WLS Fahrsicherheitstraining Zoom

Spedition WLS: Trainieren statt riskieren

Die Spedition WLS sorgt für die Sicherheit ihrer Fahrer und bietet ihnen kostenlose Fahrtrainings an. trans aktuell hat sie einen Tag lang beim ADAC im thüringischen Nohra begleitet.

Die Spedition WLS sorgt für die Sicherheit ihrer Fahrer und bietet ihnen kostenlose Fahrtrainings an. trans aktuell hat sie einen Tag lang beim ADAC im thüringischen Nohra begleitet.

Steffen Richter fährt mit seinem Lkw die schneebedeckte Straße bergab auf eine enge Kurve zu, er bremst und lenkt, doch die Zugmaschine schiebt weiter geradeaus – in den Gegenverkehr. An diesem Samstag geht dieses Szenario gut aus, denn es handelt sich um eine Übung. Richter ist mit 19 seiner Kollegen der Spedition WLS aus Ichtershausen beim ADAC-Fahrsicherheitstraining in Nohra, um das korrekte Verhalten in Gefahren­situationen zu trainieren.

Wie verhält man sich richtig beim Bergabbremsen bei Nässe und Glätte? Zunächst erklärt der Trainer das passende Vorgehen. Dann geht es zum Praxistraining, bei dem jeder Fahrer seinen eigenen Grenzbereich und den des Lkw ausloten kann. Eine weitere Übung behandelt das zu schnelle Einfahren in eine Kurve, wie es täglich auf der Straße vorkommen kann. Doch was ist zu tun, wenn der Lkw untersteuert?

Im Vorgespräch der Übung sagt ein Teilnehmer: "Gas geben, um den Zug wieder gerade zu kriegen." Ein anderer Fahrer probiert es mit: "Gas weg, um Geschwindigkeit abzubauen." ADAC-Fahrtrainer Joachim Reum klärt auf: "Sofort Gas weg und kurz und knackig in die Bremse! Ein harter Bremsschlag ist hier richtig." Im Laufe des Trainings gibt es bei vielen Fahrern Aha-Momente – und das ist gewollt.

"2010 haben wir mit den ersten Modulen zur Berufskraftfahrer-Qualifikation angefangen, damals haben wir unsere Fahrer von externen Firmen etwa im Eco-Bereich und  bei der Ladungssicherung schulen lassen", sagt Andreas Mischorr, Leiter der Aus- und Weiterbildung bei WLS in Ichtershausen. 2012 gab es die ersten In-Haus-Schulungen zum Thema Fahrsicherheitstechnik, allerdings nur als theoretische Schulung. Seit diesem Jahr führt das Unternehmen unter dem Motto "Trainieren statt riskieren" die Übungen  in der Praxis durch. In den nächsten Jahren planen die Thüringer weitere Fahrsicherheitstrainings in Kooperation mit dem ADAC, dann auch mit Auflieger, Anhänger und Beladung.
Das Besondere: WLS übernimmt die Kosten für das Training aller rund 150 Fahrer – immerhin mehrere tausend Euro. Dafür opfern die Fahrer einen freien Samstag im Jahr, um am Training teilzunehmen. Zunächst ist nicht jeder Kollege davon begeistert, nach einer anstrengenden Woche auch am Samstagmorgen wieder auf der Matte zu stehen. Während des Trainings ändert sich die Meinung schnell. Herbert Heyer fährt seit 2001 für WLS und ist vom Training begeistert: "Es ist sehr interessant, mal von außen zu sehen, wie das ESP eingreift und wie man bei verschiedenen Situationen richtig reagiert. Mir bringt es auf jeden Fall was."

Auch Fahrersprecher Steffen Richter nimmt etwas vom Training mit: "Die Reaktionen werden jetzt wohl anders sein. Bergab wäre ich früher an manchen Stellen schneller runtergefahren, da passe ich jetzt sicher mehr auf. Und beim Bremsen werde ich wohl auch nicht mehr so ängstlich sein", sagt Richter und lacht.

Ob Vollbremsungen auf nassem und trockenem Belag, Bremsen in Kurven mit unterschiedlichem Reibwert oder das Ausweichen vor Hindernissen, dargestellt durch Wasserfontänen – die Übungen sollen so praxisgerecht wie möglich sein. Auf die letzte Übung freuen sich die Teilnehmer besonders: Während des Überfahrens zieht eine hydraulische Dynamikplatte blitzschnell die Hinterachse weg und lässt so das Heck ausbrechen. In mehreren Durchgängen bei verschiedenen Geschwindigkeiten üben die Fahrer auf dem nassen Gleitbelag das Gegenlenken.

Das Training ist gegen 16  Uhr beendet. ADAC-Fahr­trainer Joachim Reum, selbst gelernter Berufskraftfahrer und seit 2008 als Trainer im Einsatz, zieht Bilanz: "Es war eine tolle Veranstaltung. Die Teilnehmer waren lernwillig und wollten wirklich Erkenntnisse mitnehmen." Den Trainer freut es nach eigenen Angaben auch immer, wenn die Fahrer hinterher sagen: "Das habe ich noch nicht gewusst und werde jetzt darauf achten." Allerdings sei es nicht immer leicht, den Fahrern zu vermitteln, dass man ihnen nicht das Fahren neu beibringen will. "Unsere Philosophie ist das Bewusstmachen und Sensibilisieren für gefährliche Situationen", sagt Joachim Reum.

Fünf Fragen an Thomas Leimkuhl, Geschäftsführer Spedition WLS

eurotransport.de: Warum bietet WLS seinen Fahrern ein kostenloses Fahrsicherheitstraining?

Leimkuhl: Wir wollen unseren Fahrern die größtmögliche Sicherheit bieten, die wir ihnen geben können. Letztendlich bleibt er Mensch und muss das Fahrzeug steuern, aber wir wollen Grundlagen schaffen, dass er es so sicher wie möglich kann.

Gab es denn in der Vergangenheit schwere Unfälle, die eventuell durch ein Fahrsicherheitstraining hätten vermieden werden können?

In den letzten Jahren gab es zum Glück keine gravierenden Unfälle aus Gefahrensituationen heraus. Also keine Totalschäden oder keine Personenschäden. Die Trainings sollen dafür sorgen, dass es so bleibt.

Seit wann bieten Sie die Trainings für Ihre Fahrer an?

Hier in Thüringen machen wir das Praxis-Training zum ersten Mal, am Standort Steinhagen haben wir vor sechs Jahren zum ersten Mal ein Training gemacht. In Steinhagen ist das sehr gut angenommen worden, und so wie es aussieht, haben die Fahrer hier auch Spaß, sind interessiert und lernen etwas dazu.

Wie halten Sie es mit Fahrerassistenzsystemen im Lkw?

Wir bekommen dieses Jahr 47 neue Fahrzeuge von Volvo und Mercedes und lassen an Fahrerassistenzsystemen alles verbauen, was technisch verfügbar ist. Das ist mir die Sicherheit schon wert.

Unterstützt die Kfz-Versicherung solche Trainings z.B. durch geringere Beiträge?

Die Versicherung lässt beim Einbau von Fahrerassistenzsystemen in neue Fahrzeuge und bei Fahrsicherheitstrainings insofern mit sich reden, dass man bestimmte Rückvergütungen bekommen kann. Aber besonders günstige Versicherungs-Prämien gibt es dafür leider nicht.

Autor

Foto

Mathias Heerwagen

Datum

25. Februar 2014
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