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Kreditklemme vermeiden: Solide Finanzanalyse für Bankkredit sinnvoll

Bewertung: Wer bei Banken punkten will, hat unterschiedliche Möglichkeiten. Eine besteht darin, beim Kreditberater mit einer soliden Finanzanalyse aufzuwarten. Creditreform oder die Deutsche Bundesbank bieten Unternehmen solche Checks an.  

Für Hubertus Kobernuss ist das Problem hausgemacht. In vielen kleinen Unternehmen sei die kaufmännische Erfahrung eher gering. Viele Inhaber seien eher technisch versiert. Daher kann der Inhaber der Spedition Jürgen Kobernuss aus Uelzen auch verstehen, dass viele seiner Kollegen über Bankgespräche und die Eigenkapital-Vorschriften von Basel II schimpfen.  »Jeder tut so, als würde er sich auskennen«, sagt Kobernuss. »Dabei ist das gar nicht der Fall.« Schließlich sei das Bewertungssystem der Banken untereinander schon unterschiedlich. Jede habe ihre eigenen Feinheiten. Vor sechs Jahren passte auch die mittelständische Spedition aus Uelzen nicht mehr in das Portfolio der Deutschen Bank und der Commerzbank. Kobernuss wurde gebeten, seine Kredite zurückzuzahlen.  Er wechselte zu den Sparkassen. »Hier werden die Regeln mittelstandsfreundlich ausgelegt«, begründet der Firmenchef seine Entscheidung. Denn: »Wenn jede Bank nach den strikten Basel II-Regeln agieren würde, bekäme kein mittelständischer Betrieb mehr Geld.« Auch bei den Sparkassen sind die Kriterien Kobernuss‘ Erfahrung nach weniger eng gefasst. »Ich punkte mit Struktur und Strategie sowie mit der Nachfolgeregelung«, sagt der Unternehmer. Eine ausreichende Kapitaldecke nach den Basel II-Kriterien hätten die wenigsten kleinen oder mittleren Betriebe. Das Gespräch mit dem Bankberater ist immer noch ein wichtiges Element in den Rating-Gesprächen. Kobernuss, der seit 30 Jahren mit den Banken verhandelt, urteilt: »Früher basierte eine Bewertung zu 100 Prozent auf dem Gespräch mit dem Sachbearbeiter. Heute wird das Unternehmen zu 75 Prozent durch harte Fakten beurteilt – 25 Prozent zählt das persönliche Gespräch. Wenn ich gute Argumente vorbringe, kann ich das Ergebnis gegebenenfalls noch zur positiven Seite kippen.«  Schließlich ist das Gespräch mit dem Bankberater ein Abbild des Führungsstils des Unternehmers. 

Hat sich dieser schlecht vorbereitet und kann keine Argumente für das positive Standing seiner Firma beibringen, spricht das gegen seine Fähigkeiten als Manager. Für ein Strategiekonzept spricht sich auch Willi Kreh aus, Steuerberater und Autor des Blogs dieratingchance.de. »Mit einem guten Strategiekonzept kann man entscheidende Pluspunkte sammeln, die einem schwierigen Kreditantrag den notwendigen Schub verleihen«, schreibt er. Zudem berge es die Möglichkeit, Sachverhalte darzulegen, die mit Hilfe nackter Zahlen nicht zu vermitteln sei. Schließlich solle der Kunde in Betracht ziehen, dass »der Bankberater bestenfalls ein interessierter Laie ist«. Aus diesem Grund bieten sich auch externe Unternehmensratings an. Sie zeigen dem Banker bereits im Vorfeld, wie der Betrieb positioniert ist. »Das Rating liefert der Hausbank eine ausführliche Finanzanalyse des Unternehmens – und das kostenlos und ohne eigenen Arbeitsaufwand«, sagt Dr. Michael Munsch, Vorstand der Creditreform Rating Agentur. Wer sein Unternehmen auf diese Weise bewerten lassen will, muss zunächst jeglichen Papierkram an die Agentur schicken – vom Jahresabschluss bis zur Firmenbroschüre. Ein zweiköpfiges Analysten-Team sichtet die Unterlagen und recherchiert im Internet sowie innerhalb der Branche weitere Informationen. Daraus entsteht die Voranalyse. Dann folgt das Gespräch mit dem Unternehmer.  »Wir empfehlen, dass auch der Kunde sich entsprechend vorbereitet«, sagt Munsch. »Transparenz ist das wichtigste Kriterium bei so einer Analyse.« Auch die Soft Facts – also Managementqualitäten des Chefs, die Wettbewerbsposition oder Nachfolgeregelungen – spielen eine Rolle. »Sie machen die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens aus.«Die Creditreform Rating Agentur bewertet sie mit 50 Prozent und mehr. Das Analyseverfahren besteht nicht aus der reinen Vergabe von Punkten nach bestimmten Gewichtungen wie beim bankinternen Rating. »Die Erfahrung der Analysten und die Einzelfallbetrachtung sind wichtig«, erklärt Munsch. Hat ein Unternehmen gute Zahlen, aber etwa ein schlechtes Fuhrparkmanagement, kann sich dies negativ aufs Gesamtergebnis auswirken. Das Zertifikat wird von Creditreform nur über einen bestimmten Zeitraum ausgestellt – meist ein Jahr. Es kann aber auch projektbezogen erstellt werden. In dem geltenden Zeitraum wird das Unternehmen regelmäßig überprüft. Gegebenenfalls kann das Ergebnis des Ratings dann korrigiert werden. Für ein Jahr wird auch die so genannte Notenbankfähigkeit der Deutschen Bundesbank ausgestellt. Wer an einem solchen Zertifikat interessiert ist, sollte sich nicht von dem großen Namen verunsichern lassen. Die kostenlose Analyse kann jeder bilanzierende Betrieb anfordern. Dabei ist das Einsenden der Jahresabschlüsse der vergangenen zwei Jahre auch dort der erste Schritt. Diese Daten werden automatisch analysiert. Dazu kommen Zahlen, die sich aus anderen Quellen ergeben – der Rechtsform oder dem Alter des Unternehmens. Diese werden in das so genannte Expertensystem gespeist, das bestimmte Kennzahlen den Angaben entsprechend nach oben oder unten korrigiert. 

