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Logistik bei 1&1

Schon zugestellt

Der Kommunikationsanbieter 1&1 plant taggleiche Lieferungen noch in diesem Jahr.

Das Objekt der Begierde liegt sorgfältig gestapelt auf einer Palette in einem unteren Regalfach: matt schwarze Verpackung, diskreter Schriftzug. Schon im Vorfeld fieberten ihm viele Fans entgegen. Für das Unternehmen 1&1 war der Termin allerdings eine reine Organisationsfrage – Mitarbeiter mussten ihre Urlaubsplanung nochmals abstimmen, Zeitarbeitskräfte im Logistikzentrum in Montabaur für den Tag X eingestellt werden: dem Vorverkauf des neuen Samsung Galaxy S7-Modells. 13.000 Geräte verschickte 1&1 an diesem einen Tag.

Ein Telekommunikationsunternehmen mit eigenem Logistikzentrum? "Darauf sind wir stolz. Ich kenne kein anderes Unternehmen der Branche, das die Logistik selbst betreibt", sagt Marcell D'Avis, Managing Director bei 1&1. Noch in diesem Jahr will 1&1 sogar Same-Day-Belieferungen anbieten, zunächst in einem Radius von 150 Kilometern um Montabaur – in den Genuss kommen also Kunden aus Köln oder Frankfurt. Später soll der Service sukzessive ausgeweitet werden.


Für die Belieferung wäre dann aber nicht mehr das Logistikzentrum in Montabaur zuständig, sondern sogenannte Logistiksatelliten, also Partnerunternehmen, die das Logistikkonzept übernehmen und von 1&1 dafür alles Notwendige – Hard- und Software, Know-how – zur Verfügung gestellt bekommen. "Das verschafft uns die notwendige Flexibilität beim Aufbau des Same-Day-Service", sagt D’Avis.

Im Rahmen des fünfteiligen Leistungsversprechens, das 1&1 seinen Kunden gibt, haben zwei einen direkten Bezug zur Logistik: "1 Nacht und Ihre Bestellung ist da" sowie "1 Tag und ein defektes Gerät wird vor Ort ausgetauscht" heißen die Prinzipien. Die Logistik ist damit direkt in die Vermarktung eingebettet, die als ein Alleinstellungsmerkmal von 1&1 die Servicequalität bewirbt. "Weil wir aus diesem Servicegedanken heraus die gesamte Kette von der Bestellung bis zum Kunden in unserer Hand haben wollen, verantworten wir die Logistik selbst."

Erst 2015 hat 1&1 sein Logistikzentrum um 1.400 auf rund 5.000 Quadratmeter erweitert und inklusive Inventarisierung dafür rund sechs Millionen Euro in die Hand genommen. "Wir platzten aus allen Nähten", begründet Logistikleiter Ralf Nagel den Neubau, der bei laufendem Betrieb und ohne Substitutionsstandort erstellt wurde.

Neue Förderanlage

Heute arbeiten im Logistikzentrum rund 100 Mitarbeiter im Zweischichtsystem von 6 bis 23 Uhr. Neben dem Wareneingang, in dem neben Direktbelieferungen direkt von den Herstellern in Fernost auch Sendungen von Distributoren ankommen, gibt es jetzt getrennte Bereiche für die Warenbevorratung und das Pick und Pack. Nicht ohne Stolz zeigt Logistikleiter Nagel die neue Förderanlage des Standorts sowie zwei neue Kartonaufrichter, die bis zu 20 Kartons pro Minute schaffen.

Geschwindigkeit und Kapazität sind in der 1&1-Logistik ein großes Thema. Rund fünf Millionen Sendungen hat das Logistikzentrum im vergangenen Jahr abgewickelt, bei einem jährlichen Sendungszuwachs von 20 Prozent. Durch die neue Förderanlage sind 28.000 Aufträge am Tag möglich. "Noch ist die Anlage nicht ausgelastet und eine zweite Ebene ist noch frei. Somit haben wir eine Gesamtkapazität bis zu sieben Millionen Sendungen", sagt D'Avis.

1&1 arbeitet rein als Direktvertrieb: Kunden bestellen über das Internet oder eine Telefonhotline, etwa einen neuen Router, ein Tablet oder Handy mit dazugehörendem Vertrag. 30 Minuten nach Bestelleingang landet der Auftrag im Logistikzentrum, wo die Mitarbeiter die Sendungen anschließend auf einem Kommissionierwagen zusammenstellen.

An diversen Arbeitsinseln verpacken weitere Mitarbeiter die Aufträge und versehen sie mit Lieferscheinen. Die Förderanlage bringt die Kartons zum Warenausgang, wo die Sendungen für die Frachtführer – DHL, Hermes und GLS – gebündelt werden. Die holen die Pakete ab, konsolidieren sie in ihren nächsten Frachtzentren und stellen die Sendungen dann über ihre Netzwerke deutschlandweit zu. "Bei einer Spätbestellung steht oftmals der letzte Frachtführer um 22.45 Uhr schon bereit, um das letzte Paket aus den Händen der Mitarbeiter zu empfangen", sagt D’Avis.

Selbst beim Standardversand kommen laut D’Avis bis zu 70 Prozent der Sendungen bereits am nächsten Tag an, ausgenommen in den Randgebieten der Republik. Kunden können aber auch extra den Overnight-Versand buchen – rund 20 Prozent nutzen diesen Service. Seit Dezember bietet 1&1 zudem die Zeitfensterbuchung an, die von 60 Prozent der Overnight-Kunden genutzt werde. Die begehrtesten Zeitfenster sind dabei nicht ab 17 Uhr abends, wie man vermuten würde, sondern die vor 10 Uhr.


Kein Outsourcing geplant

"Die schnelle Auslieferung ist unser USP", sagt D’Avis. Dafür sei Flexibilität eine Voraussetzung – sowohl aufseiten von 1&1 als auch der Frachtführer. Aus diesem Grund komme auch nicht wieder ein Logistikoutsourcing an einen Dienstleister in Frage: "Damals trieben uns immer wieder dieselben Fragen um, neben der Flexibilität etwa Forecasts oder auch vertragliche Themen. Wir sehen unsere Leistungen aber immer aus Kundensicht – und wenn wir mehr und besseren Service anbieten wollen, organisieren wir das am besten selbst."

Für einen wichtigen Teil des Leistungsversprechens sind daher auch die Frachtführer zuständig. "Wir können keine Spätbestellung bis 22 Uhr anbieten, wenn die cut-off time beim Frachtführer 18 Uhr ist", sagt D’Avis.

Entsprechend deren Leistung setzt er den Frachtführer so ein, "dass der Kunde den besten Sevice erhält", sagt D’Avis. Nicht nur haben er und Logistikleiter Nagel über entsprechende Schnittstellen den sofortigen Zugriff auf alle Bestell- und Sendungsdaten, inklusive den Zeitstempeln der tatsächlichen Zustellung an der Haustüre. Monatlich führt das Unternehmen eine Kundenbefragung durch, in der auch die Frachtführer auf dem Prüfstand stehen, mithin bis zur Bewertung von Auftreten und Erscheinung der Kuriermitarbeiter, die ja als Einzige dem Kunden direkt gegenüber treten.

"Logistik ist nicht nur ein wichtiger Teil unserer Wertschöpfungskette. Sie überbrückt auch den wertvollen Moment von der Bestellung bis zur Auslieferung – da ist es uns wichtig, dass hier alles klappt." Nur dann kann der Kunde sein neues, lang ersehntes Smartphone möglichst bald auspacken.

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Ilona Jüngst

Autor

Datum

5. April 2016
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