Nachhaltigkeit, Kooperation 24 Plus, Isabella Kirschbaum von Transco und Matthias Schork von Wüst 5 Bilder Zoom

Nachhaltigkeit: Gemeinsam stark

Was ist ökologisch sinnvoll? Darüber diskutieren Peter Baumann, Chef der Kooperation 24 Plus, sowie die beiden Speditionsgeschäftsführer Isabella Kirschbaum von Transco und Matthias Schork von Wüst im Redaktionsgespräch mit trans aktuell.

Früher war alles besser? Oder zumindest anders? Mitnichten. Denn auch wenn die Begrifflichkeiten Nachhaltigkeit und Grüne Logistik noch recht jung sind – entsprechende Bestrebungen gibt es, seit es Speditionen gibt. "Natürlich hat in der Gesellschaft ein Bewusstseinswandel stattgefunden – und das ist auch gut so", sagt Peter Baumann, Geschäftsführer der Stückgutkooperation 24 Plus. Allerdings hätten Logistiker schon immer wirtschaftlich handeln müssen. "Und das ist meist gleichzeitig auch ökologisch sinnvoll." Das Bündeln von Verkehren also ein alter Hut.

24plus erfasst Kennzahlen und wertet sie aus

Ein Wandel hat allerdings an anderer Stelle stattgefunden: "Wir sind mittlerweile in der Lage, bestimmte Kennzahlen zu erfassen und auch auszuwerten", erklärt Baumann. Das Ergebnis hat die Kooperation eben erst auf der Messe Transport Logistic in München vorgestellt.

Doch nicht nur 24 Plus mit seinen 66 Partnerunternehmen ist hier dran. Auch beim Wettbewerber VTL verhält sich das nicht anders, berichtet Matthias Schork, Geschäftsführer der Spedition Wüst mit Sitz im fränkischen Weißenburg. Die Kooperation hatte den Vorstoß zur CO2-Erfassung bereits vor zwei Jahren gewagt.

Die Bemühungen, Sprit und damit CO2 zu sparen, gehen bei der Spedition Wüst aber noch weiter zurück. So misst das Unternehmen mit seinen rund 50 eigenen Lkw seit Jahren die Verbrauchswerte mittels Fleetboard, der Telematik aus dem Hause Daimler. "Noch wichtiger ist allerdings, dass wir einen Fahrertrainer haben, der sich immer wieder neben hin setzt und Tipps gibt", erzählt Schork. Fleetboard helfe dem Fahrer dann lediglich dabei, den Verbrauch zu halten, indem die Fahrweise bewertet wird.

Das Messen von CO2-Emission ist nicht kundengetrieben 

Den Zwang, Verkehre zu bündeln, sieht auch er. Der Druck käme allerdings nicht seitens der Verlader, sondern schlicht aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit. Auch das Messen der CO2-Emissionen sei nicht kundengetrieben, erklären die Redaktionsgäste unisono.

Druck kommt da eher aus der Politik. Man denke nur an die Idee einer CO2-Emissionssteuer. Hier kann auch Isabella Kirschbaum, Geschäftsführerin der Transco-Gruppe mit Sitz in Konstanz nur beipflichten. Mittels Telematik, übrigens ebenfalls Fleetboard, und dem Transport-Management-System Transware One von CSD, behält sie den Überblick. Die eigene Flotte mit dient dabei allerdings eher als Anschauungsobjekt. "Tatsächlich wollen wir unsere Subunternehmer für die Telematik gewinnen", berichtet sie. Da die reinen Frachtführer allerdings sehr kostensensibel reagieren, will die Transco-Chefin ihnen zeigen, dass sich mittels IT die Kosten sogar senken lassen – und geht daher mit gutem Beispiel voran.

"Doch auch wenn der Transport sicherlich der größte Hebel ist, so gibt es doch auch noch weitere Möglichkeiten, nachhaltiger zu agieren", sagt Kirschbaum. Viele Dokumente müssten erst gar nicht ausgedruckt werden. Und statt einem Fax könne man eine E-Mail verschicken.

Wechsel von Leuchtstoffröhren zu LED-Beleuchtung

Ansatzpunkte fernab der Straße sieht auch Peter Baumann. So ist 24plus gerade dabei, im Zentralhub in Hauneck von Leuchtstoffröhren auf LED-Beleuchtung umzurüsten. "Obwohl die neuen Leuchtmittel im Vergleich sündhaft teuer sind, brauchen sie doch wesentlich weniger Strom", sagt er. Also auch an dieser Stelle eine kaufmännische Entscheidung. Baumann geht jedoch davon aus, dass das Einsparpotenzial durch die steigenden Energiepreise aufgefressen wird.

Diese Preisentwicklung hat auch die Spedition Wüst auf den Plan gerufen. "Am Standort Ansbach müssen wir das Lager großflächig ausleuchten, weshalb wir ebenfalls auf LED umrüsten", erzählt Schork. Anders habe sich die Situation in Weißenburg dargestellt. Dort setzt der Logistiker auf eine intelligente Lichtsteuerung, sodass nur die Regalreihen beleuchtet sind, die auch benötigt werden – allerdings ohne LED.

Maßnahmen müssen langfristig angelegt und durchdacht sein

Von der Politik wiederum würden sich die drei Geschäftsführer vor allem eines wünschen: einen Blick, der etwas weiter in die Zukunft gerichtet ist. "Schon der Begriff Nachhaltigkeit impliziert, dass es sich dabei um keine Schnellschüsse handelt, sondern die Maßnahmen langfristig angelegt und durchdacht sein müssen", sagt Baumann. Das sei leider nicht immer der Fall. "Das beste Beispiel ist der Euro-6-Motor, der mehr verbraucht als sein Vorgänger Euro 5", erläutert Schork. Nicht nur für ihn ein Unding.  Schork propagiert zusätzliche Aerodynamik-Maßnahmen, die mit jedem Motor funktionieren –  und hätte hier nicht einmal etwas gegen staatliche Regulierung einzuwenden.

