Abenteuer Eurasien

Was Fahrer in der Zukunft erwartet

Abenteuer West-Ost, vom Atlantik zum Pazifik, Teil II, Russland, Sibirien, Jakutien, Magadan. FF 4/2019. Foto: Richard Kienberger 26 Bilder

Ein ungewöhnlicher Roadtrip – Teil 2: Unser Autor wollte den Doppelkontinent Eurasien am Stück durchqueren. Fast 26.000 Kilometer ist er auf seiner Reise vom Atlantik zum Pazifik in gut zwei Monaten gefahren. Zwischen Cabo da Roca und Magadan traf er Fahrer und Unternehmer, die gerne erzählten, wie sie arbeiten, was sie gerade bewegt oder was sie von der Zukunft erwarten.

Wenn man von Finnland über die Grenze nach Osten fährt, ist das nicht nur wegen der Schlagbäume eine völlig andere Erfahrung als die Grenzübertritte auf dem Weg von Portugal nach Finnland. Schon unmittelbar nach dem Grenzbereich herrschen, salopp gesagt, russische Sitten auf den Straßen – und die sind, man kann es leider nicht anders ausdrücken, ziemlich brutal. Die im Internet zu findenden Statistiken sind zum Teil veraltet, zum Teil werden unterschiedliche Zahlen angegeben. Grob lässt sich allerdings sagen, dass das Risiko, in Russland bei einem Verkehrsunfall zu sterben, rund viermal höher ist als in Deutschland (die Angabe bezieht sich auf den statistischen Wert Verkehrstote/100.000 Einwohner). Schwere Unfälle mit Lkw scheinen dabei zuzunehmen. Die zahlreichen Plastikblumengebinde am Straßenrand erzählen die gleiche Geschichte ohne Statistik, und ich sehe zahlreiche Unfälle. Glücklicherweise komme ich unter dem Strich mit einer geborstenen Windschutzscheibe davon.

Abenteuer West-Ost, vom Atlantik zum Pazifik, Teil II, Russland, Sibirien, Jakutien, Magadan. FF 4/2019. Foto: Richard Kienberger
Trucker-Romantik: Solange das Fahrzeug problemlos läuft, haben die Straßen in der sibirischen Endlosigkeit durchaus ihre romantischen Momente.

Fahren in Russland ist vor allem im Winter ein hartes Geschäft

Ein Truck ist nach einem Frontalzusammenstoß so zerstört, dass ich erst später beim Sichten der Fotos am Computer ein Detail so groß ziehen kann, dass die Marke erkennbar wird. Kein Wunder, denn in Mitteleuropa wäre das Gros der russischen Trucker den Führerschein schnell los: 110 km/h bergab, zwei oder drei Meter "Mindestabstand" zum Vordermann, rechts überholen auf Abbiege- und Einfädelspuren oder bergauf vor einer Kuppe noch mal auf die linke Spur wechseln – alles ganz normal, ganz alltäglich auf den Straßen der Föderation. Fährt man dagegen als Fremder in eine der Tankstellen, die häufig als "Einbahnstraße" angelegt sind, von der falschen Seite ein, hagelt es direkt Protest. Fahren in Russland ist vor allem im Winter ein hartes Geschäft, sogar wenn der Lkw problemlos läuft. Dann sitzen die Chauffeure im T-Shirt oder ganz armfrei im knappen Muskelshirt (vielleicht ist das sogar die Mehrzahl) hinter dem Lenkrad. Komplettiert wird das typische Erscheinungsbild mit einer Jogginghose oder gemütlichen Beinkleidern mit Camouflagemuster, einer Zigarette im Mundwinkel und dem Mobiltelefon am Ohr. Eine Freisprechanlage oder etwas Ähnliches scheinen die wenigsten Fahrer zu haben beziehungsweise zu benutzen. Gleichmütig dirigieren sie ihre Trucks über vereiste, spiegelglatte Straßen. Immer möglichst nah am erlaubten Maximum von 90 km/h, das Wetter macht da meistens keinen großen Unterschied. Manchmal hat man den Eindruck, dass sie es zumindest in den Ebenen ignorieren. Wenn es die Leistung hergibt oder eine schöne Bergabpassage zusätzlichen Schub liefert, darf es zwischendurch gerne auch mehr sein.

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