Daimler: Mit neuen Modellen in die Zukunft

Komfort für Fahrer, Tempo bei Elektro-Lkw

Foto: Matthias Rathmann

Daimler geht mit dem neuen Modell Actros L verstärkt auf Fahrerwünsche ein. Zugleich treibt der Fahrzeugbauer seine Aktivitäten bei der Elektrifizierung voran.

Da sollen keine Fahrerwünsche offen bleiben: Der Fahrzeugbauer Daimler hat ein neues Modell für den Fernverkehr vorgestellt, das konsequent den Bedürfnissen der Fahrer Rechnung tragen soll. Für den Actros L, den Daimler von November an produzieren will, lägen bereits rund 9.000 Bestellungen vor, sagte Andreas von Wallfeld, Marketing- und Vertriebsleiter bei Mercedes-Benz-Lkw, am Dienstag vor Journalisten im Werk Wörth.

Gleichzeitig gab Daimler weitere Details zur Serienfertigung des Verteilers eActros und des Entsorgungsfahrzeugs eEconic bekannt. Die Produktion des eActros soll im Oktober in Wörth anlaufen, die Fertigung des batterieelektrisch angetriebenen eEconic soll in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres beginnen.

Foto: Daimler Trucks and Buses
In Reih und Glied: eActros, Actros L und GenH2.

Karin Rådström, seit Februar Vorstandsmitglied von Daimler Truck und verantwortlich für Mercedes-Benz-Lkw, bekräftigte, dass Daimler an der dualen Antriebsstrategie festhalte – also an der Entwicklung von batterieelektrischen und Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw. Eine Vielzahl an Anwendungsfällen in Transport und Logistik will der Konzern mit dem eActros abdecken, der auf Reichweiten von bis zu 400 Kilometern kommt. Eine größere Variante für den Schwerverkehr soll 2024 folgen und bis zu 500 Kilometer am Stück realisieren. Gleichzeitig treibt Daimler die Aktivitäten in Richtung Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb voran und will seinen GenH2 Truck 2023 in die Kundenerprobung geben und von 2027 an in Serie produzieren. Der Truck soll dort zum Einsatz kommen, wo es um wechselnde Verkehre, größere Reichweiten bis 1.000 Kilometer und um eine höhere Flexibilität geht. „Wir bekennen uns zu einem CO2-neutralen Transport“ betonte Rådström. Bereits bis 2030 soll jedes zweite Fahrzeug, das Daimler in den Verkehr bringt, klimaneutral unterwegs sein.

Dreistellige Zahl an eActros-Lkw für 2022 geplant

Für den eActros plant Daimler dieses Jahr noch mit kleinen Stückzahlen. „Wir fahren die Produktion zunächst hoch“, sagte Vertriebschef von Wallfeld. Für 2022 plane das Unternehmen eine dreistellige Zahl an Trucks, sagte er auf Anfrage von eurotransport.de. Wie sich die Nachfrage entwickelt, hänge auch von den politischen Rahmenbedingungen ab. In Deutschland gebe es dank des neuen Förderprogramms für klimaneutrale Lkw ein günstiges Umfeld, lobte er.

Foto: Matthias Rathmann
Fernverkehrs-Flaggschiff, das für Fahrer konzipiert wurde: Im Actros L ist unter anderem der Lärmpegel im Fahrerhaus reduziert.

Genauso hängt es seiner Einschätzung nach von den Rahmenbedingungen ab, ab welchem Zeitpunkt die Alternativen zum Diesel bei den Gesamtbetriebskosten (TCO) konkurrenzfähig sind – hier spielten neben der Preisgestaltung durch den Hersteller auch die Entwicklung der Energiekosten und mögliche Anreize durch die Regierungen eine Rolle. Batterieelektrische Lkw werden seiner Einschätzung nach zwischen 2025 und 2027 mit dem Diesel gleichauf oder diesem überlegen sein, Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lkw zwischen 2027 bis 2030. Für diese Fahrzeuge sei die Prognose besonders schwierig, da mit Blick auf die Infrastruktur noch viele Frage zu beantworten sind. Unter anderem sei unklar, ob flüssiger oder gasförmiger Wasserstoff das Rennen macht und ob er über die Pipeline oder per Lkw ins Land gelangt. Das alles hat Einfluss auf den Preis.

