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Personal 4.0: Fahrerberuf wird sich verändern

Die Digitalisierung prägt die Arbeitswelt, mit gravierenden Folgen für Berufsbilder in Transport und Logistik.

Ob man will oder nicht – die Digitalisierung der logistischen Arbeitswelt schreitet unaufhaltsam voran. In der Logistik steht der Umbruch noch bevor. Welche Auswirkungen und Chancen dies für die Logistik- und Transportunternehmen und ihre Mitarbeiter mit sich bringt, darüber diskutierten kürzlich rund 120 Teilnehmer beim Branchentreff HR-Summit 2016 in Frankfurt.

Wimmer fordert: Wandel mitgestalten

Klar ist jetzt schon – mit der Digitalisierung steigen die Anforderungen an eine stärker konzeptionell ausgerichtete Personalarbeit in der Branche. "Wir müssen den Wandel gestalten", forderte  Prof. Dr.-Ing. Thomas Wimmer, neues Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung Logistik (BVL), die Zuhörer auf, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. "Die Digitalisierung ist nicht so groß, wie man glaubt", damit einher gehen auch die Vernetzung zum Kunden, ein effizientes Retourenmanagement oder die Chancen der Kontraktlogistik.

Fest steht für Wimmer: "Wir brauchen eine Informationslogistik zur Zukunftssicherung." Die Digitalisierung und direkt damit verknüpft die Automatisierung der Arbeitswelt wird auch Jobs in Lager und Transport stark verändern – und tut dies jetzt schon. Manche Berufsbilder macht die Entwicklung schlicht obsolet.

Fahrer besser qualifizieren

Im Fokus ist "nicht der Super-Niedriglohn-Bereich, aber die Lkw-Fahrer", sagte dazu Prof. Kai-Oliver Schocke von der Frankfurt University of Applied Science. Ein Schutz für den Job sei hierbei: "Je besser qualifiziert ich bin, desto stärker ist der Nutzen fürs Unternehmen." Das gelte auch für Staplerfahrer, ergänzte die Personaltrainerin Elke Wasser (Logistic Training Center): "Wir brauchen gut ausgebildete Staplerfahrer, die komplexe Systeme verstehen können." In der Logistik 4.0 sieht sie die Chance, dass Arbeitsplätze auch für junge Leute interessanter werden.

Fachkräftemangel erfordert ungewöhnliche Wege

"Personal ist unser wichtigstes Gut", sagte die Frankfurter IHK-Vizepräsidentin und Möbelspediteurin Susanne Freifrau von Verschuer. In ihrem Unternehmen H&C Fermont hat der Fahrermangel bereits sehr konkrete Auswirkungen: "Wir schaffen dieses Jahr nur zwei statt vier neue Lkw an." Freie Stellen bleiben oft drei Monate unbesetzt, was dem schwierigen Ruf der Möbelspediteure und den teils unattraktiven Arbeitsbedingungen geschuldet sei.

Doch Jammern hilft nicht. "Wir müssen zukünftig vermehrt ungewöhnliche Wege gehen, um Fachkräfte zu gewinne", fordert die Geschäftsführerin. Es gelte, potenzielle Mitarbeiter auch unter Flüchtlingen, Quereinsteigern und Schulabbrechern zu gewinnen, was zunächst Zeit und Energie kostet, sich aber am Ende lohnt.

Wie tief die Digitalisierung die Logistikwelt bereits durchdrungen hat, darüber waren die Teilnehmer des HR-Podiums verschiedener Meinung. "Sie hat bei uns längst begonnen", sagte dazu Markus Bappert, Geschäftsführer von Ludwig Meyer. "Das reicht von Track & Trace bis hin zur bedarfsgerechten Aus- und Weiterbildung mittels unserer E-Learningplattform."

Wann kommt der Lkw ohne Fahrer?

Webbasierte Lösungen sind verfügbar und werden auch genutzt. Probleme bereiten aber noch fehlende Standards bei digitalen Schnittstellen, etwa zwischen Logistikdienstleister und Kunden. Sie stören den reibungslosen Informationsfluss und verursachen Kosten und händiscches Nacharbeiten, beispielsweise mit den guten alten Excel-Tabellen.

Fahrerlose Mobilität kommt – nur wann? Auch hier gehen die Meinungen zwischen Praktikern auf der einen und Forschung auf der anderen weit auseinander. "Kein Lkw wird wahrscheinlich völlig allein von A nach B fahren", zeigte sich Spediteur Markus Bappert noch kritisch, während Dr. André Kavai, Geschäftsführer Rhein-Main-Verkehrsverbund, mit einer "einer Übergangszeit von zwanzig Jahren" rechnet. So lange wird es nach Meinung vieler Fahrzeugexperten nicht mehr dauern. Und dann? Werden Päckchen allein auf die Reise durch die CO2-freie Innnenstadt geschickt? Fahren Container im Konvoi mit einem Fahrer im ersten Fahrzeug auf der Autobahn? Und welche Auswirkungen hat das auf die Arbeitsplätze in der Logistik?

Gleichzeitig quetschen sich mehr und mehr Fahrzeuge in den vorhandenen Raum – überall und mit immer längeren Staus. Gleichzeitig kämpfen Unternehmen – nicht immer erfolgreich – um Fachkräfte. Und diese müssen sich mit dem Wandel anders qualifizieren.
"Was macht gute Personalarbeit aus?", jetzt in Zeiten von Industrie 4.0, fragte der Wissenschaftler Schocke. Seine Studie "Handlungsfelder der Personalarbeit" gibt darauf Antworten. Etwa diese, dass 58 von 70 befragten Unternehmen (83 Prozent) seit fünf Jahren erheblichen anstrengen müssen, um ihren Personalbedarf zu decken.

Attraktive Arbeitgeber pflegen ihr Image

Für potenzielle Bewerber tragen drei Faktoren maßgeblich zur Attraktivität eines Arbeitsgeber bei: Image, Zukunftssicherheit und Entwicklungschancen. Wer es also schafft, hier zu punkten, hat gute Chancen, seine Stellen zu besetzen.

Dazu braucht es eine aktive und kreative Personalabteilung, eine Strategie, Qualifizierungsmöglichkeiten und eine gute Atmosphäre – "denn Mitarbeiter suchen einen Arbeitgeber, wo sie sich wohlfühlen", so Schocke. In der Logistik warten nach Schockes Ansicht viele zu lange ab, "der Umbruch durch Industrie 4.0 steht noch bevor – mehr Speed ist nötig". Doch Best-Practise-Beispiele zeigten, dass sich gute Personalarbeit auszahlt. "Sie haben es selbst in der Hand", und dabei entscheidet nicht zuerst die Größe des Unternehmens.

 Faktoren für eine erfolgreiche Personalarbeit 4.0
  • Mittelständisches Unterehmen muss sich in einem starken Marktumfeld behaupten
  • Mitarbeiter sind sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber
  • Weiterbildung hat hohe Priorität
  • Soziale Faktoren sind wichtig, Investitionen in ein positives Arbeitsumfeld
  • Personalabteilung setzt sich intensiv für Mitarbeiterbindung ein

Quelle: Frankfurt University of Applied Science

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Daimler

Datum

22. Juni 2016
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