Abenteuer Adria

Unterwegs von Triest nach Split

Abenteuer Triest - Split, FF 6/2018, Kroatien, Italien. Foto: Felix Jacobi 17 Bilder

Viele Fernfahrer kennen die Autobahn entlang der italienischen Adria. Wie aber sind die Straßenverbindungen auf der anderen Seite des Mittelmeeres, in Kroatien?

Als der "Eiserne Vorhang" Europa noch in Ost und West teilte, war die italienische Hafenstadt Triest so etwas wie das südöstliche Ende des Westens. Dahinter kam Jugoslawien: eine sozialistische Republik mit etwas mehr als einer Viertelmillion Quadratkilometer Fläche. Anfang der 90er-Jahre zerfiel dieser, vom einstigen Partisanenführer und Staatsgründer Josip "Tito" Broz mit Waffengewalt geeinte Vielvölkerstaat in seine ethnisch-religiösen Bestandteile. Um die neuen Grenzen gab es in der Folge erbitterte kriegerische Auseinandersetzungen, oft begleitet von grausamen Massakern, ethnischen Säuberungen und Vertreibungen.

Abenteuer Triest - Split, FF 6/2018, Kroatien, Italien. Foto: felix jacoby
Die altehrwürdige Hafenstadt Triest (o.) ist von Italien aus das Zugangstor zur östlichen Adria. Von hier ein kurzes Stück durch Slowenien ist es nicht weit bis zu den Autobahnen und Küstenstraßen, die die kroatischen Küstenstädte miteinander verbinden.

Von Triest nach Slowenien sind es nur einige Kilometer

Heute sind die Länder Slowenien und Kroatien Teil der Europäischen Union, und der Weg entlang der östlichen Adria gehört zur E 65, die über knapp 4.000 Kilometer vom schwedischen Malmö ins griechische Chania führt. Seit 2005 geht das hier auch praktisch durchgehend über eine Autobahn, davor stand nur eine schmale Landstraße für diese Etappe zur Verfügung. Aber der Reihe nach: Triest, eine schöne und geschichtsreiche Stadt mit rund 200.000 Einwohnern und Hauptstadt der italienischen Provinz Friaul/Julisch Venetien, hat vom Verlust des Grenzstatus zwischen West und Ost stark profitiert. Aufwind hat dadurch auch der Tiefwasserhafen der Stadt bekommen, an dem selbst die größten Containerfrachter der Welt ihre Ladung umschlagen können. Auffällig sind hier die vielen Lastwagen aus der Türkei, dazwischen sogar welche aus dem Iran, für die Triest über den Fährhafen die Zufahrt zu den europäischen Ländern ist. Einen gegen Gebühr bewachten Lkw-Parkplatz gibt es an der Straße "Molo Fratelli Bandiera".

Jahrhundertelang gehörte die Stadt zum österreichisch-ungarischen Habsburger Reich, das hat prächtige Bauten und feine Kaffeehäuser hinterlassen. Im Hafen legen derzeit auch viele europäische Kriegsschiffe an, die im Mittelmeer operieren. Von hier aus nach Slowenien sind es nur einige Kilometer, genau dieses kurze Teilstück der N 8 ist aber für Lastwagen ab 7,5 Tonnen gesperrt. Deswegen nimmt man stattdessen eine Schnellstraße in Richtung der Hafenstadt Koper und biegt von dort dann Richtung Rijeka ab. Das zwingt trotz der Kürze der Länderquerung dazu, sich mit den Besonderheiten des slowenischen Mautsystems auseinanderzusetzen, das gerade reformiert wurde (Info: www.darsgo.si). Außerdem ist die slowenische Polizei ziemlich aktiv, was Verkehrskontrollen und Radarmessungen betrifft.

Abenteuer Triest - Split, FF 6/2018, Kroatien, Italien. Foto: Felix Jacoby
Gewarnt wird besonders vor den Wildschweinen, doch auch Braunbären und Wölfe kommen in den Ausläufern der Karstgebirge vor.

Im Winter wird es im Hinterland auch schnell mal ungemütlich

Nur knapp 30 Kilometer weiter kommt mitten in der Landschaft die slowenisch-kroatische Grenze in Sicht, und zwar noch eine mit richtigen Kontrollen und Wartespuren für Lastwagen. Hier ist auch Schluss mit dem Euro, an kleinen Buden kann man sein Geld in die Landeswährung Kuna wechseln. Für einen Euro bekommt man in der Summe ungefähr das Siebenfache. Die nächste größere Stadt entlang des Weges ist Rijeka. Sie liegt malerisch in einer Bucht und war in der Antike als bedeutender Piratenhafen gefürchtet. Heute dümpeln an der Mole die Jachten von Multimillionären und große Fischerboote. Unweit des Zentrums bauen Werften Handelsschiffe und Fährkatamarane. Traditionell besitzen sowohl Österreich als auch Ungarn hier eigene Zollfreigelände am Wasser. Die Stadt hat 130.000 Einwohner, in der Umgebung leben noch einmal so viele. Jetzt kann man sich mit dem Lkw entscheiden, entweder die Autobahn zunächst Richtung Zagreb zu nehmen und später in weitem Schwenk wieder an den Küstenstreifen auf Höhe Zadar zurückzukommen.

