Alexander Dennis präsentiert Doppeldecker

Der größte Elektrobus der Welt

Foto: Alexander Dennis

E-Mobilität nur für Kleinbusse? Mitnichten - der schottische Hersteller Alexander Dennis präsentiert einen Elektro-Doppeldecker. Hier alle Infos zum Enviro 500 EV Charge.

Der schottische Busbauer Alexander Dennis (ADL), seit 2020 Teil der amerikanischen New Flyer Gruppe (NFI), ist der weltgrößte Doppeldecker-Hersteller und hat bereits 18.000 Busse in aller Welt laufen, seit vergangenem Jahr auch erstmals in Berlin – dort allerdings noch als Dieselversionen. Jetzt bringt das Unternehmen erstmals seinen Dreiachser-Elektrobus Enviro 500 EV Charge auf den Markt – vorerst aber ausschließlich für US- und kanadische Kunden.

Das Modell Enviro 500 war schon bisher in seiner UK Ausführung Enviro 400 als Hybrid- und Elektro- und Wasserstoffvariante erhältlich, nun schlägt ADL ein neues Kapitel auf mit dem Dreiachser mit 13,50 Meter Länge (im üblichen US-Maß von 45 Fuß), 4,11 Meter Höhe und eher schlanken 2,52 Meter Breite. Es dürfte der derzeit größte Elektrobus der Welt sein, der auch in den USA gebaut wird (im NFI-Werk Anniston, Alabama) nach dem „Buy America Act“ aus den 80er Jahren.

Foto: Alexander Dennis
Das Cockpit zeigt sich runderneuert mit dem neuen, digitalen Conti-Dashboard, das als Besonderheit eine „Economy Halo“-Funktion besitzt.

Das Chassis ist aus hochfesten Stählen gefertigt, der Aufbau traditionell weitgehend aus leichtem Aluminium. Seine Batteriekapazität von satten 648 Kilowattstunden kann sich ebenso wie die schieren Abmessungen sehen lassen. Sie wird derzeit nur von MAN mit seinem Gelenkbus oder dem größten Proterra-Modell erreicht. Die Batterien, deren Provenienz und Zellchemie das Unternehmen nicht verraten will, sind größtenteils im Boden und im Heck untergebracht, was bei einem Doppeldecker mit ohnehin bereits hohem Schwerpunkt großen Sinn macht. Bei den Zweiachser-Doppeldeckern liefert der chinesische Partner BYD seine robusten LFP-Eisenphosphat Batterien zu, was hier aber eher nicht der Fall sein dürfte bei dem enormen Energiebedarf für den 83 Sitzer mit 27,6t zulässigem Gesamtgewicht. Es dürften also eher Hochleistungs-NMC-Batterien zum Einsatz kommen. „Die Batterieausstattung kann je nach Einsatzanforderung variiert werden,“ so heißt es allerdings vom Hersteller.

Batterien im Boden und im Heck verbaut

Durch die vier Batteriepacks im Boden vergrößert sich die Einstiegshöhe auf 357 mm, die auf 260 mm pneumatisch abgesenkt werden kann. Die Innenstehhöhe im Unterdeck verringere sich dagegen nur um vier Prozent, was circa sieben Zentimeter ausmachen dürfte. Zur Gesamtkapazität äußert sich der Hersteller nicht, im Oberdeck sind maximal 53 Sitze möglich (bei einer Treppe) im „lower saloon“ unten sind es 23 bis 26, je nach Rollstuhlplätzen (für die es eine spezielle elektrische Rampe gibt).

Elektrische Achse mal anders

Eine Besonderheit im Antrieb ist die Tatsache, dass die bewährte ZF AxTrax AVE elektrische Achse mit zwei wassergekühlten, radnahen Asynchron-Motoren (noch in der derzeitigen 2x125 kW-Version) nicht wie üblich als zweite Achse ausgeführt ist, sondern hinten als dritte Achse. „Der Tausch der Achsen wirkt sich positiv auf die Möglichkeiten der Gewichtsverteilung aus, da die Antriebsachse eine höhere Tragkraft als die Hilfsachse hat. Das hilft bei der Anordnung der Batteriepakete“, erklärt Stephen Walsh, Vice President von ADL. Die zweite Achse ist als Starrachse ausgeführt, die AVE eine klassische Portalachse, die konzeptbedingt ungelenkt ist und in diesem Fall 11,5t Traglast bietet.

Foto: Alexander Dennis
Reichlich Platz: Im Oberdeck sind maximal 53 Sitze möglich (bei einer Treppe) im „lower saloon“ unten sind es 23 bis 26.

Der wendigste Stadtbuskandidat dürfte der große Enviro also eher nicht sein, zumal der Einschlagwinkel der erstmals einzelradaufgehängten Vorderachse von ZF nur 50 Grad beträgt. Eine Ausstattung mit zwei AVE-Achsen scheint derzeit nicht vorgesehen zu sein. Die Ladung des Busses erfolgt per CCS Stecker mit bis zu 150 kW in rund vier Stunden, auf Wunsch ist auch Pantografenladung (in den US „Gantry-Charging“ genannt) verfügbar. Der Hersteller gibt eine Reichweite von 200 bis 250 Kilometern an, was allerdings bei einem Ladehub (DoD) von geschätzten 80 Prozent einen enormen Verbrauch von rund 2,6 kWh auf den Kilometer bedeuten würde. Diese Werte werden aber Ende des Jahres beim verpflichtenden „Altoona“-Test des unabhängigen „Bus Research and Testing Center“ in Pennsylvania erhoben, das von der Federal Transit Administration (FTA) gefördert wird. Diese US-Einrichtung testet sei rund 30 Jahren alle neuen Busse auf Sicherheit und Wirtschaftlichkeit, seit kurzem mit einem Fokus auf alternative Antriebe.

Die Klimaanlage ist wie bei allen modernen Elektrobussen als Wärmepumpe ausgeführt, die die Abwärme des Antriebsstrangs nutzt, ob sie schon mit CO2 oder R744 als Kältemittel läuft, war nicht zu erfahren. Dieses Thema ist in den USA derzeit noch nicht so virulent wie in Europa.

Hohes Ausstattungsniveau im Inneren

Im Innenraum herrscht für einen Stadtbus ein relativ hohes Ausstattungsniveau mit Servicesets an jedem Platz, USB- und WLAN Ausstattung. Die beiden Treppen (die Zweiachser-Modelle besitzen nur eine Treppe) sind wie üblich für einen One-way-Verkehr ausgelegt und eher schmal gehalten. Das Cockpit zeigt sich runderneuert mit dem neuen, digitalen Conti-Dashboard, das als Besonderheit eine „Economy Halo“-Funktion besitz, bei der ökonomisches Fahren (oder auch das Gegenteil davon) durch eine entsprechende Farbe über den gesamten Armaturenträger angezeigt wird. Keine schlechte Idee! Spiegelersatzsysteme mit Kameras oder Sicherheitssysteme wie Abbiegeassistent und Notbremsassistent mit Fußgängererkennung sind in den USA noch kein Thema, und so auch nicht beim Enviro 500 EV. Man darf sehr gespannt sein, ob dieses Modell irgendwann auch seinen Weg nach Berlin finden wird, wo derzeit je die ersten beiden Diesel-Enviros in Dienst gestellt wurden. Derzeit ist nach Auskunft von ADL noch nicht einmal ein Export in den Heimatmarkt England geplant, da dort traditionell ausschließlich Zweiachser zum Einsatz kommen.

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