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Foto: Matthias Rathmann

Feldversuch in Schleswig-Holstein: Oberleitungs-Lkw keine Konkurrenz zur Schiene

In Hessen und Schleswig-Holstein sind Feldversuche mit Oberleitungs-Lkw geplant. Auf dem betreffenden Abschnitt in Schleswig-Holstein zwischen Reinfeld und Lübeck werden auch Lkw der Spedition Bode verkehren. Geschäftsführer Kai Bode stellt sich den Fragen der Fachzeitschrift trans aktuell.

trans aktuell: Herr Bode, Sie beteiligen sich am Feldversuch mit Oberleitungs-Lkw. Das Umweltministerium hat Ihnen für Präsentationszwecke ein solches Fahrzeug auf den Hof gestellt. Waren Sie überrascht beim Anblick des ungewöhnlichen Lkw?

Bode: Nein, ich war bereits in Groß Dölln bei Siemens auf der Versuchsstrecke. Daher kannte ich den Lkw mit dem markanten Stromabnehmer bereits.

Wird es im Rahmen des Feldversuchs bei diesem einen Lkw bleiben?

Das vorgestellte Fahrzeug gehört nicht uns, sondern Siemens. Ich gehe nicht davon aus, dass wir es für den Versuch überlassen bekommen. Daher werden wir investieren. Ich glaube nicht, dass eine Einheit ausreichen wird, sondern dass wir eher zwei oder drei Lkw in unsere Flotte aufnehmen. Dazu werden wir Gespräche mit den Fahrzeugherstellern führen. Sie müssten ja ein großes Interesse daran haben, an dem Versuch mitzuwirken. Ende 2018 soll die Strecke stehen, sodass es losgehen kann.

Ihr Unternehmen ist bisher die einzige Spedition in Schleswig-Holstein, die an dem Versuch mitwirken wird. Warum wollen Sie mitmachen?

Die Siemens-Leute waren vor etwa zwei Jahren auf uns zugekommen. Sie suchten ein Unternehmen, das Shuttle-Verkehre auf der kurzen Strecke an die Ostsee anbietet. Bei uns sind sie fündig geworden: Für unseren Kunden Lidl transportieren wir Waren von Reinfeld nach Lübeck. Dort wechseln die Einheiten vom Seeland- und Skandinavienkai auf das Schiff nach Finnland und vom Containerterminal Lehmann auf den Zug nach Stockholm. In Reinfeld konsolidieren wir die Ware, die uns aus ganz Deutschland angeliefert wird, teilweise auch aus dem europäischen Ausland.

Kanzlerin Merkel war neulich in Schweden und hat sich über den Oberleitungs-Lkw informiert. Welche Bedeutung hat ihr Besuch?

Von ihrem Besuch geht in jedem Fall ein Signal aus, was ich positiv finde. Es wurde auch eine Absichtserklärung unterschrieben, dass die Technologie mit beiden Ländern abgestimmt werden soll. Das bietet uns gute Perspektiven: Wenn wir den Vorlauf elektrisch darstellen, der Hauptlauf mit der Schiene elektrisch erfolgt und der Nachlauf in Schweden ebenfalls elektrisch geschieht, haben wir mit Blick auf den Umwelt- und Klimaschutz eine Menge erreicht.

Sie sind ein Befürworter des kombinierten Verkehrs. Inwiefern ist der Oberleitungs-Lkw eine Ergänzung – oder vielleicht sogar ein Widerspruch?

Ich bin auf alle Fälle ein Befürworter des kombinierten Verkehrs – nicht zuletzt aus Umweltgründen und aufgrund des Fahrermangels. Wir sind viel auf der Schiene aktiv und betreiben bereits einen eigenen Ganzzug. Im vergangenen Jahr haben wir 28.000 Einheiten auf der Schiene bewegt und dadurch 39.500 Tonnen CO2 eingespart. Jeder Verkehrsträger hat seine Berechtigung. Ich sehe den Oberleitungs-Lkw nicht als Konkurrenz, sondern als Verbindungsstück zur Schiene. Wir werden ihn ja auch im kombinierten Verkehr einsetzen.

Matthias Rathmann, trans aktuell Chefredakteur

Datum

10. Februar 2017
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