»Ist das Unternehmen lange am Markt, kann es dazu kommen, dass die entsprechende Kennzahl erhöht wird«, sagt Daniel Koreny, Leiter des Referats Bonitätsanalyse und Wertpapiere bei der Bundesbank.  Sobald das Ergebnis feststeht, wird es auf seine Plausibilität überprüft. Dabei holen die Bundesbank-Mitarbeiter zusätzliche Informationen ein – etwa über die Auftragslage. Verfehlt das Ergebnis knapp eine höher gelegene Rangstufe, wird noch ein weiteres System bedient. Es analysiert weitere Kennzahlen, die in die bisherigen Berechnung nicht mit eingeflossen sind – etwa Umsatzveränderung oder Gesamtkapitalrentabilität. Besteht zusätzlicher Klärungsbedarf, suchen auch die Bundesbank-Mitarbeiter das  Gespräch mit dem Unternehmer. Je mehr positive Informationen vorliegen, desto besser. »Was wir nicht wissen, können wir auch nicht berücksichtigen«, sagt Koreny. Daher sollten sich Unternehmer nicht zugeknöpft zeigen oder Tatsachen verschweigen – im nächsten Jahresabschluss würden diese ohnehin sichtbar. Der Vorteil der Notenbankfähigkeit aus Korenys Sicht: »Ich kann es als Gütesiegel einsetzen und so signalisieren, dass mein Unternehmen wirtschaftlich stabil ist.« Und was sagt der Spediteur dazu? »Meine Geschäftspartner interessiert mein Basel II-Rating nicht«, sagt Kobernuss. Vielmehr schauen sie auf Einstufungen von Creditreform, Schufa oder Cofis. Den Hauptvorteil von Bankenrating sieht der Spediteur in der Wettbewerbsregulierung. »Das Transportgewerbe ist Kannibalismus«, betont er. »Der Wettbewerb wird über den Preis und nicht mehr über Leistung betrieben.«  Das Rating habe zur Folge, dass diejenigen Unternehmen, die ihren Mitbewerbern mittels Preissenkung die Aufträge entziehen, bei den Banken auffällig werden. Schließlich ist ein Kriterium des Ratings eine gesunde Kapitaldecke, die bei Preis-Dumping nicht geschaffen werden kann.  »Diese Unternehmen bekommen dann kurzfristig von ihren Banken kein Geld mehr und fallen aus dem Markt raus«, schlussfolgert Kobernuss. »Die Kannibalismusstrategie wird so geändert.« Logistikunternehmen müssen dann wieder mit Leistungen bestechen, innovativ sein und sich auf diesem Wege ihren Vorsprung vor den Wettbewerbern sichern.

Rangstufen der Bundesbank
Die Rangstufen der Bundesbank richten sich nach den errechneten Kennzahlen. Hier die Rangstufen im Überblick: Rangstufe 1 und 2: sehr hohe Gesamtkennzahl; wird kaum von Unternehmen erreicht Rangstufe 3: ist der übliche Bereich, den Betriebe erreichen. Er bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen Insolvenz einreichen muss, bei 0,1 Prozent liegt. Dies entspricht einem Rating-Ergebnis von A – Rangstufe 4: gilt neuerdings und für eine begrenzte Zeit als notenbankfähig; die Insolvenz-Wahrscheinlichkeit liegt bei 0,4 Prozent Rangstufe 5 – 7: nicht notenbankfähig beziehungsweise refinanzierungsfähig für die Bank  
 

Datum

6. April 2011
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