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Hawana-Projekt: Zeitkiller Rampe

Neue Studie fordert bessere Kommunikation und standardisierte Prozesse.

Gegen lange Wartezeiten und Frust an Laderampen setzt eine neue Studie namens Hawana auf standardisierte Prozesse und eine bessere Kommunikation zwischen Transporteuren und Verladern. Hawana klingt nach Caféflair, Entspannung und heißen Rhythmen.

Leider ist an deutschen Verladerampen oft nur der Kaffee heiß – und die Diskussionen zwischen Fahrern und Lagerpersonal. "Es fehlt ein Standard, der von allen Seiten akzeptiert und genutzt wird – vor allem in Bezug auf die Wartezeiten von Lkw an Laderampen und ihren wirtschaftlichen sowie ökologischen Folgen", sagt Sercan  Kahraman, Projektleiter beim Institut für Distributions- und Handelslogistik (IDH) des Vereins zur Förderung innovativer Verfahren in der Logistik (VVL) in Dortmund.
Im Rahmen des mit Bundesmitteln geförderten Forschungsprojekts mit dem langen Titel "Standardisierung und Regulierung der Handhabung von Wartezeiten bei der Be- und Entladung von Lkw im gewerblichen Güternahverkehr (Hawana)" hat das Institut Spediteure, Logistikdienstleister, Händler und Industrie befragt.

Mangelde Kommunikation, fehlender Datenaustausch, unklare Verpflichtungen ...

Für Kahraman sind die Ursachen für lange Wartezeiten vielfältig: mangelnde Kommunikation, fehlender Datenaustausch und unklare Leistungsverpflichtungen. Die Rampe stelle inzwischen eine Grenze dar, "an der sich zwei Ideologien begegnen". Die gescheiterten ADSp-Verhandlungen wertet der Forscher als Beleg, wie stark die Fronten inzwischen verhärtet sind. "Jeder kocht sein eigenes Süppchen, das macht die Sache noch schlimmer", kritisiert Kahraman.  

Auf den wirtschaftlichen Folgen langer Wartezeiten bleiben die Spediteure oder Frachtführer in der Regel sitzen, und das bei ohnehin geringen Frachtraten.  „Besonders im eng getakteten Nah- und Regionalverkehr mit verhältnismäßig kurzen Transportstrecken und folglich geringen Transportzeiten stellen unplanmäßige Wartezeiten einen erheblichen Kostenfaktor dar“, stellt die Studie fest. Oftmals bestehe kein Vertragsverhältnis zum Warenempfänger, falls Versender und Spediteur oder Transporteur die Vereinbarung eines Frei-Haus-Transportes treffen.

40 Euro für eine Stunde

Wer eine Stunde Wartezeit mit etwa 40 Euro für Personal, Lkw und Umsatzausfall veranschlagt, kommt bei häufigen Problemen schnell auf eine größere Summe. Doch weder in den ADSp noch anderen üblichen Vertragsbedingungen (VBGL) finden sich konkrete Vorgaben für die Praxis. Wie lange ist "angemessen" und wer entscheidet darüber? Hinzu kommen negative Auswirkungen für Umwelt und Verkehrssicherheit,
etwa durch Stop & Go an der Rampe und sinkende Sorgfalt bei der Ladungssicherung.
Ziel der Studie ist es, schlanke, effiziente Strukturen an der Rampe zu schaffen. Ein Handlungsleitfaden soll kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) helfen, ihre Wartezeiten zu verringern und Standgeldansprüche durchzusetzen. In Interviews und Fragebögen stellte sich etwa heraus, dass trotz IT-Software Palettenzahlen und Ankunftszeiten oft manuell eingetragen werden. Bei der Tourenführung wird die Verkehrssituation nicht immer berücksichtigt.

Verbesserungen mit App und Co.

Die digitale Zukunft wird Verbesserungen bringen: eine Paletten-App ist einsatzbereit, es gibt eine Vielzahl mobiler Anwendungen, Ladungsträger und Waren lassen sich per RFID-Tag kennzeichnen. Auch teilautonomes Fahren bringt mehr Spielräume für die Fahrer – was alles möglich ist, wird sich in naher Zukunft zeigen.
 

Das HaWana-Projekt

Träger: Institut für Distributions- und Handelslogistik (IDH) des VVL Dortmund
Vorgehen: Unternehmensbefragung, Analyse von Rampenprozessen vor Ort
Ziele: Referenzprozessketten, Software zur Standgeld-
Berechnung, Handlungsleitfaden, mehr Verkehrssicherheit, standardisierte Prozesse
Vorschläge: Standgeld bei überschrittener, maximaler Aufenthaltszeit: 43 Euro je angefangener Stunde
Maximale Aufenthalts­zeiten ohne Standgeld­anspruch nach Art
der Anlieferung: 84 bis 98 Minuten



Download
Kostenlos herunterladen Effiziente Prozesse an der Rampe (PDF)
Portrait

Autor

Foto

Matthias Rathmann, Fotolia; Figge, Montage: Frank Haug

Datum

21. April 2016
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