Ehrenamt: Eine ökologische Dimension Zoom

Eine ökologische Dimension: Logistik für einen guten Zweck

Nachhaltigkeit hat nicht nur eine ökologische Dimension. Junge Mitarbeiter der Mannheimer Spedition Alpensped packen daher bei dem Hilfsprojekt "Die Tafel" mit an.

Vormittags um 11 Uhr bildet sich vor der Mannheimer Tafel bereits eine lange Schlange. In dem Supermarkt, in dem ausschließlich Bedürftige einkaufen dürfen, herrscht bereits seit acht Uhr ein reges Treiben. Mit von der Partie sind drei junge Mitarbeiter der Spedition Alpensped, die ebenfalls in Mannheim beheimatet ist. Veronica Nastasi und Gül Demirtas sind bereits das zweite Mal dort. Die knapp 19-Jährige sowie die 18-Jährige machen beide eine Lehre zur Bürokauffrau. Wobei Nastasi ihren Abschluss bereits so gut wie in der Tasche hat, während Demirtas erst vor wenigen Wochen mit ihrer Lehre begonnen hat.

Bei Alpensped legt man großen Wert auf caritative Hilfe

Zusammen mit ihrem Kollegen Steffen Herschlein, der vor drei Monaten als Assistent der Geschäftsleitung begonnen hat, sortieren sie beispielsweise Salatköpfe oder Paprika aus und räumen Regale ein. "Schon bei meinem Vorstellungsgespräch wurde mir gesagt, dass man bei Alpensped großen Wert auf caritative Hilfe legt", erzählt Herschlein. Der 27-Jährige findet das toll: "Wo Hilfe benötigt wird, sollte man anpacken." So sehen das auch seine beiden Kolleginnen. Schließlich habe nicht jeder das Glück, ohne finanzielle Sorgen aufzuwachsen, meinen beide unisono. "Auch lernt man die Nahrungsmittel ganz anders schätzen und merkt, dass man nicht so viel wegwerfen sollte", sagt Nastasi. Doch auch wenn die drei es nicht kalt lässt, dass es mitten in Deutschland Armut gibt – ihre Stimmung ist gut. Zum einen, weil Helfen Spaß macht, wie sie selbst sagen. Aber auch, weil es das Zusammengehörigkeitsgefühl untereinander stärkt.

Darauf baut auch Alpensped-Geschäftsführer Christian Faggin, der selbst schon bei der Mannheimer Tafel Hand angelegt hat. "Ich sehe uns als lokal ansässiges Unternehmen in der Pflicht", erklärt er.  Mit seinem Bruder Massimo habe er daher schon früh beschlossen, einen prozentualen Anteil des Unternehmensgewinns zu spenden. Einen Teil davon bekommt die lokale Tafel. Weitere Spenden erhalten der Kinderschutzbund und die Ärzte ohne Grenzen. Schließlich sei man vor allem international unterwegs.

Das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar

Aber auch für zwei Sportvereine vor Ort fließt Geld. "Dort wird wichtige Jugendarbeit geleistet. Wer in die Gesellschaft integriert ist, kommt selten auf dumme Ideen", sagt Faggin. Das alles erzählt er allerdings nur auf Nachfrage. Denn Marketing will er damit nicht betreiben. Vielmehr ist er der Überzeugung, dass es sich dabei um eine unternehmerische Pflicht handelt. "Außerdem können wir zukünftig nur dann wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn es der Gesellschaft gut geht."

Das wiederum ist in Mannheim nur zum Teil der Fall. Auch wenn die Stadt sich gerne als "das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar" sieht, wie auf deren Homepage zu lesen ist. "Dennoch haben wir hier rund 40.000 Menschen, die als arm gelten«, sagt der Leiter der Mannheimer Tafel, Uwe Mauch.

Zehn Tonnen Lebensmitteln für mehr als 10.000 Bedürftige

Rund 5.500 Haushalte und damit mehr als 10.000 Bedürftige unterstützt die Tafel täglich mit rund zehn Tonnen Lebensmitteln. Die soziale Einrichtung ist dabei Mitglied im Bundesverband der Tafeln und hat den dortigen Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) als Träger in der Hinterhand. "Soll heißen, dass das DRK pro Monat etwa 10.000 Euro zuschießt, damit wir null auf null rauskommen", erklärt Mauch. Die verbleibenden 20.000 Euro werden über Spenden finanziert. Das fängt bereits bei der Fahrzeugflotte an. Denn zwar gibt es Rahmenvereinbarungen mit Metro, Lidl sowie einer Reihe weiterer Supermarktketten – aber die Logistik hinter den Lebensmittelspenden muss die Tafel selbst erbringen.

