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Wettbewerb: Umzugsspeditionen stehen unter Druck

Die Betriebe sind  einem erheblichem Druck durch unfairen Wettbewerb ausgesetzt. Seit Jahren verschlechtern sinkende Preise und Umsätze ihre Situation. Das geht aus einer neuen Marktbeobachtung des Bundesamts für Güterverkehr hervor.

Die Schattenwirtschaft ist weiter auf dem Vormarsch. Das trifft laut einer Marktbeobachtung des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) auch auf den gewerblichen Umzugsmarkt in Deutschland zu. Große Teile des Marktes sind bei jenen Klein- und Kleinstunternehmen angekommen, die außerhalb der Vorschriften des Güterkraftverkehrgesetzes (GüKG) im Graubereich operieren. Sie mieten die benötigten Fahrzeuge meist nur an, verfügen über keine oder nur wenige festangestellte Mitarbeiter und ignorieren die gesetzlichen Markt-Zugangsbedingungen.

Oft fehlen Zuverlässigkeit, Leistungfähigkeit und Fachkunde

Persönliche Zuverlässigkeit, finanzielle Leistungsfähigkeit und die notwendige Fachkunde fehlen oft genauso wie die Güterkraftverkehrserlaubnis, wenn Fahrzeuge über 3,5 Tonnen benutzt werden. Allenfalls liegt eine Anmeldung als Kleingewerbetreibender vor, oft aber sind Schwarzarbeit sowie Scheinselbstständigkeit angesagt. Anmeldungen zur Krankenkasse sowie zur Sozialversicherung fehlen ebenfalls, Sozialabgaben werden nicht abgeführt.

Unternehmen sind meist nicht versichert

Und versichert sind diese Unternehmen meist auch nicht, weil Kleingewerbetreibende nicht der Versicherungspflicht unterliegen. Im Schadensfall kommt also weder eine Güterschaden-Haftpflichtversicherung noch die übliche Spediteurhaftung zum Tragen, sodass die Kunden gegebenenfalls auf ihren Forderungen sitzen bleiben.

BAG-Bericht bringt Licht ins Dunkel

Wenigstens etwas Licht in dieses Dunkel bringt der neue BAG-Bericht »Umzugsver-kehre in Ballungsgebieten«, auch wenn er nur das Segment der privaten Umzüge in den Metropol-Regionen Berlin, Hamburg und Köln beleuchtet. Danach verzeichnete der gewerbliche Umzugsverkehr in den vergangenen Jahren erhebliche Mengen und Leistungsrückgänge und entwickelte sich zuletzt schlechter als der Gesamtmarkt. 

Marktanteil der professioneller Umzugsfirmen sank um mehr als 30 Prozent 

Nach Angaben des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik (AMÖ) sank der Marktanteil der professionell aufgestellten Umzugsunternehmen mit eigenem Equipment und festangestelltem Personal in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 30 Prozent. Auch die Wirtschaftskrise ist nicht spurlos an der Umzugsbranche vorbeigegangen, wie der BAG-Report unterstreicht.  Selbst von der anschließenden gesamtwirtschaftlichen Erholung konnte der überwiegend klein- und mittelständig-familiär geprägte gewerbliche Umzugsverkehr in Deutschland nicht profitieren. Es sieht also alles andere als rosig aus für die »Möbler«. Das gilt besonders für jene gewerblichen Unternehmen, die aufgrund ihrer Kostenstrukturen eher im mittleren und höheren Preisbereich anzusiedeln sind. Sie sind häufig nicht mehr wettbewerbsfähig, ziehen sich deshalb aus dem Markt zurück und konzentrieren ihre Aktivitäten auf andere Geschäftsfelder. Die ließen aufgrund einer höheren Komplexität sowie unterschiedlicher Qualitätsanforderungen eine bessere Rendite erwarten, heißt es.

Marktanteil dubioser Geschäftemacher fehlt

In dem Bericht fehlt allerdings die Angabe zum Marktanteil der dubiosen Geschäftemacher. Auch eine Aussage darüber, inwiefern sie den Wettbewerb beeinflussen, ist seitens des BAG nicht möglich. Nahezu alle in die Untersuchung einbezogenen Gewerbevertreter hätten dazu keine beziehungsweise nur sehr eingeschränkte Informationen, ist in dem Werk zu lesen.

Einsatz großer Fahrezeuge unbekannt

Unbekannt ist darüber hinaus, inwieweit diese Marktteilnehmer größere Fahrzeuge einsetzen. Auf Basis dieser unvollständigen Erkenntnisse lässt sich für das BAG »nicht  abschließend beurteilen, ob eine Erhöhung der Markteintrittsbarrieren zu einem spürbaren Absinken des Wettbewerbsdrucks auf dem privaten Umzugsmarkt führen würde«. Genau das aber fordert das Gewerbe seit Jahren. Und nach EU-Recht sei das auch möglich, heißt es bei der AMÖ. Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer (CSU) solle daher die Marktzugangsschranke für Umzugstransporte auf zwei Tonnen absenken. Damit können künftig grundsätzlich alle Umzugstransporte unter gleichen Bedingungen durchgeführt und die Verbraucher geschützt werden. »Der Bundesverkehrsminister hat hier mit einer einfachen Gesetzesänderung ein effektives Mittel in der Hand, erhebliche Marktverwerfungen zu korrigieren und Schwarzarbeit zu unterbinden«, erklärt AMÖ-Geschäftsführer Dierk Hochgesang gegenüber trans aktuell.

Internet-Plattformen gewinnen an Bedeutung

Für die Vermittlung von Umzugsanfragen gewinnen spezielle Internet-Plattformen zunehmend an Bedeutung. Je nach Geschäftsmodell vermitteln die Umzugsportale Kundenanfragen entweder zu einem festen Preis oder bei Auktionsmodellen zu einem bestimmten Prozentsatz des Netto-Umsatzvolumens. Dabei variiert die Höhe der zu Vermittlungsprovisionen an die jeweiligen Plattformbetreiber zurzeit angeblich noch erheblich, stellt der Bericht fest. Nach Einschätzung des BAG zeichnen sich die verschiedenen Portale auch durch eine unterschiedlich hohe Seriosität der Angebote aus. Während einige Plattformbetreiber zum Beispiel großen Wert auf die sachliche Darstellung der geleisteten Umzugsunternehmen legen und sich einschlägige Dokumente wie Güterkraftverkehrserlaubnis oder Versicherungszertifikat vorlegen lassen, begnügen sich andere laut BAG-Bericht mit einer Selbstbestätigung der Unternehmen, über die einschlägigen Voraussetzungen zu verfügen.

STATISTIKEN FEHLANZEIGE

Amtliche Statistiken zur Größe der Umzugsmärkte in Berlin, Hamburg und Köln liegen nicht vor. Allerdings gibt es sogenannte Wanderungsstatistiken mit Angaben zu Zuzügen, Fortzügen sowie Binnenwanderungen innerhalb des Stadtgebietes. Danach erfolgte etwa in Berlin in den Jahren 2008 und 2009 mit 57 beziehungsweise 55 Prozent mehr als die Hälfte der Einwohnerwanderungen auf innerstädtischem Gebiet. In Hamburg lagen die Anteile bei rund 38 beziehungsweise 37 Prozent und in Köln bei 41 und 43 Prozent.

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Datum

20. Dezember 2011
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