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Qualified Carrier: Aus der Branche – für die Branche

Auf der Transport Logistic in München stellt DQS das Zertifikat Qualified Carrier vor. Es richtet sich vor allem an kleine und mittlere Frachtführer. Dahinter steckt eine beispiellose Zusammenarbeit von engagierten Branchenexperten.

Gunnar Heunisch ist Zentralleiter Qualitäts- und Umweltmanagement bei der Zufall Logistics Group. Während die Geschäftsleitung in der Zentrale in Göttingen die Jahrespressekonferenz mit glänzenden Zahlen abhält, führt Heunisch in der größten Niederlassung in Fulda eine Gruppe engagierter Branchenexperten durch das Intratnet des Unternehmens und gibt dabei einen beeindruckenden Einblick in die perfekte Unternehmensführung. Zufall hat viele fest integrierte Frachtführer, Frachtführer, die immer wieder eine Ladung übernehmen und solche, die eine Fracht über den Spotmarkt bekommen haben und dann nie wieder an der Rampe gesehen werden. "Ich habe viel Herzblut für meine Aufgabe", sagt Heunisch, "und ich hoffe, dass ich in der Arbeitsgruppe des Qualified Carriers dazu beitragen konnte, wieder ein Stück mehr Qualität und vor allem Transparenz in die Logistik zu bringen. Und für einen Teil unserer Frachtführer könnte ich mir sogar eine Zertifizierung vorstellen."

Arbeitsgruppe von Branchenexperten

Vor nunmehr einem Jahr lud Wolfgang Engel, Leiter Competence Center Logistics bei der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung, DQS, eine Gruppe engagierter Branchenexperten aus der Logistik zu einem ersten Gespräch ein. Er wollte ein neues Zertifikat speziell für kleine und mittelständische Speditions- und Transportunternehmen entwickeln, für die Firmen also, für die etwa die ISO 9002 oder andere Zertifizierungen zu umfangreich und vor allem zu teuer sind. Zum erlauchten Kreis zählen Qualitätsexperten von Nellen & Quack The Green Line, Hoyer, Emons, Zufall, dem BDKep und der Logistik Initiative Hamburg, die parallel dazu ihr eigenes Internetbewertungsportal auf Selbstbewertungsbasis Fair Truck entwickelte. In mehreren intensiven Sitzungen wurde schließlich ein Fragenkatalog mit 40 Punkten entwickelt, den die Auditoren Punkt für Punkt mit dem Unternehmensverantwortlichen durchgehen. Große Hilfe war dabei auch das erste Probeaudit bei der Spedition Hüer in Münster, bei dem noch wichtige Punkte für den Fragenkatalog ausgearbeitet wurden. Hüer hat danach als erster deutscher Frachtführer überhaupt das Zertifikat Qualified Carrier Excellence erhalten.

Zwei Zertifikate

Alles im Betriebsauflauf wird überprüft – von der finanziellen Leistungsfähigkeit, den vorhanden Genehmigungen, den Arbeitsverträgen mit den Mitarbeitern, sowohl Fahrer als auch Lageristen, der Umgang der Disposition mit den Fahrern, die Schadensquote, die Unfallverhütungsmaßnahmen und letzten Endes eben die Zuverlässigkeit des Frachtführers. KO-Kriterien wie ungesetzliche Löhne oder häufige Verstöße gegen die Sozialvorschriften sind in der Checkliste ebenfalls enthalten. Aus allen Antworten ermitteln die Auditoren eine prozentuale Bewertung. Bei 85 Prozent positiver Antworten wird das einfache Zertifikat Qualified Carrier ausgestellt, bei über 95 Prozent gibt es den Qualified Carrier Excellence. "Damit wollen wir die Unternehmen, die noch etwas mehr als das Übliche tun, also etwa Tariflöhne zahlen, auch besonders hervorheben", so Wolfgang Engel. "Der Aufwand des Audits hängt ein wenig von der Unternehmensgröße ab und dauert vier bis sechs Stunden, wenn alle notwendigen Papiere beim Audit vorliegen. Den Katalog mit den Fragen bekommt das Unternehmen im Vorfeld."

Spedition Plietker ebenfalls zertifiziert

Die Idee ist bestechend: Die Partner aus der verladenden Wirtschaft können sich anhand des Zertifikats sicher sein, dass der Frachtführer zuverlässig arbeitet und nicht schon oder bald den Banken gehört, die Fahrer wissen, dass sie einen sicheren Arbeitgeber haben, der sie gut behandelt und leistungsgerecht bezahlt. Als zweites Unternehmen ist mittlerweile die Plietker Transport Logistik aus Gronau mit dem Qualified Carrier zertifiziert, der eigene Frachtführer mit rund 35 Lkw aus der Nellen & Quack Gruppe, die unter dem Namen The Green Line operiert. Qualitätsmanager Daniel Waanders, ebenfalls Mitglieder der Arbeitsgruppe, war vom Audit überzeugt: "Vor allem hinsichtlich der Dokumentationsplicht konnten wir uns im Nachgang zum Audit verbessern." Spezialisierte Unternehmensberatungen mit Schwerpunkt in der Logistik Logistik stehen im Hintergrund bereit, wenn der der Unternehmer, der das Audit im ersten Anlauf nicht bestanden hat, seinen internen Ablauf verbessern möchte. Das Audit inklusive des Zertifikats kostet 1.490 Euro. 

Präsentation auf der Transport Logistic

Auf der Messe Transport Logistic stellt DQS (Gemeinschaftsstand mit Fair Truck in Halle B 3/ 209-310) den Qualified Carrier nun erstmal als ausgereiftes Produkt vor. Das Interesse im Vorfeld ist bereits groß. Logistiker denken schon darüber nach, ihre Frachtführer, auch aus Osteuropa, durch DQS zertifizieren zu lassen. Die Frachtenbörse Wtransnet aus Spanien mit Büro in Deutschland würde in Zukunft gerne nur mit DQS-qualifizieren Frachtführern zusammenarbeiten. Sogar der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung, BGL, der wiederum sein Gütesiegel des Trusted Carriers, das für mehr Sicherheit in der Lieferkette sorgen soll, ist nach intensiven Vorgesprächen in Frankfurt an einer Zusammenarbeit interessiert, wie Pressesprecher Martin Bulheller schreibt: "Am 10.5. gibt es eine gemeinsame Pressemeldung von DQS und BGL zur geplanten Kooperation bei Trusted Carrier und Qualified Carrier. Es sollen überprüfte Unternehmensdaten gegenseitig anerkannt werden, so dass für die betreffenden Transportunternehmen der Zugang zum jeweils anderen Qualitätssystem erleichtert wird." Wolfgang Engel und sein Projektleiter Sebastian Brehm, vorher Qualitätsmanager bei der Hoyer Group, ist zuversichtlich, dass hier Kunden gewonnen werden können. "Der Trusted Carrier basiert ebenfalls auf einer Selbstverpflichtung des jeweiligen Unternehmens. Wir können durch unsere Audits die Zuverlässigkeit überprüfen. Ganz nach dem Motto: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser."

Autor

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Jan Bergrath

Datum

5. Mai 2017
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