Dafür hat die Mannheimer Tafel fünf Mercedes Sprinter am Start, die je zur Hälfte vom Hersteller Daimler sowie durch andere Spender finanziert wurden. Auch ein 7,5-Tonner mit Kofferaufbau sowie ein 40-Tonnen-Gliederzug mit Tiefkühler als Hänger sind in der Flotte. Mit diesen Fahrzeugen spulen die Mitarbeiter täglich rund 1.200 Kilometer ab. Aufgeladen wird das, was in einem herkömmlichen Supermarkt aus ästhetischen Gründen nicht mehr in den Verkauf kommt, kurz vor dem Verfalldatum steht oder aber zu viel produziert wurde. Ausdruck reiner Nächstenliebe sind die Spenden jedoch nicht. "Entsorgen kostet viel Geld", weiß Mauch nur zu gut. Denn auch die Tafel muss aussortieren. Das schlägt mit rund 1.000 Euro an Müllgebühren pro Woche zu Buche.

Eine Sondergenehmigung für Joghurt aus Italien

Manchmal gilt es aber auch, eine bürokratische Hürde zu nehmen. So war es etwa bei einer Großspende einer italienischen Molkerei, die zu viel Joghurt hatte. Den Transport, das war gleich klar, wollte Alpensped übernehmen. Doch aufgrund der Kennzeichnungspflicht hätte die Ware eigentlich nicht nach Deutschland kommen dürfen. Schließlich müssen die Inhaltsstoffe auf Deutsch abgedruckt sein – und nicht auf Italienisch. "Zum Glück bekamen wir eine Sondergenehmigung. Aber nur deshalb, weil wir neben den Produkten ein Schild mit den Zutaten aufgehängt haben", erzählt Mauch. Logistische Herausforderungen gebe es eben auch bei ihnen. Langweilig wird es Mauch, der auch schon als Feldkoch bei Hilfseinsätzen im Ausland tätig war, so schnell jedenfalls nicht.

Die Chill-out-Lounge für Entspannung

Über Langeweile können Veronica Nastasi, Gül Demirtas und Steffen Herschlein auch bei Alpensped nicht klagen. Dort gibt es aber zumindest einen Ruheraum, Neudeutsch auch Chill-out-Lounge genannt. In Unternehmensgrün gestrichen können es sich die Mitarbeiter dort bequem machen und sich entspannen. Im Zimmer nebenan wiederum steht ein Tischkicker. Auch das gehört für Christian Faggin dazu: Soziale Nachhaltigkeit spielt auch nach innen eine Rolle. Schließlich sollen sich die Mitarbeiter wohlfühlen.

Daher hat die Geschäftsleitung auch drei Gesundheitstage anberaumt, an denen ein Experte die Mitarbeiter untersucht und ihnen dann Tipps zu einer gesunden Ernährung und dem richtigen Bewegungsverhalten gibt. Auch diese Teilnahme ist freiwillig. Schon jetzt hätten sich fast alle angemeldet, so Faggin. Doch bei allen Annehmlichkeiten ist zumindest den drei Nachwuchskräften eines klar: Andere Menschen haben nicht so viel Glück. Daher werden sie erneut bei der Mannheimer Tafel aushelfen.

Das Unternehmen

Alpensped ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, das zu 100 Prozent den Familien Faggin und Belzer gehört. Der europaweit tätige Logistikdienstleister verfügt heute über fünf Abteilungen und beschäftigt mehr als 20 Mitarbeiter. Diese disponieren unter anderem rund 450 Lkw. Christian und ­Massimo Faggin leiten Alpensped zusammen mit Hubert Belzer. Der wiederum hat gemeinsam mit deren Vater Rinaldo Faggin das Unternehmen 1993 gegründet. 

Portraits

Autor

Foto

Nallinger

Datum

13. Juli 2012
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