Lkw-Botschafter

1. Euregio-Benefiz-Konvoi

Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi Foto: Jan Bergrath 11 Bilder
Meinung

Immer mehr Lkw-Fahrer organisieren mit Unterstützung ihrer Arbeitgeber gemeinnützige Veranstaltungen zu Gunsten von behinderten oder kranken Kindern. So wie am Wochenende der Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi. Die lokalen Medien tragen es in die Öffentlichkeit. Das ist gut so.

Es ist Samstag, der 1. Juni 2019 – der Weltkindertag in der Städteregion rund um Aachen. So steht es jedenfalls in der lokalen Presse. Auf dem Aldenhoven Testing Center warten 100 Lkw-Fahrer, um kranke und behinderte Kinder auf eine 80 Kilometer lange Tour durch die grenznahen Straßen der Euregio mitzunehmen. Das THW steht bereit, um beim Umstieg vom Rolli ins Fahrerhaus zu helfen. Bürgermeister Ralf Claßen ist an die Strecke gekommen, er beglückwünscht Wolfgang Schiffers, den Lkw-Fahrer aus Eschweiler, der sich vier Jahre lang für diese Idee eingesetzt hat, die nun Wirklichkeit wird.

Gleich auf Startplatz 1 steht Armin Haas, Lkw-Fahrer aus Merzenich. Weil es beim ersten Anlauf noch nicht so viele Anmeldungen aus der Zielgruppe gegeben hat, haben die Fahrer auch im Freundeskreis getrommelt. Und so ist der fünfjährige Jannik aus Kleinken im Hürtgenwald voller Vorfreude mit Armin am Start, seine Mutter Jacky ist als Begleitung mit dabei. Beide haben am Eingang ein handgemaltes Namensschild für die zweieinhalb Stunden dauernde Fahrt bekommen.

Die derzeit beste Imagewerbung

Es ist, das lässt sich mit Fug und Recht behaupten, die derzeit beste Imagewerbung, die das so oft von Negativschlagzeilen heimgesuchte deutsche Transportgewerbe haben kann. Bilder und Videos vom Konvoi verbreiteten sich rasant. Szenen, die bei vielen Fahrern für Gänsehaut sorgten. Und Tränen in den Augen – „ein außergewöhnlicher Tag für Fahrer und die seltenen Beifahrer“, wie es die Aachener Zeitung beschreiben wird.

Der schönste Tag im Leben

Wer sich ein wenig in der „Szene“ auskennt, der kennt natürlich den Country-Song von Jonny Hill, der die Herzen vieler Lkw-Fahrer und ihres Umfelds immer wieder berührt: „Ruf Teddybär 1-4“. Das wirklich herzergreifende Lied handelt von einem fiktiven Lkw-Fahrer, der über CB-Funk auf seiner Tour zufällig mit einem behinderten Jungen spricht, worauf sich ein Dutzend Kollegen zu dessen Haus aufmachen und jeder den Jungen eine Runde im Lkw mitnimmt. Bis der Fahrer später über Funk die Stimme der Mutter hört, die sagt, dass die Lkw-Fahrer ihrem Sohn den schönsten Tag in seinem Leben bereitet hätten.

Schon 2013 tauchte dieses Motto zum ersten Mal bei der Fahreraktion „A Happy Day of Life“ auf, die es nun am 15. Juni 2019 auf dem Autohof Gotha an der A4 wieder geben wird. Veranstalter ist die Initiative „Bewegen mit Herz“, ein gemeinnütziger Verein. Auch die „Rüssel Truck Show“ verfolgt denselben Gedanken: Kinderaugen zum Leuchten zu bringen und stolze Spendensummen für die Kinderkrebshilfe zu sammeln.

Der Lkw als Sehnsuchtsort

Der Lkw ist laut Definition für die allermeisten Fahrer und Unternehmer ein Arbeitsmittel, ein Nutzfahrzeug eben. Manche müsse das auch immer wieder öffentlich betonen. Für sehr viele andere Fahrer ist er allerdings mehr – ein Stück Individualität in einem von Jahr zu Jahr immer rigider beschränkten Berufsleben, das die einstigen Könige der Landstraße zu Sklaven von Zeitfenstern und digital überwachten Sozialvorschriften macht.

