Vario Liner Beladung, Elvis, Zoom

Freightweb: Per Klick zum Lkw

Verlader, die einen Lkw suchen, bekommen diesen an einem beliebigen Ort in Deutschland gestellt.

Die Kooperation Elvis schaltet im September das Portal Freightweb scharf, das innerhalb von sechs Stunden den gesuchten Lkw organisiert.

Ein Treffen, ein Mittagessen, ein Handschlag, ein Vertrag. Keine Frage: Der persönliche Kontakt ist wichtig und für gute Geschäftsbeziehungen unverzichtbar. Doch Experten sind sich einig, dass das Persönliche früher oder später auf der Strecke bleiben wird. "Die Ausschreibungskultur wird sich fortsetzen", prophezeit Jochen Eschborn, Vorstand der Ladungskooperation Elvis.

Freightweb startet im Oktober

Auf diesen Wandel hat Elvis reagiert: Auf der Messe Transport Logistic stellte das Netzwerk, hinter dem 105 Partner mit 185 Depots stehen, ein Portal vor, über das Verlader mit Transportunternehmen in Kontakt treten und kurzfristig einen Lkw chartern können. Eine Online-Lösung, die greift, wenn Verlader den persönlichen Kontakt noch nicht haben oder ihn nur wegen eines Lkw nicht in Anspruch nehmen wollen – etwa, um Spitzen abzudecken.

Die Idee stammt – wie im Fall von Elvis häufig – von Vorstand Eschborn selbst. "Eine Elvis-typische Sache: Wir machen etwas, was es so vorher noch nicht gab", erklärt er. Gebe man etwa die Worte Lkw, Hamburg und München in eine Suchmaske ein, finde der interessierte Auftraggeber nur Mietangebote für Lkw, nicht aber einen Frachtführer – geschweige denn ein tagesaktuelles Angebot. Spediteure mögen Zugriff auf Frachtenbörsen wie Timocom haben, doch die Verlader gucken bislang weitgehend in die Röhre.
Das ändert sich ab September. Dann schaltet Elvis das webbasierte Buchungssystem Freightweb (www.freightweb.de) scharf. Messebesucher konnten seine Funktionen vorab in einer Alpha-Version testen. Elvis hat das Portal zusammen mit dem IT-Dienstleister Serie A mit einjährigem Vorlauf umgesetzt.

Der große Vorteil für den Kunden: Sicherheit. Er kann sich darauf verlassen, sofort ein Angebot und einen fixen Preis für einen beliebigen nationalen Transport zu bekommen. "Und er kann sich darauf verlassen, dass der angefragte Lkw an jedem Ort in Deutschland innerhalb von sechs Stunden zur Verfügung steht", sagt Eschborn. Möglich mache das das große Partnernetz und eine Flotte von mehr als 12.000 Elvis-eigenen Fahrzeugen. Das System ermittelt automatisch den für die gewählte Relation zugeordneten Elvis-Partner und gibt abhängig von Entfernung, regionalen Kostenaspekten und von sich täglich ändernden Parametern den Transportpreis aus.

Öffnet das Gewerbe selbst damit einem weiteren Frachtenverfall Tür und Tor? "Keineswegs", entgegnet Elvis-Mann Eschborn. "Die Preise sind auskömmlich." Sie seien gar etwas höher als regulär und mit entsprechendem Vorlauf angefragte Preise. Der Verlader bezahlt damit auch die Sicherheit, dass er so kurzfristig einen Lkw erhält.

Doch wie kann die Kooperation den nötigen Laderaum so kurzfristig bereitstellen? Das sei für die Elvis-Partner noch die leichteste Übung, erklärt Eschborn. "Wir sind stark genug und haben in jeder Region die entsprechende Zahl von Fahrzeugen täglich zur Verfügung", sagt er. Die Problematik liege nicht in der Produktion, sondern im Traffic auf dem Portal. Soll heißen: Der Erfolg der Online-Lösung steht und fällt mit der Akzeptanz. Eschborn ist jedoch zuversichtlich, dass Verlader das Angebot nutzen werden.

Im Übrigen bekommt der Verlader nicht die Lösung von der Stange. Er kann wählen, ob er eine Teil- oder Komplettladung vergeben möchte und ob ein Jumbo- oder Standard-Lkw erforderlich ist. Nutzer müssen sich nicht zwingend für das System registrieren, aber die für die Abrechnung relevanten Daten hinterlegen. Auch eine Bewertung des Auftrags ist möglich. Aber vielleicht kommen sich Neukunde und Transporteur ja über das Portal näher, sodass daraus ein persönlicher Kontakt entsteht? Ganz ohne das Zwischenmenschliche funktioniert das Geschäftsleben schließlich auch nicht.


MEHR POWER IM EINKAUF

Werkstatt-Zubehör, Lkw, Trailer und sogar Firmenautos – das alles können Elvis-Unternehmen inzwischen zentral über ihre Kooperation einkaufen. Dabei nutzt das Netzwerk seine Größenvorteile in der Beschaffung: 105 Partner mit 185 Depots und zusammen mehr als 12.000 Lkw sind bei Verhandlungen mit der Industrie gute Argumente. "Den zentralen Einkauf wollen wir künftig noch weiter forcieren", kündigt Vorstand Jochen Eschborn an. Elvis arbeite bereits an einem entsprechenden Einkaufsportal. Für die Mitglieder soll es eine Selbstverständlichkeit werden, alle für sie relevanten Artikel mit Preisvorteilen bei Elvis einzukaufen – vom Spanngurt bis zur Zugmaschine. "Der Frachtführer soll den Kopf frei haben und sich auf seine Stärken konzentrieren können", sagt Eschborn.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

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Elvis

Datum

2. Juli 2013
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