MAN TGS 18.640 H.D.T.V.

Blauer Löwe punktet auf eigene Art

Supertruck FERNFAHRER HDTV MAN Foto: Felix Jacoby 11 Bilder

Nicht jeder Supertruck muss gleich spektakulär sein. Auch die klassisch-dezente Verschönerung verströmt besonderen Reiz.

Gerade jetzt machen die Freunde besonders schön gemachter Lastwagen schwere Zeiten durch. Eine Allianz von Politikern und Beamtenschaft ist aus unerfindlichen Gründen auf die Idee gekommen, dass Lastwagen mehr oder weniger alle gleich aussehen müssen. Seitdem richten sie ihren Eifer und ihre Bestrafungsmethoden auf die Fahrzeuge von Fuhrleuten, für die dieses Gewerbe noch etwas Freudiges ist und die ihren Fuhrwerken gern einen eigenen, markanten Stil verleihen. Ganz Deutschland, das ja eigentlich mit vielen anderen, vermeintlich wichtigeren Problemen beschäftigt ist, hat sich diesem Unsinn ergeben? Nein, ein kleiner Ort nördlich vom niedersächsischen Oldenburg, genauer gesagt Rastede, beherbergt eine Firma, die sich ihren Stil und ihre Identität nicht nehmen lassen möchte. H.D.T.V. Logistik betreibt von dort 70 ziehende Einheiten, dazu eine Flotte unterschiedlichster Auflieger, darunter auch Spezialitäten wie voluminöse Innenlader oder flache Tiefbetten mit Plane. Swen Kück, Firmenchef und ehemaliger Kraftfahrer, der das Unternehmen 1996 mit seiner Frau Martina gegründet hat, sieht Lastwagen nicht nur als Betriebsmittel. Für ihn dürfen seine Maschinen zur Freude aller Beteiligten auch ihren besonderen Charakter haben. "Ich wollte das schon immer selber haben, dass meine Lastwagen Stil zeigen, und ich will genau das auch meinen Fahrern geben!", begründet er das Prinzip, dass für jedes Fahrzeug seiner Flotte ein Extrageldbetrag zur Verschönerung einkalkuliert wird.

Immer mehr Stammkunden fragen gediegene Lastzüge nach

Auch beim blauen MAN stand zunächst die Idee eines besonderen Sattelschleppers im Fokus. Statt das größte Fahrerhaus mit einer Riesenfrontscheibe zu bestellen, wählte Kück die kleinere Variante. Dafür aber hat der Dreiachser ein feines Fahrgestell auf Alcoa-Durabrite-Felgen und den bulligen Motor D38 mit 640 Pferden. Besonders bei der Gestaltung der Dachfront hat Swen Kück exakte Vorstellungen, wie Leuchtkasten, Fernscheinwerfer und Rundumleuchten im H.D.T.V.-Stil auszusehen haben. Diese Teile baut die hauseigene Werkstatt an. Nach der Auslieferung ging der MAN zum niederländischen Lkw-Händler Vaex in Reek, der eine Abteilung für Fahrzeugverschönerung betreibt. Dort bekam der Dreiachser eine feine Inneneinrichtung mit wohnlichen Lederelementen und eine Rahmenverkleidung aus Riffelblech sowie eine schmucke Traverse zur Aufnahme von Kabeln und Schläuchen. Als der zuständige MAN-Händler in Oldenburg das Ergebnis sah, entschloss er sich spontan, die Gestaltung eines passenden Aufliegers zu unterstützen – nicht ganz uneigennützig, nämlich mit MAN-Werbemotiven. Fahrer Robert Breier, gebürtiger Harzer, war früher Zeitsoldat bei einem Transportbataillon in Delmenhorst. Dort wurde er auf seinen heutigen Arbeitgeber aufmerksam. Jetzt ist er mit seinem Lastzug im innerdeutschen Fernverkehr für verschiedene Kunden unterwegs, mal mit Milch, mal mit Glas, mal mit Möbeln. Robert wird es nicht langweilig. Als Würze gibt es bei H.D.T.V. zwischendurch auch mal Auslandstouren. "Vorher war ich reiner Scania-Fan", erzählt der 30-Jährige, "aber dieser MAN bereitet mir sehr große Freude!" Besonders lobt er den starken Motor, der seine Kraft dank des modernen 14-Gang-Getriebes effektiv auf die Straße bringt, sowie die für ihn äußerst wohnliche Kabine. Und wie viele Fahrer mit besonderen Lastwagen weiß er von der Freude an der Arbeit zu berichten, die man durch einen außergewöhnlichen Laster hat – viel mehr als mit einem langweiligen Standardfahrzeug.

Supertruck MAN TGX 18.640
Loblied auf ein Ruhrgebiet-Original

Selbst seine Freundin kann sich für Roberts Maschine begeistern und fährt gern einmal mit. Dass solchen motivierten Mitarbeitern der Spaß an ihrer Tätigkeit verdorben werden soll, ärgert Swen Kück massiv. Für ihn sind die schönen Lastwagen nämlich nicht nur zur eigenen Freude da, obwohl er jeden davon zu Anfang ein paar Tage selbst fährt, um ein Gefühl für das jeweilige Fahrzeug zu bekommen. "Natürlich soll ein Lkw nicht wie ein Weihnachtsbaum aussehen. Wir haben schon bei Supertrucks, die wir gebraucht gekauft haben, ein Zuviel an Leuchten abgebaut. Und auch, dass sich Polizei und Feuerwehr über hell scheinende Lampen in Blau ärgern, ist vollkommen zu akzeptieren. Aber dass deswegen jetzt jedes kleine Lämpchen verboten werden soll, verdirbt uns die gute Laune", sagt er. Zudem geht es bei ihm nicht mehr nur darum, dass er sich dank seiner Flotte eine einzigartig motivierte Belegschaft aufgebaut hat, die in der Firmenwerbung liebevoll mit dem Begriff "Horde" bezeichnet wird. Sogar immer mehr seiner mittelständischen Stammkunden fragen gediegene Lastzüge nach. Swen Kück wehrt sich mit seinem Sohn Jan-Ole gegen den behördlichen Stress. Er tut sich mit anderen Unternehmern zusammen, konsultiert Fachanwälte und will für seinen eigenen Logistikstil entschlossen weiterkämpfen.

Supertruck FERNFAHRER HDTV MAN Foto: Felix Jacoby
Technische Daten MAN à la H.D.T.V.

Technische Daten

Truck: MAN TGS 18.640 6x2
Erstzulassung: 5/2018
Leistung: 640 PS
Laufleistung: 140.000 KM (mit zwei fahrern)
Trailer: Schmitz Cargobull
Eigentümer: H.D.T.V. Logistik Rastede
Fahrer: Robert Breier
Exterieur: H.D.T.V./Vaex NL
Interieur: Vaex NL
Aufgabengebiet: Nationaler, gelegentlich auch internationaler Fernverkehr

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FERNFAHRER 06 2019 Titel
FERNFAHRER 06 / 2019
4. Mai 2019
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