Einerseits, es erfreut mich immer wieder, ist der Lkw offenbar immer noch ein Sehnsuchtsort für viele Kinder, weil deren Vater – und heute ganz im Sinne des BGL nicht selten deren Mutter – damit ihr Geld verdienen. Andererseits muss mittlerweile selbst ein Ausflug für den guten Zweck an einem Samstag so rechtzeitig von den Disponenten der Unternehmen, die ihren Fahrern überhaupt erst die Teilnahme an einem Konvoi ermöglichen, minutiös geplant werden, um nicht die Wochenruhezeit aufs Spiel zu setzen. „Meine Jungs hatten so eine Freude, mit den Kindern auf Tour zu gehen, dass wir das rechtzeitig so geplant haben, dass es passt“, sagt Birgit Esser, Chefin des gleichnamigen Schwertransportunternehmens mit neun Lastzügen aus Würselen.

Alle ziehen an einem Strang

Als Essers vor zwei Jahren einen Anruf von Schiffers bekam, sagte sie spontan zu, dessen Idee vom 1. Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi mit zu unterstützen. Sie holte dabei ihre Schwester von der Autovermietung VoHo aus Eschweiler mit ins Boot. Die wiederum organisierte die Busse für die Kinder und stellte einen ihrer besten Mitarbeiter, Metin Karatavuk, für die Organisation vor Ort zur Verfügung: Getränke ran holen, und was sonst noch alles wichtig ist, um Kindern eben einen schönen Tag zu bereiten.

Um es gleich zu erwähnen: Am Ende blieben, nachdem Birgit Esser die Spendengelder noch persönlich auf eine schöne Zahl aufgerundet hatte, 4.444 Euro für vier regionale Vereine, die sich für kranke und behinderte Kinder engagieren. „Ein guter Start“, sagt Schiffers, der gleich mit der Planung für kommendes Jahr beginnen will.

Vier Jahre Vorbereitung

Schiffers war bereits vor vier Jahren als Besucher des Festivals „Wunderland Kalkar on Wheels“ auf die Idee gekommen, solch ein Event in die Euregio zu holen. Schiffers arbeitet im Regionalverkehr für das Transportunternehmen Jagdfeld, er ist jeden Abend daheim, und er hat ein absolutes Organisationstalent. Letzteres stellte er zunächst bei der Allianz im deutschen Transportwesen (AiDT e.V.) im Rahmen der Weihnachtsaktionen für gestrandete Fahrer aus Osteuropa entlang der A4 unter Beweis und dann ab Juni 2016 als Mitbegründer des Kraftfahrerkreis Düren-Aachen.

Ihm ist es etwa durch den Kontakt zum SPD-Politiker Udo Schiefner, dem Schirmherr des KfK, gelungen, die mittlerweile zurückgetretene Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles davon zu überzeugen, dass Fahrer mehr Spesen brauchen. Als Verdi-Mitglied bringt er den regionalen KfK und die Gewerkschaft Verdi zusammen, im Hintergrund erhält er die nötige Unterstützung durch den Lkw-Fahrer Udo Skoppeck und dessen Familie, die als eingetragener Verein dafür geradestehen, dass überhaupt Spendengelder eingenommen und weitergeleitet werden können.

Ein großes Netzwerk

So ist über die Jahre ein beachtliches Netzwerk entstanden. Dazu gehört auch der Lkw-Fahrer Alexander Scheurer, der in seiner Freizeit ein Video von diesem 1. Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi gedreht und auf Youtube eingestellt hat. Und dazu gehören natürlich alle Lkw-Fahrer, die ihre Freizeit für dieses Engagement liebend gerne opfern.

Ein Country-Song wird Realität

„Jannik ist immer noch total aufgeregt“, erzählt Armin nach der Tour. „Er hat sich besonders dafür bedankt, dass er ganz vorne im ersten Lkw sitzen durfte.“ Auch die Mutter war überglücklich – fast wie im Lied. „Jacky hat uns nochmal fürs Mitnehmen gedankt und für die Organisation gelobt. Dafür, dass es der erste Konvoi war und keiner genau wusste, was auf uns zukommt, war's perfekt. Sie dankt allen Fahrern, allen Helfern auf der Straße und dem Gelände für diesen rundum gelungenen Tag. Als sie gestern aus dem Lkw ausstieg, sagte sie mit Tränen in den Augen: ´Verdammt, ich hätte nicht gedacht, das ich so emotional sein kann.‘ Das sagt, glaube ich, sehr viel!“

Fortsetzung im sozialen Medium

Der 1. Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi war ein voller Erfolg. Im Anschluss haben sich Fahrer und Unternehmer auf der Facebook-Seite des Ausrichters spontan entschlossen, die am Tag erzielte Spendensumme von 4.444 Euro durch weitere private Spenden zu erhöhen. Sie lag zuletzt auf der Stufe 15 bereits bei 6.555 Euro. Weitere Spendenangebote bitte als persönliche Nachricht (PN) an den Veranstalter senden.

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Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
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