Neben dem klassischen Speditionseinsatz hat Daimler bei der Elektrifizierung auch die Entsorgung im Blick und daher elektrische Varianten des eEconic angekündigt. Das dänische Unternehmen Urbaser hat elf dieser batterieelektrischen Müllsammelfahrzeuge bestellt und das erste davon in die Flotte aufgenommen. Noch laufen bei Daimler intensive Versuchsreihen, bevor der eEconic wie bei Urbaser in die Kundenerprobung geht. In der zweiten Jahreshälfte 2022 soll der Saubermann für die Entsorgung dann verfügbar sein.

Der batterieelektrische Antriebsstrang des eEconic ist mit dem des eActros weitgehend identisch. Die Motoren bringen es auf 330 kW Nenn- und 400 kW Spitzenleistung. Der Radstand von 3,90 Metern lässt jedoch nur Platz für drei Batteriepakete (mit insgesamt 315 kWh), während es beim eActros optional noch ein viertes Paket sein kann.

Foto: Matthias Rathmann
Elektrische Entsorgung: Ab dem zweiten Halbjahr 2022 soll der eEconic verfügbar sein.

Die Reichweite sieht Bernd Reinauer, Chef der Econic-Entwicklung, aber nicht unbedingt als entscheidend an. In der Entsorgung gebe es wiederkehrende Touren und die Möglichkeit, am Bau- oder Betriebshof zu laden. Daimler habe intensiv typische Touren der dieselbetriebenen Econic-Lkw ausgewertet. Ergebnis laut Reinauer: „Das Gros der Verkehre ist auch mit einem batterieelektrischen Antrieb darstellbar.“ Der eEconic soll ebenfalls in Wörth gefertigt werden. Der 27-Tonner nutzt die Montagelinie des Elektro-Verteilers, wenn Antriebsstrang und Sicherheitssysteme Einzug halten, läuft ansonsten aber autark in einer anderen Halle.

Und welchen Stellenwert hat bei Daimler fortan der Diesel? Mercedes-Benz-Lkw-Chefin Karin Rådström und Vertriebschef Andreas von Wallfeld betonten, dass die duale Antriebsstrategie nicht bedeute, den Diesel zu vernachlässigen. Daimler sei weiterhin dabei, verbrauchsmindernde Maßnahmen am Verbrenner zu identifizieren. Im Übrigen seien es die Erlöse aus den Dieselverkäufen, die es Daimler überhaupt erst erlaubten, in alternative Antriebe derart hohe Summen zu investieren.

Lärmlevel im Actros L um fünf Dezibel reduziert

Dass die Entwicklung beim Diesel nicht aufhört, zeigte Daimler anhand des neuen Modells Actros L. Es ist speziell für Fahrer konzipiert, um die sich Flottenbetreiber, aber auch Hersteller immer mehr bemühen müssen. Der Actros L rollt ebenfalls mit Mirror Cams, Multimedia-Cockpit und den serienmäßigen Assistenzsystemen des bekannten Actros an. Zusätzlich profitieren die Fahrer von einem deutlich niedrigeren Geräuschpegel. Der Lärmlevel ist laut von Wallfeld um fünf Dezibel gegenüber dem konventionellen Actros gesenkt, was Daimler zum Beispiel durch Isolierung im Boden, an den Türen und neue Dichtungen realisiert hat.

Der Actros L ermöglicht Fahrern ferner eine angenehmere Sitzposition. Möglich sei es, die Sitzkonsole um 40 Millimeter zu senken, was zusätzlichen Spielraum gibt, um das Lenkrad individuell einzustellen. Ebenfalls Teil des Pakets sind LEDs im Hauptscheinwerfer – sowohl für Abblend-, Stand- und Fernlicht als auch für die Blinker. Die in den Varianten Stream-Space, Big-Space und Giga-Space erhältliche Fahrerkabine bringt es auf 2,50 Meter Breite, ferner kommt sie ohne Motortunnel aus. Der Actros L bringt also keine Verbrauchseinsparung, aber Pluspunkte beim Fahrer. Wie hoch der Mehrpreis gegenüber einem konventionellen Actros ausfällt, sagten die Daimler-Vertreter nicht.

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