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Air Cargo Club Deutschland

Wachstumsfeld Impfstofflogistik

Foto: Lufthansa Cargo

Die globale Impfstofflogistik hat für Spediteure und Logistiker weitere Aufgaben bereit, so das Fazit einer Veranstaltung des Air Cargo Clubs Deutschland.

Logistik, Luftfracht und die globalen Lieferkette haben aufgrund der Pandemie schon einiges hinter sich sagt, sagte Prof. Dr. Christoph Stoller, Präsident des Air Cargo Clubs Deutschland (ACD) beim ACD-Forum zur den „Herausforderungen der globalen Impfstofflogistik“ – unter anderem mussten zu Pandemiebeginn unglaublich schnell und auch auf ungewöhnlichem Wege Schutzmaterialien beschaffen werden. Zudem habe ein Wettlauf gegen die Zeit eingesetzt, auch bei der Impfstoffbeschaffung und -verteilung – „eine Dringlichkeit ohne Vorleben.

Einbruch bei den Passagierflügen

Francisco Rizzuto, Cargo Specialist Manager des internationalen Lufttransportverbandes IATA, reüssierte über den Einbruch der internationalen Luftfahrt – während es vor der Pandemie etwa täglich 500 Direkt-Flugverbindungen zwischen der USA und Europa gab, ging die Zahl im April 2020 auf 80 zurück. Mit entsprechenden Auswirkungen auf die Luftfracht, die auf der Strecke mehrheitlich in Forma von Belly-Transporten mit Passagierflugzeugen unterwegs sei. Während als die Kapazitäten wegen der Einstellung der Passierflüge einbrachen, gab es laut Rizzuto eine große Nachfrage nach Luftfrachtangeboten für die Beschaffung von Schutzmaterialien - acht Prozent habe im Frühjahr die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage betragen. Die Branche reagierte und rüstete kurzerhand Passagierflugzeug für Luftfracht um.

Logistik-Unterstützung für Covax

Nächster Kraftakt für die internationale Luftfahrtbranche ist für den IATA-Vertreter die Aufgabe, die Weltbevölkerung von 7,8 Billionen Menschen mit Impfstoffdosen versorgen, das Ziel der UNICEF-Initiative COVAX. „ Das geht nur, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten“, sagte Rizzuto, und zwar sowohl bei der Flugzeugkapazität als auch beim Aufbau von anderen Anforderungen wie logistischen Hubs, die entsprechend nach der IATA-Richtlinie für Pharmatransporte CEIV zertifiziert sein müssten, um etwa Anforderungen hinsichtlich Kühlkette zu erfüllen.

Thorsten Braun, Senior Director Industry Development & Product Management bei Lufthansa Cargo, berichtete von einem turbulentem Jahr 2020, vom Start der „Prachter“-Flüge – die Umrüstung von Passagier- zu Frachtflugzeugen – bis zur allmählichen Verschiebung des Fokus auf Impfstofftransporte mit den Anforderungen an eine Kühlung bei einer Temperatur von minus -70 Grad, dem Thema Volumina/Verfügbarkeit, und der Identifikation von Schlüsselstationen im Lufthansa-Pharmanetzwerk – als Folge ergänzt jetzt der Standort in München das Netzwerk.

Transport temperatursensibler Covid-19 Impfstoffe

Seit Januar bietet Lufthansa Cargo sein Produkt Covid-19 Temp Premium für den Transport von temperatursensiblen Covid-19 Impfstoffen an, in Lufthansa Cargos schnellster Geschwindigkeit, mit einem umfassenden Sicherheitskonzept, durchgängige Sendungsverfolgung über die gesamte Transportkette.

Impfstofftransporte als Königsdisziplin

Genau wegen solchen Anforderungen sind laut Thomas Schleife, geschäftsführender Gesellschafter von Transco Berlin Brandenburg, „Impfstofftransporte die Königsdisziplin in der Pharmalogistik“. Im Zuge von Corona ist demnach das mediale Interesse an den Transporten ungewohnt groß – „aber das war durchaus positiv, wir haben alle auch gezeigt, dass Logistik systemrelevant ist“, sagte Schleife beim ACD-Forum.

Minus 80 bis plus 25 Grad auf einem Fahrzeug

Das Thema Impfstofftransport, so der Pharmalogistiker, wird künftig eine eigene Dimension erhalten. Wer plane, in den Bereich einzusteigen, müsse sich bewusst sein, dass dies sehr kostenintensiv sei. „Sehr hohe Warenwerte, auch Rohware geht schon in Millionenhöhe“, machen den Bereich auch, nicht zu unterschätzen auch der „psychologische Wert“. Es brauche „High Class-Dienstleister“, eine fünf Minuten-Abweichung sei schon ein Thema,

Während der Impfstoff als Bulkware meist per Luftfracht aus Asien kommt, nur im Vor- und Nachlauf per Lkw befördert wird und die Herausforderung dabei die Rückführung der Spezialcontainer sei, haben Straßentransporteure meist das Fertigprodukt, das verimpft wird, an Bord ihres Lkw. Herausforderung dabei seien zum einen die verschiedenen Temperaturen auf dem Fahrzeug, von -80 bis + 25 Grad, aber das Training der Fahrer und auch die Kontrolle. Dafür brauche es daher ein eigenes Management, um den hohen Qualitätsanforderungen, dem schnellen Tempo und dem großen Verantwortungsgrad gerecht zu werden.

Kapazität für Gläser, Stopfen, Kanülen

Und nicht beiseitelassen dürfe man zudem Material wie Gläser, Stopfen, Kanülen, Beipackzettel, für die ebenfalls ausreichend Kapazität zur Verfügung gestellt werden müsse. Und Laut Schleife ist das Thema noch lange nicht beendet, „bis 2023/2024 sind Verträge zwischen den Bundesländern und Herstellern“ im Gespräch, „es wird noch eine Menge kommen, und auch eine Menge an Anforderungen“.

Rechtliche Vorgaben schützen Qualität

Dazu gehören auch rechtliche Rahmenbedingungen und Vorgaben, über die Andreas Fuchs, Rechtsanwalt der Kanzlei Arnecke Sibeth Dabelstein aus Frankfurt aufklärte. Alle zielen demnach auf eine Vermeidung der negativen Beeinflussung der Qualität und dem Schutz vor unbefugten Zugriff hin, zudem soll so vermieden werden, dass gefälschte Arzneimittel in Umlauf gebracht werden. „Rollenverteilung klar gestalten, um Risiken für Dienstleister zu vermeiden“, so der Tipp des Rechtsexperten, der insbesondere auf die unterschiedlichen Haftungsbedingungen beim Transport und bei der Lagerung einging.

Hohes Diebstahl- und Zugriffsrisiko

Die Besonderheit bei den aktuellen Impfstofftransporten sind demnach nicht nur das hohe Risiko für Auftraggeber durch den hohen Warenwert, sondern auch das zusätzliche Risiko durch Diebstahl und Störung durch Impfgegnern.

Fuchs riet daher dazu, die besondere Rahmenbedingungen rund um die Impfstofflogistik festzulegen – etwa zu Temperaturkorridore und -kontrollen sowie die Dokumentation, zur Verwendung geeigneter Verpackung und einer Vorkühlung, unter Umständen dem Nachfüllen von Trockeneis und anderer operativen und technischen Anforderungen.

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