Drohne von Sitebots Zoom
Foto: Sitebots

Lösungen für die Logistik von morgen: Berlin-Brandenburg unterstützt Start-ups

Die Hauptstadtregion hat den Ruf, kreative Köpfe anzuziehen. Das gilt jedoch nicht nur für die bildenden Künste. Denn in Berlin-Brandenburg gibt es auch eine umtriebige Gründerszene. Einige dieser Start-ups befassen sich wiederum mit Lösungen, die die Logistik in gewissen Bereichen revolutionieren könnten. 

So beschäftigen sich unter anderem die Start-ups Multirotor, Sitebots und Nxtbase technologies mit zukunftsweisenden Lösungen im Transportbereich. Vernetzt sind sie im Cluster Verkehr, Mobilität und Logistik (VML), das als Teil der gemeinsamen Innovationsstrategie der Länder Berlin und Brandenburg Unternehmen und Forschungseinrichtungen über Branchengrenzen hinweg bei der Entwicklung von praxistauglichen Konzepten fördert.

Um den Einsatz von sogenannten unbemannten Luftfahrtsystemen (englisch: Unmanned Aerial Systems = UAS) kümmert sich etwa Multirotor. „Unsere Drohnen-Lösung könnte in der Intralogistik eine Zeitersparnis von bis zu 75 Prozent mit sich bringen“, sagt Multirotor-Geschäftsführer Marian Meier-Andrae im Gespräch mit trans aktuell. Relevant sei die Beschleunigung der UAS etwa für Eilabrufe. Aber auch im Bereich der Datenerfassung und Bestandsüberprüfung könne das den Nutzer entlasten. „Unsere Vision ist es, einen voll autonomen Betrieb – das heißt ohne manuelle Steuerung durch einen UAV-Piloten – zu ermöglichen. Dies schließt vollautomatisches Laden der Akkus ein“, erklärt Meier-Andrae.

Hierzu gebe es bereits diverse Pilotprojekte mit namhaften deutschen Industrieunternehmen. „Allerdings handelt es sich dabei um Forschungsprojekte, die noch keine Serienreife haben“, berichtet der Multirotor-Chef. Die Drohnen sind allerdings durchaus weit gediehen – inklusive der benötigten Peripherie. Dazu gehören die UAV-Stationen (Drone Hangars), welche das vollautomatische Laden der Fluggeräte ermöglicht. Mehr als 900 UAS sind bereits im kommerziellen Einsatz. Damit die Drohne selbstständig Hindernissen ausweichen kann, will  Meier-Andrae das Fluggerät künftig mit unterschiedlichen Sensoren ausstatten. Noch in diesem Jahr stelle sein Unternehmen einen Prototyp fertig, der mit Mitteln aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt wurde.

Drohne von Multirotor ist ans Lagersystem angebunden

Bereits realisiert sind hingegen Schnittstellen zur vorhandenen Systemumgebung der jeweiligen Kunden. Diese binden die Drohnen beispielswiese ans Lager- und Warenwirtschaftssystem oder auch ans ERP an. Dazu hat Multirotor eigens eine Leitstand-Technologie und -software zur Planung, Überwachung und Steuerung der UAV-Einsätze entwickelt, sodass die Daten entsprechend erfasst werden können. Eine UAV-gestützte Inventur sei hingegen – zumindest aktuell – nicht Schwerpunkt der Überlegungen. „Im Intralogistik-Bereich sehen wir größere und schneller zu hebende Potenziale beispielsweise bei der Perimeter-Überwachung, der Freiflächen-Erkennung oder der Verkehrssteuerung, etwa durch die Erstellung von Heat Maps“, erläutert Meier-Andrae.

Die Drohne von Sitebots dient als Aufklärer für den Wachdienst

Ebenfalls in die Luft geht die Lösung von Sitebots. Kein Wunder, dreht sich doch auch dort alles um Drohnen. Diese sind allerdings in Sachen Sicherheit unterwegs. „Ein Wachmann braucht für 1.100 Meter Fußweg rund 18 Minuten, eine Drohne im Vergleich dazu nur drei Minuten“, sagt Sitebots-Geschäftsführer Dr. Sven Enterlein. Zudem seien die Multikopter in weniger als einer Minute einsatzbereit. Hinzu kommen der Abschreckfaktor und die Reichweite von mehr als einem Kilometer.

Ganz ohne Voraussetzungen ist der Einsatz allerdings nicht: „Nach der momentanen Gesetzeslage muss ein Pilot die Drohne immer in Sichtweite haben“, berichtet Enterlein auf Nachfrage von trans aktuell. Folglich müsse entweder das Wachpersonal geschult oder aber ein Pilot gesondert zur Verfügung gestellt werden. Eine Kostenersparnis sieht er weniger im direkten Vergleich mit herkömmlichen Wachpatrouillen. Schließlich schlägt allein ein entsprechend ausgestatteter Multikopter mit rund 30.000 Euro zu Buche. „Vielmehr kann die Kostenersparnis anhand der Vereitelung von Diebstählen oder Sachbeschädigungen gemessen werden“, sagt Enterlein. Des Weiteren werde die Tätigkeit des Wachpersonals aufgewertet, indem die Mitarbeiter eine Flugschulung erhalten.

