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Wachstum mit der Arzneibranche: Kühne + Nagel baut Pharmanetzwerk auf

Innerhalb von fünf Jahren hat der Logistikdienstleister Kühne + Nagel ein spezielles Pharma-Netzwerk in Europa aufgebaut. An sieben Standorten finden entsprechende Cross-Docking-Aktivitäten statt. Es ist der Bereich im Landverkehr mit den höchsten Zuwachsraten.

Eine schwere Schiebetür versperrt den Weg in die geheimnisvolle Kammer. Stefan Paul schiebt sie mit einer kräftigen Handbewegung nach links und gibt den Blick frei ins Innenleben. Zum Vorschein kommen Kartons auf Paletten, die gefüllt mit Pillen, Kapseln und Spritzen sind. Es sind Arzneimittel jeder Art, die der Logistikdienstleister Kühne + Nagel (KN) in Mainz bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad lagert. Die modular aufgebaute Kühlzelle wurde in ein Bestands-Hub integriert und nach den GDP-Richtlinien zum Umgang mit Pharmaprodukten zertifiziert.

Angesichts der frischen Temperaturen schleust Paul seine Gäste schnell in die nächste Kammer, wo es bei 15 bis 25 Grad angenehm temperiert ist. Dem für den Landverkehr zuständigen  Geschäftsleitungsmitglied bei Kühne + Nagel International ist die Freude an der Lagerführung anzumerken. Schließlich präsentiert er einen Lagerumschlagsabschnitt, der widerspiegelt, was KN in den vergangenen fünf Jahren mit Millionenaufwand aufgebaut hat: den Bereich KN Pharma Chain zur Abwicklung von Medizinprodukten.
Dass Paul die Pharmalogistik besonderen Spaß macht, hat seinen Grund. "Wir hatten seit Start des Geschäfts zweistellige Wachstumsraten", berichtet er. 2016 und 2017 werde sich dieser positive Trend voraussichtlich fortsetzen. Absolute Zahlen zu Umsatz, Ergebnis oder dem Anteil am Gesamtumsatz sind Paul nicht zu entlocken. Fest stehe aber, dass KN Pharma Chain das Segment mit der größten Dynamik innerhalb des Landverkehrs darstellt.

KN Pharma Chain nach fünf Jahren am Markt etabliert

Ebenso klar ist für den 47-Jährigen, dass das neue Segment auch strategisch wichtig ist. Innerhalb von fünf Jahren habe sich KN damit am Markt etabliert. Für KN Pharma Chain sind inzwischen etwa 50 Disponenten in Europa im Einsatz, die Umschlagsfläche umfasst rund 20.000 Quadratmeter. "Was Cross-Docking-Aktivitäten, Sendungszahlen und Qualität angeht, sind wir in diesem Bereich sicherlich führend", sagt Paul . Etwa die Hälfte der Blue Chips – also der bedeutendsten Branchenunternehmen – habe man bereits unter Vertrag. 

Der jüngste Coup war der Abschluss eines Fünfjahresvertrags mit dem Pharmariesen Glaxo Smith Kline (GSK) zu Jahresbeginn. Er umfasst die Abwicklung der gesamten Supply Chain in mehr als 100 Ländern, wo es die Warenströme von Lieferanten und GSK-Fertigungsstätten zu Händlern und Patienten clever zu verbinden gilt.

Insgesamt sieben Kühlzellen im Pharma-Netzwerk von Kühne + Nagel

Was den Standort Mainz angeht, hat der dortige Landverkehrschef Jens Köster ein Team von drei Leuten unter Leitung von Stefan Schuler, die sich ausschließlich um KN Pharma Chain kümmern. Eine zweite Cross-Docking-Anlage nach dem Muster von Mainz betreibt KN in Hannover, fünf weitere Zellen befinden sich im Ausland: in Basel, Kopenhagen Luxemburg, Lyon und Wien. In Luxemburg, der zentralen europäischen Drehscheibe für den KN-Pharmabereich, hatte auf 2.000 Quadratmetern alles begonnen.
Philosophie von KN ist es, die Kammern in bestehende Logistikanlagen zu integrieren, um Bündelungseffekte mit dem Landtransport, aber auch mit der Luft- und Seefracht zu erreichen. "Indem wir Pharma-Abfahrten mit denen unseres  europäischen Stückgutnetzwerks kombinieren, können wir unseren Pharmakunden bessere Laufzeiten und höhere Frequenzen ermöglichen", sagt der Mainzer Landverkehrschef Köster.

Kombination mit Stückgut: 200 Bi-Thermo-Trailer im Einsatz

Weil sich Pharmaprodukte und konventionelle Kaufmannsgüter nicht vertragen, müssen sie in der Regel separat gelagert und befördert werden. Einen Ausweg aus diesem Dilemma hat das Logistikunternehmen beim Landtransport gefunden, indem es Bi-Thermo-Trailer einsetzt, die über zwei unterschiedliche Temperaturzonen verfügen. 200 solcher Trailer setzt KN derzeit ein. "Wir benötigen aber noch deutlich mehr, auch aufgrund des neuen Vertrags mit GSK, und werden die Flotte entsprechend aufstocken", kündigt Paul an. 

Was für die Flotte gilt, trifft erst recht auf das Netzwerk zu: Es soll ebenfalls weiter wachsen. Die nächste Pharmazelle ging im Juni in Dubai an den Start, anschließend folgt Südostasien. 30 weitere Standorte sind für die Integration solcher Kammern prädestiniert: KN hat diese bereits nach GDP-Anforderungen zertifizieren lassen, sodass Medikamente dort disponiert werden können. Es fehlen noch die Cross-Docking-Flächen, dann gehören auch diese Standorte zu den auserwählten Hotspots im Spezialnetz KN Pharma Chain.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Autor

Foto

Thomas Küppers

Datum

22. Juni 2016
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