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Ursachenforschung für schwere Lkw-Unfälle

Lkw-Unfälle: Schwachstelle Mensch

Am 19. Juni passiert auf der A 2 einer dieser typischen Unfälle: Zwei Lkw können vor einem Stau noch abbremsen, der dritte rast hinein. Die Zugmaschine gerät in Brand, der rumänische Fahrer stirbt. Am selben Tag beschäftigte sich der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Frankfurt mit der Lkw-Sicherheit. Ist Deutschland als Transitland Nummer eins in Europa besonders gefährdet?

Wie der Unfall passiert ist, kann der Sprecher der Polizei Braunschweig nicht erklären. "Der Unfallverursacher fuhr fast ungebremst in das Stauende und fing sofort Feuer, so dass die Daten des Kontrollgerätes nicht ausgelesen werden können." Sind Brummis eine echte Gefahr auf unseren Straßen? Wie sind die Arbeitsbedingungen für Fahrer? Und gibt es genug Parkplätze für die vorgeschriebenen Ruhezeiten? Das waren die wichtigsten Fragen des 23. DVR-Forums zu den Themen Sicherheit und Mobilität.


Mittlerweile liegen die vorläufigen Unfallzahlen des Statistischen Bundesamts für 2016 vor. Sie sind mit denen aus 2015 fast identisch: Es gab 29.355 Lkw-Unfälle mit Personenschäden, 787 Getötete, 7.342 Schwerverletzte und 32.151 Leichtverletzte. Beteiligt waren 15.004 Lkw bis 3,5 Tonnen, 7.748 Lkw über 3,5 Tonnen und 6.958 Zugmaschinen. Es gab in diesen Gruppen 234, 260 beziehungsweise 350 Getötete.

Mehr deutsche Lkw mit Notbremssystem

Dr. Erwin Petersen von der Landesverkehrswacht Niedersachsen ging der Frage nach, ob ausländische Lkw öfter in Unfälle verwickelt sind als inländische. Während 2015 auf den Autobahnen in Niedersachsen mehr Unfälle von deutschen Lkw verursacht wurden, habe sich das Blatt 2016 gewendet. Petersens Vermutung für die Verschiebung der Unfallverursacher: In Deutschland sind mittlerweile mehr Lkw mit Notbremssystemen ausgestattet als in Osteuropa. Alles in allem liegt aber die Ausstattungsquote nach seinen Schätzungen in ganz Europa nur bei rund 30 Prozent.

Zwei Drittel aller Unfälle mit Personenschäden unter Beteiligung von Lkw werden auch von diesen verursacht. Für die Autobahnpolizei Köln spricht Hauptkommissar Tom Fiala für 2016 mit einem Anstieg um 127 (4,3 Prozent) von einem schlimmen Rekord. Die mögliche Ablenkung der Fahrer durch Handy oder Tablet nehme eine immer größere Bedeutung bei der Unfallanalyse ein.

Monotonie führt zu Langeweile und Unterforderung

Dr. Axel Malczyk von der Unfallforschung der Versicherer sieht ebenfalls die monotone und routinierte Fahraufgabe, die zu Langeweile und Unterforderung führen kann, als ein großes Problem. Der Fahrer wird unaufmerksam, er lenkt sich mit fahrfremden Tätigkeiten ab, hält zu wenig Sicherheitsabstand und unterschätzt insgesamt das Unfallrisiko.

Fiala ist sich zudem mit Stefan Thyroke von der Gewerkschaft Verdi darin einig, dass die Lkw-Fahrer zunehmend überlastet sind: Zeitdruck durch kaum noch planbare Touren, der digitale Tacho, eigentlich zum Schutz des Fahrers entwickelt, zwingt ihn in ein Korsett aus Lenk- und Ruhezeiten, das durch den nächsten Stau schon Makulatur ist. Bei Umsatzrenditen der Frachtführer von ein bis zwei Prozent, so Spediteur Christopher Schuldes, könne etwa bei Komplettladungen der Ausfall einer Tour in der Woche schon rote Zahlen für den Lkw bedeuten.

"Diesen Druck nimmt der Fahrer die ganze Woche mit", sagt Fiala. Schuldes wie auch Andreas Lüer, der für den Werkverkehr beim Unternehmen Bauking spricht, setzen daher auf Schulungen. Lüer und Ralph Feldbauer von der Allianz bauen ferner auf einen ganzheitlichen Riskmanagement-Ansatz. Unfallprävention heißt dabei das Zauberwort.

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4. Juli 2017
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