„Ein sehr attraktives Konzept zur dauerhaften Überwachung mithilfe von Drohnen“ ist nach seinem Dafürhalten die Integration eines Multikopters in ein Netzwerk aus Sensoren, die Eindringlinge oder Unstimmigkeiten melden. Diese Meldungen würden dann von einem Computer ausgewertet und entsprechende Instruktionen an die Drohne übermittelt. Der Multikopter fliegt dann autonom zum Ort der Meldung. „Dort kann dann näher bestimmt werden, was getan werden muss“, sagt der Sitebots-Verantwortliche. Allerdings sei auch an dieser Stelle zu beachten, dass momentan immer ein Pilot bereitstehen muss, um gegebenenfalls eingreifen zu können, sollte die Drohne Probleme haben. Standardmäßig erfolgen Nachtsichtflüge in 50 Meter Höhe. „Personen sind dann als solche zu erkennen. Bei Bedarf kann näher herangeflogen werden“, berichtet Enterlein. Wie gut und detailliert das Bild dann ist, hängt von der Kamera ab. Selbstverständlich könne die Drohne nur als „Aufklärer“ verwendet werden. Im Ernstfall wird dann der Sicherheitsdienst oder die Polizei verständigt, um weitere Maßnahmen einzuleiten.

Auf den Boden der Tatsachen – aber nicht weniger zukunftsweisend – geht’s mit Nxtbase technologies. Hier dreht sich alles darum, die Effizienz in der Intralogistik zu verbessern. Mithilfe von Augmented Reality sollen die Mitarbeiter im Lager bis zu 30 Prozent schneller kommissionieren können.

Im Einsatz ist diese Lösung etwa beim MAN Diesel & Turbo am Standort in Oberhausen. Im Zusammenspiel mit einem Hänel Lean-Lift, einer Art Hochregal-Lager im Schrank, entfaltet die Augmented-Reality-Anwendung von Nxtbase technologies ihre Vorteile. Dabei zeigt eine Datenbrille dem Nutzer den genauen Lagerplatz des angeforderten Artikels an. Nach der Entnahme wird die entsprechende Fachnummer mit dem Handscanner erfasst und das Ganze direkt in SAP gebucht.

SSB Cargo ermittelt mit der Datenbrille von Nxtbase die Höhe der Lkw

An einem Pilotprojekt ganz anderer Art hat das Start-up mit der schweizerischen Güterbahn SBB Cargo gearbeitet. Um die Lkw, die die Rollende Landstraße durch den Gotthard-Tunnel nutzen, vor der Abfahrt auf die maximal zugelassene Höhe von vier Metern zu überprüfen, hat Nxtbase technologies eine mobile digitale Messstation entwickelt. Diese besteht aus einer intelligente Datenbrille oder einem Smartphone mit speziell entwickelter App inklusive eines eigens vom Start-up konzipierten Maßstabs.

Die Mitarbeiter von SBB Cargo können sich damit die vier Messpunkte am Lkw anzeigen lassen und fotografieren die Fahrzeugnummer“, erklärt Jörg Jonas-Kops, Gründer und Geschäftsführer von Nxtbase technologies. Die auf diese Weise ermittelten Werte sowie die digitalisierte Fahrzeugnummer, werden auf eine IoT-Plattform (Internet of Things) übertragen. „Auch diese haben wir selbst entwickelt“, erzählt Jonas-Kops. Der Pilotbetrieb laufe an allen vier Messstationen der SBB Cargo in Freiburg, Basel, Lugano und Novara. Damit wird die Kreativität aus der Hauptstadtregion auch bereits ins Ausland exportiert.

Die Unternehmen

  • Multirotor gibt es seit dem Jahr 2011. Mit elf Mitarbeitern treibt das Unternehmen seine Visionen voran. Die Lösungen kommen beispielsweise bei Trimble, der Polizei Berlin, der Bundeswehr und PKP Cargo zum Einsatz.
  • Sitebots wurde im August 2013 gegründet und hat aktuell acht Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören unter anderem der Flughafen BER, der Logistiker BLG, die Energieversorger Vattenfall und Eon sowie mehrere Stadtwerke.
  • Nxtbase technologies gibt es seit Ende 2013 und beschäftigt derzeit acht Mitarbeiter. Kunden sind MAN, SBB Cargo, der Hamburger Hafen sowie Premium Aerotec.
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Datum

5. Juli 2017
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