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Logistik auf grüner Mission Fit für den Green Deal der EU

Foto: Adobe Stock/Mike Mareen

Fit für den Green Deal der EU – SLV und Forlogic informieren zum Thema Nachhaltigkeit aus der Wissenschaft und der Praxis.

Nachhaltige Logistiklösungen werden immer gefragter. Das zeigte ein Webinar des Speditionsverbands Hessen/Rheinland-Pfalz (SLV) und des Steinbeis-Beratungszentrums Forwarding and Logistics Center (Forlogic). Es fand in enger Kooperation mit dem Institut für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik (INVL) der Hochschule Heilbronn statt und war Teil des Netzwerks „MeLoDi – Mensch und Logistik in der Digitalisierung“ der Sachverständigen­organisation Dekra. Mehr als 40 Teilnehmer hatten sich zugeschaltet, um sich über aktuelle Entwicklungen aus der Praxis zu informieren.

SLV-Chef Hölser: Grüne Logistik nimmt Fahrt auf

Für den SLV-Geschäftsführer Thorsten Hölser hat das Thema grüne Logistik Fahrt aufgenommen. Die Kunden forderten zunehmend nachhaltige Lösungen – „vor allem auch die Endkunden, die wir als Spedition nicht so im Blick haben“. Dennoch sei auch dieser Aspekt wichtig, „schon allein aus Imagegründen“, wie Hölser erläuterte. Der SLV wolle seine Mitglieder dabei so gut wie möglich unterstützen.

Lohre: Verkehrsbezogenen Emissionen müssen runter

„Die gesamten Treibhausgas­emissionen sind im Jahr 2020 gegenüber 1990 um 40,7 Prozent gesunken“, berichtete Professor Dirk Lohre von Forlogic sowie dem INVL der Hochschule Heilbronn. Den stärksten Rückgang habe die Energiewirtschaft mit einem Minus von 52,7 Prozent erzielt. Weniger erfreulich seien hingegen die Zahlen aus dem Verkehrssektor. Zwar sind dort die sogenannten verkehrsbezogenen Emissionen aus privater Mobilität und dem Straßengüterverkehr um 11,1 Prozent gesunken, das Vergleichsjahr 2020 sei coronabedingt allerdings eher ungeeignet.

„Denn bezogen auf das Jahr 2019 haben die verkehrsbezogenen Emissionen um 0,3 Prozent zugenommen“, erklärte Lohre. Der Anteil des Verkehrssektors an den Treibhausgasemissionen sei dabei im Zeitraum von 1990 bis zum Jahr 2020 von 13,9 auf 19,7 Prozent gestiegen – was vor allem mit der Zunahme der Sendungsmengen zu tun habe. Nimmt man nun die Gütertransporte für sich unter die Lupe, dann stammen 97,8 Prozent der Emissionen aus dem Straßenverkehr.

Der EU-Green-Deal „Fit for 55“

An dieser Stelle setze der EU-Green-Deal „Fit for 55“ an. Mit ihm sollen mittels verschiedener ­Stellschrauben bis 2030 mindestens 55 Prozent an Treibhausgasen gegenüber 1990 vermieden werden. Das deutsche Klimaschutzgesetz sieht bis dahin gar eine Reduktion um 65 Prozent vor. Mit Blick auf den Verkehrssektor ergebe sich daraus allerdings eine Lücke von 41 Millionen CO2-Äquivalenten.

„Bevor man CO2-Emissionen systematisch reduzieren kann, muss man sie messbar machen“, erklärte Lohre. Für Transporte gebe es bislang die europaweite Norm DIN EN 16258. Sie werde künftig von der dann weltweit gültigen ISO-Norm 14083 abgelöst. „Wobei es natürlich nicht nur ums Messen geht, sondern vor allem ums Reduzieren und darum, sich entsprechende Ziele zu setzen“, erläuterte der Nachhaltigkeits­experte.

Contargo testet E-Lkw

Kristin Kahl, die bei Contargo den Bereich Sustainable Solutions verantwortet, zeigte, wie das trimodale Containerlogistiknetzwerk seine „grüne Mission“ ­umsetzt. Das Unternehmen testet einen Oberleitungs-Lkw und hat vier batterieelektrische Nahverkehrs-Lkw im Einsatz. Laden können die Fahrzeuge am Terminal. Die langfristige Vision ist dabei klar umrissen: O-Lkw oder Wasserstoff-Lkw im Fernverkehr, batterieelektrische Fahrzeuge im Nahverkehr, ebenfalls per Strom oder Wasserstoff angetriebene Binnenschiffe. Bei der Bahn setzt Contargo auf Ökostrom. Kahl ist schon jetzt von den Stromern überzeugt. „Wir werden unsere Flotte auf 20 E-Lkw ausweiten, warten aber noch auf einen Förderbescheid, da dann 80 Prozent der Mehrkosten vom Bund übernommen werden“, erklärte sie.

Zufall treibt die Aktion Zufall 100 voran

Auch für Gunnar Heunisch, Zentralleiter Qualitäts- und Umweltmanagement bei der Zufall Logistics Group, stehen die Zeichen auf Wandel. Dazu hat der Logistikdienstleister vor einem Jahr die Aktion „Zufall 100“ ins Leben gerufen. Seit dem 1. Januar 2021 beziehen die meisten Niederlassungen des Logistikanbieters zu 100 Prozent Ökostrom. Zufall verringere damit seinen CO2-Fußabdruck um rund 1.700 Tonnen pro Jahr. Weitere 1.000 Tonnen sollen 2022/2023 folgen, wenn auch die Niederlassungen in Fulda und Kandel vertraglich umgestellt werden können. Hinzu kommen der Einsatz von LED-Lichtsystemen in den Hallen sowie Fotovoltaikanlagen inklusive Stromspeicher. Auch ein Pilotkundenprojekt mit einem E-Lkw ist geplant. Des Weiteren forciert der Logistiker die CO2-Messungen im Landtransport in Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen. Für Heunisch steht fest: „Angebote müssen sich künftig nicht nur rechnen, sondern auch noch nachhaltig sein.“

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