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Zertifizierung: Alles im Fluss

Zertifizierung: Selbst Experten haben noch nicht alle Antworten zum ThemaCO2-Fußabdruck. Das zeigte ein runder Tisch für Nachhaltigkeit der HochschuleHeilbronn.

Seit dem ersten Treffen auf Initiative von Prof. Dr. Dirk Lohre vom Institut für Nachhaltigkeit in Verkehr und Logistik an der Hochschule Heilbronn sind einige Jahre vergangen. Zuletzt wurde es etwas still um die kleine, aber feine Gesprächsrunde. Jetzt will Initiator Lohre den Geist wieder aufleben lassen: "Das Thema Grüne Logistik hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt." Zweimal jährlich wollen sich deshalb Logistiker, Spediteure, Wissenschaftler und Experten aus der Branche zum Informationsaustausch treffen.

CO2-Fußabdruck steht im Mittelpunkt

Bei der siebten Zusammenkunft stand der CO2-Fußabdruck von Unternehmen und Transporten und dessen Berechnung im Rahmen der neuen EU-Norm 16258 im Mittelpunkt. Wie um einen Mythos ranken sich darum noch viele Fragen, die selbst durch den Fachvortrag von Claudia ­Grabenstedt, Projektleiterin bei Dekra Consulting, nicht allesamt ausgeräumt werden konnten. Der französische Gesetzesvorstoß, der CO2-Berechnungen auf Transporte nach Frankreich ab 1. Oktober 2013 zwingend vorschreibt, hat den Druck auf die Branche erhöht, aber auch für Unsicherheit gesorgt. Müssen beispielsweise auch Schienentransporte ihren Carbon-Footprint vorweisen? Sollen bei der Berechnung alle Fahrzeuge einer Spedition einbezogen werden oder reicht es, eine repräsentative Auswahl zu treffen? Nach welchem System soll berechnet werden und wie lässt sich dieses im Arbeitsablauf automatisch verankern?

Fahrzeugdaten der eigenen Flotte zu messen, sind die Kür

"Die Zuteilung auf ein Stückgut, eine Sendung, eine Transportleistung oder eine Fracht sorgt bei manchem für Kopfzerbrechen", sagt Expertin Grabenstedt. Sie rät dazu, sich für einen Weg zu entscheiden und diesen konsequent zu gehen. Dabei müssen alle Verkehrsträger einbezogen und die Fahrzeuge nach Kategorien aufgeteilt werden. Der Umschlag muss (noch) nicht berechnet werden. Fahrzeugdaten der eigenen Flotte zu messen ist laut Grabenstedt die Kür. Alternativ können Fahrzeugwerte über ein Jahr erhoben oder aus dem Handbuch für Emissionsfaktoren des Straßenverkehrs (www.hbefa.net) übernommen werden. Bei Transportdienstleistern könne auch ein Durchschnittswert der Flotte erhoben werden. "Es sind die wenigsten, die genau messen können", beruhigte Grabenstedt. Außerdem variieren die Daten je nach Jahres- und Tageszeit, bei Staus und schlechtem Wetter liegt der Verbrauch höher.  Auch die erlaubten Einheiten unterscheiden sich: nach Palettenkilometer, Tonnenkilometer oder Verkehrsleistung. Ein großer Nachteil für den Kunden: Durch die verschiedenen Messmethoden ist ein Vergleich der CO2-Werte verschiedener Transportdienstleister nur bedingt möglich.

Transportkette Tür-zu-Tür überprüfen

Sich mit anderen beim CO2-Ausstoß zu messen hat für den ­Leiter des Bereichs Consulting bei Cargo­line, Peter Räuchle, keine Priorität. Vielmehr geht es der Frachtkooperation darum, die eigene Entwicklung für die gesamte Transportkette Tür-zu-Tür zu überprüfen: "Spannend wird sein zu sehen, wo stehen wir nach einem Jahr? Was tun wir aktiv, um den CO2-Ausstoß zu senken", sagte Räuchle.

Nachdem die Kooperation in einem 18 Monate dauernden Prozess mit viel interner ­Überzeugungsarbeit die Berechnung auf den Weg gebracht hat, ist ein erstes Etappenziel erreicht: "Wir haben CO2-Sendungs­ta­bellen erstellt für jeden Partner. Die Treibhausgasbilanz der Kooperation nach DIN EN ISO 14064 ist fertig, das druckfrische Zertifikat ist da", freut sich Räuchle. Für Sommer 2013 sind neue Messungen geplant.
Außerdem will Cargoline in die CO2-Kompensation einsteigen. "Das Thema wird derzeit kritisch diskutiert. Die Meinungen in der Kooperation gehen sehr weit auseinander", sagt Räuchle. Eine Grundvoraussetzung sei, dass für die Kompensation ein soziales oder ökologisches Projekt vor der Haustür gefunden wird. Ein weiteres Ziel hat sich Cargoline bereits gesteckt: die Zertifizierung nach ISO 16258.

Contargo berechent den CO2-Ausstoß pro befördertem Container

Beim Spezialisten für multimodale Containertransporte Contargo wird der CO2-Ausstoß pro befördertem Con­tainer berechnet – vom ersten Anfassen bis zum letzten Abladen inklusive Handling an den Terminals, obwohl diese laut ISO 16258 nicht eingerechnet werden müssten. Doch sie verursachen laut Vertriebschefin Kristin Kahl immerhin fünf bis acht Kilo CO2 pro Transport. "Der Umschlag ist für uns ein wesentlicher Bestandteil des Transports", sagt Kahl. Für die Kundenwahl sei der Wert noch nicht aus­schlaggebend, sondern der Preis. Nur japanische Kunden hätten bisher konkret nachgefragt. Die Kunden seien zur Hälfte Spediteure, 40 Prozent Reeder und weitere zehn Prozent Endkunden.

Rhenus will eigenen Umweltbericht erstellen

Als nächstes Ziel will das Rhenus-Tochterunternehmen einen eigenen Umweltbericht erstellen. Ein Nachhaltigkeitsteam kümmert sich außerdem darum, dass bei Lichtquellen LED-Technik verwendet und regenerative Antriebe auch bei Schiffen getestet werden. "Die Schiffe brauchen bei uns die meiste Energie", erklärt Kahl. Slow Steaming sei dabei eine Möglichkeit, den Verbrauch zu senken. Auch das Thema Gasantrieb und ein Förderprojekt für CO2-freie Schiffe habe Contargo zurzeit in der Pipeline. Beim Thema Nachhaltigkeit bleibt eben alles im Fluss.

Der Runde Tisch

Zum siebten Mal trafen sich Branchenvertreter zum runden Tisch für Nachhaltigkeit in Logistikunternehmen. Der Ort des Geschehens: die ETG Entsorgung und Logistik Göppingen, die neben den Speditionen Wackler, Fritz Hänsel und Garant Teil der Schwarz-Gruppe sind. Rund 30 Teilnehmer waren dabei, einige mehr wollten laut Organisator Prof. Dirk Lohre kommen. "Wir wollen den intimen Charakter der Veranstaltung bewahren", warb er für Verständnis, dass mancher Interessent nicht kommen konnte. Der nächste runde Tisch soll in einem halben Jahr stattfinden. Das Thema ist noch offen, doch CO2-Kompensation ist ein Kandidat dafür.

Portrait

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Rathmann

Datum

21. Februar 2013
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