Wenig zufrieden zeigen sich die Praktiker auch mit der Arbeit der Verbände. Da laufe noch zu viel gegen- statt miteinander. Gut zu sehen sei das etwa an der CO2-Berechnung. Da gibt es nun zwar eine Norm, die gibt aber nur einen Rahmen vor und lässt viele Spielräume. "Eine Vergleichbarkeit ist da nicht gegeben", urteilt Baumann – und erntet postwendend Zustimmung.

Wettbewerb um Nachwuchs erfolgt branchenübergreifend

Dennoch sehen sich immer mehr Unternehmer im Zugzwang. Zum einen, um den politischen Vorgaben Genüge zu tun. Zum anderen, um die Außenwirkung zu verbessern. Womit sich der Kreis zur zweiten großen Herausforderung schließt: dem Fachkräftemangel. "Der ist allerdings nicht nur ein Problem in der Logistik sondern überall", erklärt Schork. Daher müsse man sich auch auf einen branchenübergreifenden Wettbewerb um Nachwuchskräfte einstellen. Die Logistik ist dabei für Interessenten nicht immer die erste Wahl. Denn obwohl sie in Deutschland die drittgrößte Branche in der Volkswirtschaft ist, fristet sie immer noch ein Schattendasein. Zu Unrecht, da sind sich alle Praktiker sofort einig. "Wir haben interessante und verantwortliche Tätigkeiten und sind darüber hinaus technisch immer auf dem neuesten Stand", sagt Baumann. Allein am Verdienst, der so schlecht nicht sei, könne es nicht liegen. "Wenn sogar die Bundeswehr Leute rekrutieren kann, muss uns das auch möglich sein. Zumal unsere Jobs weniger gefährlich sind", erklärt Baumann mit einem Augenzwinkern.

Ausbildung auch im Ausland

Tatsächlich ist 2pPlus bereits dabei, die Ausbildung attraktiver zu gestalten. So gibt es schon bald die Möglichkeit von Auslandsaufenthalten. "Was der einzelne Mittelständler nicht kann, können wir über unsere ausländischen Partner abbilden", berichtet Baumann.
Leicht ist es allerdings nicht, Mitarbeiter zu werben – und auch zu halten, darin sind sich alle einig. "Mancher stellt sich lieber als angelernter Hilfsarbeiter ans Band, hat wenig Verantwortung und pünktlich Feierabend", berichtet Schork. Als Logistiker brauche man hingegen Menschen, die Einsatz zeigen. Das gelte im gewerblichen wie im kaufmännischen Bereich. Eine besondere Problemlage ist der Fahrerberuf. "Eigentlich müssten wir auf Hauptschüler zugehen. Die sind für den Führerschein allerdings noch zu jung", räumt Schork ein.

Doch wen soll der Spediteur stattdessen ansprechen? Da reicht der lokale beziehungsweise regionale Arbeitsmarkt oft nicht mehr aus. "Deutschsprachiges Personal ist aber ein Muss. Schließlich ist der Fahrer das Aushängeschild eines Unternehmens – gerade beim Kunden", sagt der Wüst-Geschäftsführer.

30 Azubis sind bei Transco beschäftigt

Bei Transco mit Sitz in Konstanz kommt noch die geografische Lage als zusätzliche Problemlage hinzu. "Durch die Nähe zu Schweiz haben wir ein beachtliches Lohngefälle", berichtet Kirschbaum. Trotzdem – oder gerade deswegen – legt das Unternehmen großen Wert auf Ausbildung. Rund 30 Auszubildende sind derzeit bei dem Mittelständler beschäftigt. "Durch Schulungsmaßnahmen und entsprechende Karrieremöglichkeiten versuchen wir zudem, unsere Mitarbeiter an unser Unternehmen zu binden", erklärt Kirschbaum.

Da kann auch der 24 Plus-Chef nur beipflichten, hat die Kooperation doch eigens die 24 Plus Academy als Bildungsträger ins Leben gerufen. Die vermeidet nicht nur, dass durch die "stille Post" bei personellen Veränderungen das Wissen auf der Strecke bleibt. Durch spezielle Online-Angebote können sich die Mitarbeiter der Partnerbetriebe auch weiterbilden. Entsprechend geschulte Mitarbeiter sind zudem zufriedener mit ihrem Job und tragen das nach außen. Auch das war früher sicher nicht anders.

Zu den Personen

Peter Baumann lenkt die Geschicke bei der Stückgut-Kooperation 24 Plus mit Hauptsitz in Hauneck. Dem mittelständisch geprägten Netzwerk gehören europaweit 66 Logistikdienstleister an. 24 Plus bewegt rund 7,2 Millionen Sendungen pro Jahr.

Isabella Kirschbaum kam vor vier Monaten von Wincanton als Geschäftsführerin für den kaufmännischen Bereich zu Transco. Die Transco-Gruppe aus Konstanz beschäftigt an 21 Standorten 500 Mitarbeiter. Neben Stückgutverkehren sowie Teil- und Komplettladungen ist Transco in der Kontraktlogistik sowie in der Luft- und Seefracht tätig.

Matthias Schork ist Geschäftsführer und Mitinhaber der Spedition Wüst in Weißenburg und Ansbach. Das Unternehmen beschäftigt rund 110 Mitarbeiter. Zum Leistungsspektrum gehören neben dem Transport ein Umzugsservice, Lagerservices sowie Mehrwertdienste.

Portraits

Autor

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© Bilski

Datum

12. Juni 2013
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