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Weniger Unfälle: Transporter fahren sicherer

Seit 2001 gehen die Unfallzahlen mit Transportern zurück. Welche Auffälligkeiten ergeben sich aus Crashs mit Kleinlastern? Und welche Konsequenzen sind daraus zu ziehen? Das geht aus einer Studie hervor, an der Dekra mitgewirkt hat.

Wer ihn vor der Haustüre sieht, freut sich, weil dann meist ein Päckchen kommt. Wer ihn aber im Auto im Rückspiegel erkennt, ist darüber meist nicht glücklich. Noch immer genießt der Transporter einen zweifelhaften Ruf. Die Fahrer gelten als Raser und Drängler. Zwar ist es einige Jahre her, dass von rollenden Zeitbomben die Rede war, sich der Verkehrsgerichtstag mit diesen Fahrzeugen befasste und Forderungen nach Tempolimits laut wurden. Doch auch heute hat der Kleinlaster nicht unbedingt die höchsten Sympathiewerte. Dabei ist der Transporter besser als sein Ruf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, an der die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), der Verband der Automobilindustrie (VDA), die Unfallforschung der Versicherer (UDV) und die Sachverständigenorganisation Dekra mitgewirkt haben. Der Transporter erfülle seine Aufgaben auf dem gleichen Sicherheitsniveau wie der Pkw oder der Lkw, erklärte Dekra-Vorstandsmitglied Clemens Klinke beim Vorstellen erster Studienergebnisse auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Die Unfallforscher haben für ihre Studie 1.637 Transporter- und 14.866 Pkw-Unfälle im Zeitraum von 1997 bis 2009 ausgewertet. Eine ausführliche Präsentation der Ergebnisse ist für das nächste Jahr geplant.

Grund zur Sorge gab das Unfallverhalten von Transportern vor allem bis ins Jahr 2001. Da erreichte die Zahl der bei Crashs mit Kleinlastern Getöteten mit 132 einen traurigen Höhepunkt. Seitdem seien die Todeszahlen von Jahr zu Jahr gesunken, erklärte Klinke. Betrachtet hat er dabei die Klasse von 2,8 bis 3,5 Tonnen. Waren 2001 von 1.000 zugelassenen Fahrzeugen noch 15,9 in Unfälle verwickelt, sank die Quote 2008 auf 11,8. Zwar schneidet der Pkw mit 9,4 Unfallbeteiligten im Jahr 2008 besser ab. Doch weisen Kleinlaster nach Dekra-Angaben deutlich höhere Fahrleistungen auf. Sie liegen mit 21.100 Kilometern im Jahr um rund 50 Prozent über denen von Pkw. Dass sich die Unfallzahlen von Transportern bis 2001 erhöht haben, führen die Unfallforscher vor allem darauf zurück, dass seit 1997 immer mehr Kleinlaster auf die Straße kamen. »Von 1997 bis 2009 ist der Bestand von 164.000 auf 672.000 Fahrzeuge gestiegen«, so Dekra-Mann Klinke, der gleichzeitig dem Geschäftsbereich Dekra Automobil vorsteht. Dies entspreche einer Zunahme um 310 Prozent, verdeutlichte er. Nach Untersuchungen der BASt sind vor allem jüngere und ältere Fahrer überdurchschnittlich häufig in Unfälle verwickelt – das gilt auch bei Kollisionen mit Transportern. Während Führerscheinneulinge vornehmlich als Abstandssünder oder Raser Unfälle verursachen, kommt es bei älteren Fahrern häufiger zu Fehlern bei der Vorfahrt, beim Wenden oder gegenüber Fußgängern.

Um Letztere zu schützen, sind nach Dekra-Auffassung in der Konstruktion nur bedingt Verbesserungen zu erzielen. Klinke warnte ausdrücklich davor, die Fahrzeuge stärker und stabiler zu machen. Das würde seiner Auffassung nach die Sache eher verschlimmern – gerade Pkw als Unfallgegner würden dann noch größere Probleme bekommen.
Das Unternehmen setzt stattdessen auf eine so genannte gemeinsame Interaktionszone, die vor allem bei Frontalunfällen gute Dienste leisten soll. Sie kann angeblich verhindern, dass die bauartbedingten Höhenunterschiede von Pkw und Transportern zu einem Über- oder Unterfahren führen, was für die Insassen oft besonders verhängnisvoll endet.
Aber auch an anderen Hebeln will Dekra ansetzen. Einmal legen noch immer zu wenige Fahrer den Gurt an. Je nach Ortslage schwanke die Anschnallquote zwischen 74 und 83 Prozent. Eine bessere Schulung der Fahrer und ein Warnton könnten hilfreich sein, argumentiert Dekra-Vorstandsmitglied Klinke. Überhaupt müsse der Fahrer seiner Ansicht nach viel stärker im Umgang mit Fahrzeug und Ladung geschult werden. Viele unterschätzen die Gefahren ungenügend oder ungesicherter Ladung noch immer.
Zu guter Letzt können auch Assistenzsysteme nach Ansicht der Unfallforscher viele Leben retten. Den größten Effekt versprechen sie sich vom Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP). Sieben bis acht Prozent der Transporterunfälle könnten durch Einsatz von ESP positiv beeinflusst werden, heißt es. Klinkes Fazit: »Es gibt trotz der bereits vorhandenen Fahrzeugsicherheit noch genügend Verbesserungspotenzial.«

Ausgezeichnete Ideen
Viele empfinden Ladungssicherung (Lasi) als lästig und zeitraubend. Dekra wollte den Beweis antreten, dass sich mit der richtigen Methode nicht nur das Gut clever sichern lässt, sondern sich auch noch eine Entlastung für die Fahrer und die Firmenkasse ergibt. Deshalb hat die Sachverständigenorganisation einen Wettbewerb initiiert und sich auf die Suche nach pfiffigen Ideen begeben. »Wir haben Wert auf Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit gelegt«, sagte der Dekra-Verantwortliche Matthias Stenau bei der Prämierung auf der IAA. Elf Firmen hatten sich am Lasi-Award 2010 beteiligt. Eine fünfköpfige Jury wählte die drei besten Vorschläge aus. Sieger ist Franz Elting, Chef des Blechverarbeiters Elting, der das System Variosafe entwickelt hat. Es handelt sich um ein flexibles Sicherungssystem mit Einsteckrungen, das sich auch für ungewöhnliche Formen eignet. Dekra wird das System – für Elting kostenfrei – zertifizieren. Platz zwei geht an den Trailerhersteller Schmitz Cargobull, der ein System zur Sicherung von Baustahl entwickelt hat. Dritter wurde die Firma 2 FS mit der Lösung Vario Schiene, die sich auch für das Sichern von Teilladungen eignet.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Datum

15. März 2011
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