Die Schnellstraße läuft hervorragend, befindet sich in gutem Zustand und selbst die Raststätten sind meist nicht so zugeparkt. Allerdings wird es im Winter im Hinterland auf 600 Meter Höhe auch schnell mal ungemütlicher als unten am Meer. Bezahlt werden kann noch klassisch am Kassenhäuschen, sogar mit echtem Personal, aber die großen Kartenanbieter DKV und UTA bieten auch Onboard-Bezahlsysteme an. Oder man nimmt von Rijeka jene Nationalstraße 8, in den 60er- und 70er-Jahren direkt an der Küste entlang gebaut, die berüchtigte "Jadranska Magistrala", die insgesamt auf 640 Kilometern von Slowenien bis nach Bosnien-Herzegowina führt. Als es noch keine Autobahn gab, rollte hier unaufhaltsam dichtester Verkehr durch, auf extrem kurvigen Straßen ohne Pannenstreifen und häufig mit schroffen Felswänden als Einfassung links und rechts. Hinzu kamen entweder verrückt gewordene oder notorisch wagemutige Fahrer, die ständig für endlosen Stress und eine schrecklich hohe Zahl an Verkehrsunfällen auf der Jadranska Magistrala sorgten.

Abenteuer Triest - Split, FF 6/2018, Kroatien, Italien. Foto: Felix Jacoby
Typisch für Zadar (o. r.) sind größere Fischereiboote, auf denen viele Männer ihr Brot verdienen.

Der neue Hafen von Zadar ist Anlaufpunkt für kleinere Fährschiffe

Heute ist die Strecke dagegen harmlos geworden, weil kaum noch starker Verkehr herrscht. Das Land ist dünn besiedelt, insgesamt gibt es nur etwas über vier Millionen Kroaten. Ab der Ortschaft Zengg ist die Straße für Lkw eigentlich gesperrt, von hier führt eine Querverbindung zur Autobahn. Das scheint aber nicht viele der Fahrer zu beeindrucken, auch auf dem untersagten Stück weiter bis Zadar sind einige Fernlastzüge unterwegs. Bei der Ortschaft Policnik, kurz vor Zadar, kreuzen sich Autobahn und Nationalstraße, hier liegt die einzige Rastanlage, die den Begriff Truckstop verdient. Das Restaurant und die Tankstelle sind rund um die Uhr geöffnet. Zadar selbst ist ein Seebad, dessen Altstadt mit alten Festungsgebäuden auf einer Insel liegt. Die Stadt hat rund 75.000 Einwohner, wird aber täglich von Scharen asiatischer Touristen mit ihren unverzichtbaren Selfiesticks heimgesucht. Der neue Hafen von Zadar ist einer der Anlaufpunkte für kleinere Fährschiffe, denn vor der Küste der dalmatinischen Landschaft liegen Hunderte von Inseln, manche winzig, manche mehrere Hundert Quadratkilometer groß. Je weiter man die Küste hinab fährt, desto schroffer wird das Kalksteingebirge im Hintergrund.

Weiter von hier trennen sich Autobahn und Landstraße wieder weiträumig. Heute dürfen hier an der Küste nur noch Anlieger mit großen Lastwagen entlang. Das ergibt vor allem im Sommer Sinn, denn dann beherbergen die zahllosen Campingplätze Massen von Touristen, die alle die schmale Straße als Verkehrsader benutzen. Der Fremdenverkehr ist bekanntermaßen einer der wichtigsten Wirtschaftszweige von Kroatien. Ein feiner Ort für eine Pause ist der kleine Ort Sibenik, mit einer einladenden Strandpromenade und einer begehbaren Festung. Nicht weit davon liegt der Nationalpark von Krka mit seinen vielen Wasserfällen. Hier wurde im frühen letzten Jahrhundert die systematische Elektrifizierung mit Naturkräften von einem Ingenieur namens Nikola Tesla vorangetrieben, der heute anderen Zukunftsprojekten seinen Namen gibt. Vor Split wird die N 8 vierspurig und führt in die Stadt mit 168.000 Einwohnern und einer prächtigen Altstadt, in der es täglich lebendige Märkte und eine prächtige Festung gibt. Aber auch hier wird man an Kriege erinnert, die noch keine drei Jahrzehnte zurückliegen. Allein in Split sind beim Kampf um die Loslösung von Jugoslawien fast 700 Soldaten ums Leben gekommen. Wunderbar, dass man die östliche Adria heutzutage wieder in Frieden entlangfahren kann!

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 06 2018 Titel
FERNFAHRER 06 / 2018
5. Mai 2018
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FF 06 2018 Titel
FERNFAHRER 06 / 2018
5. Mai 2018
Unsere Experten
Jan Bergrath, Experte für Fahrerthemen Jan Bergrath Journalist
Harry Binhammer, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Harry Binhammer Fachanwalt für Arbeitsrecht
Aktuelle Fragen Telefonieren am Steuer Ist es strafbar, wenn ich am Steuer Gebäck in Form eines Smartphones an mein Ohr halte? Polizei Sind alle Polizisten Beamte? Warentransit Schweiz Gibt es für den Transitverkehr durch die Schweiz für bestimmte Waren Beschränkungen?
Kostenloser Newsletter
Newslettertitel Jetzt auswählen und profitieren

Maßgeschneidert: Die neuen Themen-Newsletter für Transportprofis.

eurotransport.de Webshop
Web Shop Content Teaser Der neue Webshop für die, die es bringen.

Truckliteratur, Lkw-Modelle, Merchandising und mehr.

WhatsApp-Newsletter
Whatsapp Logo Nachrichten direkt aufs Smartphone

eurotransport.de bietet jetzt einen kostenlosen WhatsApp-Newsletter.