Verdi und IG Metall verhandeln über die indutrielle Kontraktlogistik. Zoom

IG Metall und Verdi in der Automobillogistik: Die Grenzen in der Kontraktlogistik

Früher undenkbar – heute sitzen IG Metall und die Metall-Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitgeberverband der Spediteure und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zusammen und sondieren die künftigen Tarifbedingungen im Bereich industrielle Kontraktlogistik.

Der Hintergrund: Immer mehr versucht die IG Metall, bei einem Outsourcing von Dienstleistungen die Zuständigkeit weiter für sich zu reklamieren – etwa wenn ein Logistikdienstleister von einem Automobilhersteller die Vormontage bestimmter Bauteile übernimmt. Dabei geht die Gewerkschaft der Metall- und Elektroindustrie sogar so massiv vor, dass beide Gewerkschaften bestehende Abgrenzungen aktuell nochmals konkretisiert haben, auch in Form einer Liste, wer für welche Bestandsbetriebe zuständig ist.

Ziel der Auftraggeber aus der Metall- und Elektrobranche (M+E) ist laut Rechtsanwalt Stefan Brötz, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg (AVSL) und damit einer der Verhandlungspartner auf Seite der Spediteure, "Frieden in der Wertschöpfungskette": Die Synchronisierung der Laufzeiten der Tarifverträge und damit die Verhinderung von Streiks. Wenn überhaupt, soll es einen Abschluss für die Produktionslogistik geben, mit einer eigenen Tarifdynamik und einer Tarifierung nur in den Bundesländern, in denen es gewünscht werde. Wichtig sei den Arbeitgebern auch, dass sich die Entgelte in den beiden Branchen weiter unterscheiden – sonst bringt das Outsourcen keinen Vorteil mehr.

Tarif-Abstand ist gewollt

Die Position der IG Metall deckt sich damit nur bedingt: Den Entgeltabstand in den beiden Branchen will auch sie. Allerdings strebt sie einen bundesweiten Rahmentarifvertrag sowie den Abschluss von regionalen Tarifverträgen auf Landesebene an, in denen die Entgelttarife festlegt werden. Laufzeiten und Entgeltdynamik der beiden Branchen sollen mit den Abkommen der M+E-Industrie synchronisiert werden. Laut Brötz haben die Arbeitgeber Gesamtmetall daher beschlossen, erstmals auch mit den Arbeitgebern der Speditionsseite Gespräche zu führen. Vorstellbar sei eine Tarifgemeinschaft auf der Arbeitgeberseite zwischen Gesamtmetall und den Speditionsverbänden.

Erste Sondierungsgespräche hätten demnach ergeben, dass beide Arbeitgeberseiten eine gemeinsame Präambel erstellen könnten. Gemeinsames Ziel sei, einen Tarifvertrag auf Bundesebene zu vermeiden. Zudem soll für einen Tarifvertrag ein enger fachlicher Anwendungsbereich gelten: Die Arbeiten müssten klar mit der Produktion zu tun haben, auf dem Betriebsgelände des Herstellers vorgenommen werden und nicht sporadisch erfolgen.

Hohe Leistungszuschläge beim IG Metall-Tarif

Was bedeutet diese Entwicklung für die Logistikdienstleister? Ganz klar, einen himmelweiten Unterschied bei der Vergütung: Arbeitnehmer der M+E-Branche profitieren dabei vor allem vom nicht unerheblichen Leistungsentgelt sowie diversen Zuschlägen, die zusätzlich zum Grundentgelt nach Tarifvertrag gezahlt werden.

So verdient etwa ein Staplerfahrer der Entgeltgruppe 3 mit einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden und einem Grundgehalt nach IG-Metall-Tarif elf Prozent mehr als ein Kollege der Lohngruppe 2 mit Tarifvertrag Spedition und Logistik, der 38 Stunden in der Woche leisten muss. Nimmt man Leistungsentgelt und Zuschläge hinzu, vergrößert sich die Lohndifferenz gar auf 25 bis 30 Prozent. Viel besser ist es auch nicht mit einem Haustarifvertrag. Eine Differenz bleibt – und die muss ein Auftraggeber erstmal schlucken.

"Die IG Metall erhebt einen klaren Anspruch auf die industrielle Logistik und hat viel Kraft – sie wird weiter ihre Kreise ziehen", sagt Brötz. Die IG Metall habe bundesweit bereits rund 30 Haustarifverträge mit Logistikunternehmen ausgehandelt. Gelinge es ihr, Flächentarifverträge in den Ländern und letztlich im Bund auszuhandeln, habe auch Verdi nach § 4a IV TVG Tarifeinheitsgesetz gegebenenfalls das Recht auf Nachzeichnung eines Tarifvertrags – mit entsprechenden Folgen für die Arbeitgeber aus Spedition und Logistik.

Ilona Jüngst

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Photographee.eu/Fotolia, Montage: Florence Frieser

Datum

16. November 2016
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