Liebherr, Komatsu, Volvo und Co.

Giganten der Bauma 2019

Giganten der Bauma 2019 Foto: Knut Zimmer 11 Bilder

Auch die Lkw-Hersteller nutzen die Messe, um Neuheiten für die Baubranche vorzustellen. Doch die Bühne gehört vor allem den riesigen Baumaschinen. Wir stellen ausgewählte Premieren vor.

Die Dimensionen im Mining-Geschäft sind weit entrückt von allem, was man von Baustelle & Co. kennt. Und doch verlaufen die Trends ähnlich. So spielt heute die Elektromobilität auch bei den schwersten und größten aller Fahrzeuge eine gewichtige Rolle. Liebherr etwa zeigte auf der Bauma einen neuen Bagger der 200-Tonnen-­Klasse. Der Clou: Der sogenannte R 9200 E arbeitet elektrisch – kein Dieselgeruch, kein Motorgrollen. Dafür jagen 6.000 Volt durch die Aktuatoren, wenn das Ungetüm loslegt. Satte 850 kW leistet die E-Maschine des 210 Tonnen schweren Baggers.

Die Reichweite oder vielmehr die Betriebsdauer des Geräts ist im Prinzip unbegrenzt, denn der Bagger hängt an der Steckdose. Damit beim Einschalten das Stromnetz der Mine nicht kapituliert, ist er mit einem Autotransformator-Starter ausgerüstet. Der reduziert den Einschaltstrom, um das Netz zu entlasten. Für die nötige Leitung bietet ­Liebherr eine autonome Kabeltrommel an. Die schultert je nach Baggertyp 245 bis 300 Meter Kabel. In die sogenannte HDV-Schaufel des Liebherr R 9200 E passen 12,5 Kubikmeter Material. Bei einer losen Dichte von 1,65 Tonnen pro Kubikmeter braucht der Bagger also nur drei Durchgänge, um einen 65-Tonnen-Muldenkipper zu laden. Die Arbeitszyklen dauern laut Liebherr teilweise weniger als 20 Sekunden.

Ähnlich beeindruckend wie der R 9200 E wirkt der Dumper T 236 (großes Bild Seite 40), ebenfalls eine Bauma-Premiere. Der Muldenkipper ist mit einem dieselelektrischen Antrieb ausgestattet. Dadurch kann er steilere Rampen befahren als ein rein dieselbetriebener Kipper. Der Antrieb des T 236 erzeugt beeindruckende 895 kW (1.217 PS) und beschleunigt den Riesen auf immerhin bis zu 55 km/h. Dabei schultert das leer schon 80 Tonnen schwere Gefährt obendrauf noch bis zu 100 Tonnen Nutzlast.

Der größte Bagger, der auf der Messe zu sehen war, stammt indes von Komatsu, ist „made in Germany“, erreicht ein Betriebsgewicht von 409 Tonnen und arbeitet mit einem herkömmlichen Dieselantrieb. Der soll beim neuen Modell verhältnismäßig genügsam zu Werke gehen. Das Dieselreservoir fällt mit 6.000 Liter Fassungsvermögen dennoch gewaltig aus. Kein Wunder, immerhin 16 Zylinder gieren nach Kraftstoff und erzeugen 1.400 kW (1.875 PS) Leistung. Der PC4000-11 erreicht die Abgasnorm Tier 4 final ebenso wie Lkw die Abgasnorm Euro 6d, nämlich per SCR-Anlage und Dieselpartikelfilter. Die 22 Kubikmeter große Schaufel des Exponats, die in etwa so hoch wie zwei Mann ist, frisst sich bis in acht Meter Tiefe. Ein sogenanntes Payload-Meter gibt Aufschluss darüber, wie viel Last in der Schaufel liegt und über welche Traglast der Kipper verfügt, der als Nächstes befüllt werden soll. Die Mulden­kipper zur Abfuhr des Abraums sollten jedenfalls nicht allzu zierlich sein. Komatsu rät zur Kombination mit Dumpern der 150- bis 240-Tonnen-Klasse.

Der ebenfalls ausgestellte Komatsu-Dumper 605-8 (Eigengewicht 52 Tonnen, Nutzlast 63 Tonnen, Muldenvolumen 40 Kubikmeter) ist für diesen Riesen also schon zu klein und ließe sich theoretisch mit nicht einmal zwei gefüllten Schaufeln des PC4000-11 füllen. Die fährt er dann mit 578 kW (778 PS) ab. Schon passender wäre da der Volvo-Dumper R100E mit seiner schnittig gezeichneten Front. Der steckt nämlich mal locker 95 Tonnen an ­Abraum und Geröll beziehungsweise 60,4 ­Kubikmeter an Volumen weg. Voll beladen bringt er es dann auf 164,6 Tonnen – das ist ein Wort. Für den behänden Abtransport sorgt ein 783 kW (1.065 PS) starker ­V12-Diesel, der maximal 4.631 Nm an Dreh­moment auf die Kurbelwelle wuchtet.

Digitale Helferlein und Assistenzsysteme ­unterstützen auch im Minensegment die ­Maschinenführer. Weil sie im Führerstand in luftiger Höhe und eingeschränkt durch An- und Aufbauten leicht etwas übersehen können, helfen im Falle des Komatsu-Baggers sieben Kameras, das Gelände um den Bagger im Blick zu behalten. Sie generieren auf einem Monitor einen 360-Grad-Blick aus der Vogelperspektive. Per Fingertipp lassen sich einzelne Bereiche genauer betrachten.

Was der Dumper in der Mine ist, das ist der Knicklenker auf der Großbaustelle: ein unverzichtbares Transportmittel, um Abraum zu befördern. Wenn sich auch die Dimensionen und Leistungsdaten nicht ganz so beeindruckend lesen wie die der Minengiganten, so ist die Manövrierbarkeit dieser Nutzfahrzeuge herausragend. Da wäre beispielsweise der neue Volvo A45G. Der schultert immerhin 41 Tonnen Nutzlast bei einem Gesamtgewicht von gut 72 Tonnen. Gestrichen passen knapp 20 Kubikmeter in die 6,4 Meter lange Mulde des insgesamt 11,3 Meter langen Knicklenkers. Aus 16 Liter Hubraum schöpft der Motor 485 PS nach SAE-Norm und stemmt knapp 2.600 Nm.

Neu an Bord sind ein Tempomat, eine Geschwindigkeitsregelung beim Bergabfahren und die sogenannte Opti-Shift-Funktion. Bei normaler Fahrt hilft der Tempomat dabei, eine konstante Geschwindigkeit einzuhalten, was der Effizienz des Transports zugutekommt. Bergab hält die Geschwindigkeits­regelung ebenfalls das gesetzte Tempo ein und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Fahrer immer die Kontrolle über den Dumper behält. Das neue Opti-Shift-Schaltprogramm setzt zudem Richtungsänderungen geschmeidiger um. Das Getriebe Volvo Dynamic Drive wählt im Dumper vorausschauend je nach Betriebsbedingung die Gänge und soll so vor allem den Verbrauch senken.

Also alles beinahe genauso wie bei den Straßenrollern. Die fallen zwar eine Nummer kleiner aus, sind aber nicht weniger interessant. Und ohne Schwerlastzugmaschinen und Tieflader kommen die Bauriesen genauso wenig wie Windflügel und anderes Gerät zum jeweiligen Einsatzort, weswegen wir euch weitere Messepremieren aus dem Bereich der Nutzfahrzeuge und die eine oder andere exotische Erscheinung in der kommenden Ausgabe von FERNFAHRER vorstellen.

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