Fahrer ohne Service

Die Stunde der Selbstversorger

Foto: Andre Hommer

André Hommen fährt für Justen aus Wittlich regelmäßig in die Schweiz. Dabei steht er jetzt im schlimmsten Fall bis zu 17 Stunden im Grenzstau. Ohne Zugang zu sanitären Anlagen oder Verpflegung. Der gelernte Koch entdeckt nun alternative Möglichkeiten, sich selbst zu versorgen. Die ASTRE ruft unterdessen eine europaweite Solidaritätsaktion ins Leben.

Es ist, so schildert es André Hommen von der Grenze bei Rheinfelden an der A 5, das alte Problem mit neuen Ausmaßen. Mitten in Europa gibt es ein kleines Land, die Schweiz, das nach wie vor die eingehende Ware verzollen lässt. Auch der Transitverkehr muss durch diesen Flaschenhals. Mittlerweile haben auch nahezu alle Länder rund um Deutschland die Grenzen dicht gemacht, in der Schweiz war das schon immer so. In der Corona-Krise hat sich das Problem der Wartzeiten nun allerdings massiv verschärft. „17 Stunden waren es letzten Donnerstag auf dem Weg nach Bern“, klagt Hommen. „Immer wieder drängeln sich Fahrer am Stau und der Ampelanlage vorbei und machen auf dem viel zu kleinen Zollhof Pause.“ Dann bildet sich der ellenlange Rückstau, der live über eine WebCam verfolgt werden kann. „Die deutsche Polizei lässt das zum größten Teil geschehen, lediglich die Schweizer schicken diese unkollegialen Fahrer wieder zurück, um sich hinten anzustellen.“

Transport unter katastrophalen Bedingungen

Sechs Lkw waren bis heute für Justen unterwegs, vier fahren jeden Tag in die Schweiz, wo der Umgang mit den Fahrern bei den Kunden laut Andre und auch anderen deutschen Fahrern weitaus freundlicher ist als bei vielen Ladestellen oder den Zentrallagern des komplett überforderten Einzelhandels in Deutschland. Ein Lkw ist auf einer festen Linie für einen Paketdienst eingesetzt, doch diese feste Linie wurde gerade abgesagt. Der Chef selbst agiert als Springer, um vorzuladen. „Für uns Fahrer wird die Situation der Verpflegung von Tag zu Tag schlimmer. Im Grenzstau hat du gar keine Möglichkeit, außer dich selbst zu verpflegen.“

Foto: Andre Hommer
Andre Hommen steht teilweise 17 Stunden an der Grenze in die Schweiz.

Für den gelernten Koch ist das kein Problem. Und so hat sich André nun an das Buch „Sternköche“ erinnert, das bei Dekra Media bereits in zweiter Auflage erschienen und weiterhin problemlos über den FERNFAHRER-Shop zu beziehen ist. Das haben mittlerweile auch andere Fahrer erkannt. Es schlägt die Stunde der Selbstversorger. Mit jedem Tag der Versorgungskrise wird die Auflage der letzten 3.000 Exemplare geringer. Das Buch gibt es übrigens als Dankeschön zum Sonderpreis: 9,80 Euro statt 12,80 Euro. Abonnenten des FERNFAHRER zahlen nur 7,80 Euro.

André zeigt den Kollegen jetzt, wie man kocht

Und so hat sich André vorgenommen, zunächst den Kollegen der eigenen Firma bei nächster Gelegenheit zu zeigen, wie man mit einfachsten Mitteln aus den leckeren Rezepten bei jeder Gelegenheit, ob im Stau an der Grenze oder in der Warteschlange beim Kunden, im Rahmen der täglichen Lenkzeitunterbrechung ein einfaches aber schmackhaftes Gericht zaubern kann. Auch sonst freut sich André, dass es in der Krise noch Solidarität gibt. „Norbert de Sousa, der in Traben-Trarbach ein Tattoo Studie betreibt, das nun ebenfalls geschlossen ist, hat mir jetzt sein gesamtes Desinfektionsmittel überlassen, damit wir weiter Lkw fahren und uns schützen können“, sagt Andre. „Meine Frau hat es persönlich abgeholt. Das sind die Leute, die nicht an sich denken in dieser schweren Zeit, sondern an die Leute, die es sehr schwer haben, in der Krise an Schutzkleidung oder Desinfektionsmittel zu kommen. Ich rechne es ihm sehr hoch an.“

Foto: Andre Hommer
Spende vom Tattoo-Studio: Desinfektionsmittel für Fahrer.

ASTRE ruft europaweite Solidaritätsaktion ins Leben

Das Problem der langen Staus, der überfüllten Stellplätze und Corona-bedingt geschlossenen Einkehrmöglichkeiten hat nun auch die ASTRE erkannt, denn sie erschweren die Einhaltung der Ruhezeiten und vor allem den Zugang zu Verpflegung und sanitären Einrichtungen. Hinzukommen Erschwernisse für die Fahrer bei der Be- und Entladung, da aus Angst vor Ansteckung der Gang auf die Toilette auch hier nicht mehr selbstverständlich ist. Das größte europäische Logistiknetzwerk ASTRE reagiert nun mit einer europaweiten Solidaritätsaktion.

Zur ASTRE gehören 161 Mitglieder mit insgesamt mehr als 380 Stationen in 15 Ländern. Nach einem zentralen Aufruf haben sich bereits Dreiviertel der Unternehmen der Aktion angeschlossen und geben ab sofort für die Fahrer der Gruppe sanitäre Anlagen zur Nutzung frei, bieten Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten, Stellflächen sowie technische Unterstützung und Wareneinlagerung an.

Wichtiger Baustein der Unterstützung

„Gerade in der schwierigen Lage aktuell wird jeder Fahrer benötigt, damit die Versorgung der Bevölkerung mit den notwendigen Gütern des täglichen Bedarfs gesichert bleibt. Deswegen brauchen die Fahrer unsere sofortige Unterstützung, denn deren Lage ist kaum noch zumutbar“, sagt Ulf Tonne, Geschäftsführer der ASTRE DACH GmbH und ergänzt: „Die jetzt sehr schnellen und vielfältigen Unterstützungsangebote in ganz Europa sind da ein wichtiger Baustein und drücken vor allem auch unser aller Wertschätzung den Fahrern gegenüber aus.“

Das Netzwerk der ASTRE wurde Frankreich gegründet und ist mittlerweile in ganz Europa stark vertreten. In allen Ländern vor allem in Deutschland beabsichtigt das Netz noch zu wachsen. Zu den Landesgesellschaften zählen neben der ASTRE DACH für den deutschsprachigen Raum die ASTRE Benelux-UK, ASTRE Iberica und ASTRE Italia.

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