen mit bis zu neun Sitzen zu haben. Außerdem stehen auch für den eVito zwei unterschiedliche Längen zur Verfügung.

Was das Nachladen der Batterie angeht, können Kunden auf gleich zwei Geräte zurückgreifen. Mit dem Wechselstrom-On-Board-Lader mit maximal 11 kW kann der eVito zu Hause oder an öffentlichen Ladestationen Strom fassen und ist damit in maximal zehn Stunden wieder bei 100 Prozent. Soll es schneller gehen, wird per Gleichstrom mit bis zu 110 kW gezapft – dann wächst der Ladestand der Batterie innerhalb von rund 45 Minuten von zehn bis 80 Prozent an.

Bei der Wahl der richtigen Ladestrategie will Mercedes Interessenten mit einer Analyse und Beratung zur Seite stehen, außerdem ist neben einer Wallbox über Partner des Daimler-Konzerns auch ein umfangreiches Ladeinfrastrukturangebot zu haben, das sich individuell auf die Bedürfnisse des Kunden anpassen lässt.

Neuer OM 654-Diesel in vier Leistungsstufen

In diesem Kapitel deutlich einfacher haben es da Interessenten der Diesel-Vito. Doch auch sie dürfen sich über bessere Daten freuen: Mit der OM 654-Motorenfamilie halten nun nämlich auch im Transporter neue Zweiliter-Triebwerke Einzug. Die Aggregate, die beispielsweise auch in der Mercedes E-Klasse zum Einsatz kommen, waren bis dato nur für den Tourer verfügbar und machen den Vito stärker und sparsamer. Als 114 CDI bringt es der Vierzylinder auf 136 PS und 330 Nm, im 116 CDI stehen 163 PS und 380 Nm an, der 119 CDI leistet 190 PS und 440 Nm. Über ihm rangiert nur noch der 124 CDI, der dem Vito Tourer und Vito Mixto mit Pkw-Zulassung vorbehalten bleibt. Der Spitzendiesel spurtet dank 239 PS und satten 500 Nm, in voller Beschleunigung mittels Overtorque sogar 530 Nm, in 7,9 Sekunden auf 100 km/h. Seine Höchstgeschwindigkeit ist erst bei 210 Stundenkilometern erreicht.

Doch auch abseits solcher Exzesse überzeugt der Selbstzünder. In der von uns gefahrenen 163-PS-Variante bewegt er den beladenen Vito Kastenwagen mühelos durch die Stadt und weiß auch auf Bundesstraßen mit seiner dann angenehm niedrigen Geräuschkulisse zu überzeugen. Die Neungang-Wandlerautomatik, die jetzt für alle Vito mit Hinterradantrieb verfügbar ist und die 7G-Tronic ersetzt, schaltet derweil sanft und immer zum passenden Zeitpunkt durch die Übersetzungsstufen. Im Comfort-Modus reagiert sie auf plötzlichen Gasbefehl meist mit der Wahl eines kleineren Gangs, im Sport-Modus geht sie ohne Gedenksekunde in die Vollen.

Reduzierter Verbrauch, optimierter Fahrkomfort

Die neue Antriebskombination mit dem OM 654 ist in erster Linie allerdings zur Steigerung der Effizienz gedacht. Der neue Diesel ist dank einer ausgeklügelten Abgasnachbehandlung mit Adblue-Einspritzung entsprechend auch sauberer als der bisherige OM 651. So soll der neue Vito 119 CDI beispielsweise rund 13 Prozent weniger verbrauchen als das Vorgängermodell, ein tatsächlich respektabler Wert.

Neu ist für den Vito mit Pkw-Zulassung außerdem die Luftfederung Airmatic, die ab November erhältlich sein wird und das Fahrverhalten an die jeweilige Situation für jedes Rad individuell anpassen soll. Mittels eines Schalters in der Mittelkonsole kann der Fahrer zudem drei Programme auswählen: mit Lift wird der Transporter um bis zu 35 Millimeter angehoben, in der Sport-Einstellung duckt er sich um zehn Millimeter. In Comfort bleibt es bei der Standardhöhe.

Neue Assistenten, neue Features im Cockpit

Zu einer höheren Sicherheit trägt zudem der aktive Bremsassistent mit optischer und akustischer Warnung und im Notfall mit aktiver Bremsung bei. Er erkennt stehende Hindernisse ebenso wie querende Fußgänger. Die Distronic, ein aktiver Abstandsassistent, hält automatisch den Abstand zum Vordermann und der digitale Innenspiegel wiederum sorgt ab Frühjahr 2021 für Durchblick. Ärgerlich ist nur, dass dieser Modellen mit Heckscheibe vorbehalten bleibt, durch die seine Kamera schaut. Die hochauflösende Darstellung hilft also nur, wenn die Ladung oder die Beifahrer den Blick nach hinten versperren. Wenn der Vito dagegen erst gar nicht mit Heckverglasung geordert wird, ist auch der digitale Innenspiegel nicht erhältlich.

Abgerundet wird die Modellpflege schließlich mit einigen Details im Innenraum und der Außenansicht. So halten ein neuer Stoff und neue Lüftungsdüsen Einzug in den Mercedes. In der Mittelkonsole ist zudem ein Radio mit digitalem Empfang (DAB+), USB-Schnittstelle und Bluetooth-Freisprecheinrichtung Serie, das optional von Klavierlack umgeben ist. Höherwertige Varianten verfügen über einen Sieben-Zoll-Touchscreen, Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto und im besten Fall eine Navigation mit Live-Traffic-Informationen. Außen wiederum rückt ein leicht modifizierter Kühlergrill in den Blick. Understatement pur also angesichts so vieler neuer technischer Highlights.

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